GNU
Das GNU-Maskottchen

Eine der mit GNU verwendbaren Arbeitsoberflรคchen, Gnome 2
Entwickler GNU-Projekt
Lizenz(en) GNU GPL
Kernel Mach Mikrokernel / Linux
Abstammung GNU (keine Vorfahren)
Sprache(n) mehrsprachig
www.gnu.org

GNU (deutsch und englisch [gnuห], anhรถrenโ“˜/?) ist ein unixรคhnliches Betriebssystem und vollstรคndig freie Software, das im Rahmen des 1984 gestarteten GNU-Projekts als Softwaresammlung von Anwendungen und Bibliotheken entwickelt wird. GNU steht unter der GNU General Public License (GPL). Da ein eigener Kernel des Projekts, GNU Hurd, nicht fรผr den praktischen Einsatz geeignet ist, wird das System heute in der Regel mit dem Linux-Kernel kombiniert und GNU/Linux, zumeist aber einfach Linux, genannt.

Der Name GNU ist ein rekursives Akronym von โ€žGNUโ€™s Not Unixโ€œ (โ€žGNU ist Nicht Unixโ€œ) und soll, um Verwechslungen zu vermeiden, wie das Tier Gnu im Deutschen ausgesprochen werden, nicht wie im Englischen (also nicht wie new). Als Logo wurde der Kopf einer afrikanischen Gnu-Antilope gewรคhlt.

Geschichte

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Nach der Ankรผndigung im Jahr 1983 und der anschlieรŸenden Grรผndung des GNU-Projekts im Jahr 1984, das die Entwicklung von GNU zum Ziel hatte, wird seitdem das GNU-Betriebssystem entwickelt. GNU wurde darauf ausgelegt, mรถglichst kompatibel zu Unix zu sein. Diese Entscheidung hatte mehrere Grรผnde: Zum einen war man sich sicher, dass die meisten Firmen ein grundlegend neues Betriebssystem ablehnen wรผrden, wenn die Programme, die sie benutzten, darauf nicht laufen wรผrden. Zum anderen ermรถglichte die Architektur von Unix eine schnelle, einfache und verteilte Entwicklung, da Unix aus vielen kleinen Programmen besteht, die grรถรŸtenteils unabhรคngig voneinander entwickelt werden kรถnnen.

Im Jahr 1990 war ein Entwicklungssystem mit dem GNU-C-Compiler und vielen Systemprogrammen fertiggestellt, es fehlte aber noch ein Kernel. Die Free Software Foundation beschloss daraufhin (nach langem Hin und Her), den Mach-Kernel zu verwenden. Darauf aufbauend sollte ein Multiserverbetriebssystem geschrieben werden, damit das System leichter um weitere Komponenten erweitert werden kann und auch Benutzer ohne Administratorrechte eigene Komponenten einbinden kรถnnen, ohne die Stabilitรคt des Gesamtsystems zu gefรคhrden.

Das Multiserversystem wurde GNU Hurd getauft. Da es aber sehr stark Multithreading nutzte, erwies sich das Debuggen als sehr schwierig. Das Projekt wurde sehr umfangreich und schwierig zu verwalten. Gleichzeitig zog es die Entwickler zum wesentlich pragmatischer entwickelten Linux, die damit bei GNU Mach und GNU Hurd fehlten. Die Entwicklung dieser Teile ging schleppend voran. In dieser Zeit entstand ein Running Gag, bei dem Anwender fragten, wann Hurd fertig sei, und in der Antwort auf das jeweilige nรคchste Jahr verwiesen wurde. Hurd wird deshalb hรคufig als Vaporware bezeichnet.

1998 rief Marcus Brinkmann das Debian-GNU/Hurd-Projekt ins Leben, um der Entwicklung wieder mehr Schwung zu verleihen. Die Infrastruktur des Debian-Projekts wurde fรผr GNU Mach und GNU Hurd nutzbar gemacht, wodurch erstmals eine grรถรŸere Zahl Applikationen auf das System portiert wurde. Im Rahmen von Debian GNU/Hurd entstand eine nutzbare Installationsroutine, auch wurden X11, Gnome und KDE auf die Plattform portiert. Zusรคtzlich profitierte sie von der ausgereiften Paketverwaltung mittels apt-get, dpkg sowie von den anderen Hilfsmitteln, die Debian zur Systemverwaltung bereitstellt. Brinkmann erweiterte GNU Hurd zudem um eine Unicode-fรคhige Konsole, die auf einer Client-/Server-Architektur beruht und somit die Linux-Konsole an Flexibilitรคt deutlich รผbertrifft.

2001 gab es auรŸerdem Bestrebungen, GNU Hurd vom Mach-Mikrokernel GNU Mach auf einen L4-Kernel, einen Mikrokernel der zweiten Generation, zu portieren. Dieses L4-Hurd-Projekt wurde wie Debian GNU/Hurd ebenfalls maรŸgeblich von Marcus Brinkmann vorangetrieben und koordiniert. Im Februar 2005 war die erste Phase dieser Portierung abgeschlossen. Erste kleine Programme kรถnnen seitdem unter einem GNU-Hurd-L4-System ausgefรผhrt werden. Allerdings stehen bisher weder eine Shell noch die GNU-Software zur Verfรผgung, sodass sich die Interaktion mit dem System vorerst auf die Bedienung des Kernel-Debuggers beschrรคnkt. Im Januar 2006 gab es รœberlegungen, statt des L4-Mikrokernels Coyotos zu verwenden.

Kernel

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Das GNU-Projekt sieht fรผr GNU den Kernel GNU Hurd vor. Die Entscheidung fรผr diesen experimentellen Kernel stellte einen wichtigen Grund fรผr die stockende Entwicklung eines nutzbaren GNU-Betriebssystems dar.

GNU Mach ist der favorisierte Mikrokernel des GNU-Projekts,[1] der die Abstraktion der Hardware ermรถglicht. Er ist eine Implementierung des Mach-Kernels und zurzeit (Stand Dezember 2015) der Standard-Mikrokernel von GNU Hurd. GNU Mach lรคuft bisher nur auf Maschinen der veralteten Intel-32-Bit-Architektur. Weitere Portierungen sind fรผr die Zukunft geplant, allerdings stagniert die Entwicklung.[2] Da die Kombination aus Mach und Hurd damit immer noch schlecht produktiv einsetzbar ist, wird sehr hรคufig Linux als Kernel eingesetzt und das gesamte System nur โ€žLinuxโ€œ statt GNU/Linux genannt.

โ€žHurd/L4โ€œ oder auch โ€žL4-Hurdโ€œ[3] ist ein Projekt, das โ€žGNU Hurdโ€œ auf den L4-Mikrokernel portieren und damit langfristig GNU Mach ablรถsen sollte. L4 hat sich jedoch als ungeeignet herausgestellt.[4]

GNU/Linux und dessen Bestandteile

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Die Kombination von GNU und dem Linux-Kernel ermรถglicht ein ausgereiftes stabiles Betriebssystem fรผr Personal Computer, Server und Embedded Systems und besteht aus folgenden Teilen:

Teile mit Betriebssystemrelevanz

Teile ohne Betriebssystemrelevanz

  • Programme unter Freier Lizenz (z.ย B. Anwendungsprogramme, z.ย T. auch vom GNU-Projekt),[18] zum Beispiel Bazaar, GIMP oder GNU Octave
  • Proprietรคre Programme werden vom GNU-Projekt und der Free Software Foundation streng abgelehnt,[19] da sie nicht ihren Freiheitszielen entsprechen. Dazu gehรถrt z.ย B. Adobe Flash Player.

Programme

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Um ein vollstรคndiges Betriebssystem zu ermรถglichen, wurden eine Softwaresammlung von Anwendungen, Bibliotheken und Dienstprogrammen fรผr Entwickler โ€“ GNU-Software oder -Pakete genannt โ€“ sowie GNU Hurd als Kernel programmiert.[20]

Da GNU Hurd als Systemkernel bisher schlecht zum produktiven Einsatz geeignet ist, wird GNU als Betriebssystem in der Regel zusammen mit dem Linuxkernel eingesetzt. Linux als Kernel enthรคlt jedoch auch proprietรคre Firmware, weshalb sich mit dem Ziel einer freien Variante der Fork Linux-libre in der Entwicklung befindet.

Unix-Dienstprogramme wurden durch entsprechende GNU-Projekte ersetzt, da sich bei Vergleichen herausstellte, dass GNU-Software stabiler und weniger anfรคllig fรผr Fehler war.[21] Einige GNU-Programme, z.ย B. die GNU Compiler Collection, wurden auf nahezu alle heute verbreiteten Betriebssysteme portiert.

Weitere bekannte Software des GNU-Projekts sind die GNU-C-Bibliothek, die Bash (Bourne-Again-Shell), der Texteditor GNU Emacs und der GNU Debugger.

Zu beachten ist, dass nicht jede Software, die รผblicherweise mit einer GNU/Linux-Distribution geliefert wird, vom GNU-Projekt erstellt wurde. So verzichtet das GNU-Projekt z.ย B. darauf, ein eigenes X Window System zu entwickeln, weil inzwischen von anderen eine freie Implementierung geschaffen wurde.

Geschichte

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Das erste fรผr GNU geschriebene Programm war der Texteditor GNU Emacs von Richard Stallman. Die Arbeit daran begann im September 1984.[22] Anfang 1985 wurde es von Stallman selbst erstmals als benutzbar eingestuft. In dieser Zeit war der Softwarevertrieb รผber das Internet noch nicht รผblich, da Zugรคnge selten waren. Software wurde stattdessen auf Disketten vertrieben.

1991 entwickelte Linus Torvalds, inspiriert durch GNU, einen neuen Kernel: Linux. Dieser wurde 1992 unter der GNU General Public License freigegeben und wurde von einigen Distributoren als Variante zum noch nicht fertiggestellten Systemkernel GNU Hurd eingesetzt.[23] Es ist Linux zu verdanken, dass heute tatsรคchlich eine Version des GNU-Systems ausfรผhrbar ist.[24] Im Zuge zunehmender Popularitรคt wurde diese Variante GNUs verkรผrzt โ€žLinuxโ€œ genannt. Richard Stallman legt allerdings auf die Bezeichnung GNU/Linux wert.[25] (Siehe auch GNU/Linux-Namensstreit.)

Status

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Das Betriebssystem wird nach wie vor aktualisiert. Auch GNU Hurd befindet sich nur sporadisch in der Entwicklung,[2] da noch nicht alle Bereiche Hurds fertig implementiert wurden. Die Entwicklung an den Mikrokerneln ist mittlerweile zum Teil eingeschlafen. GNU-Dienstprogramme sind allerdings vollstรคndig โ€“ GNU wird seit Jahren รผberwiegend in der Linux-basierten Variante namens GNU/Linux und auf freien wie proprietรคren Unix-Systemen in vielen Bereichen eingesetzt.

Debian GNU/Hurd

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Die am weitesten fortgeschrittene und aktivste GNU-Distribution auf der Basis von Hurd ist Debian GNU/Hurd. Stand 2013 waren etwa 78ย % der ca. 30.000 im offiziellen Debian-Archiv enthaltenen Pakete erfolgreich fรผr Debian GNU/Hurd รผbersetzt.[26]

Gentoo/Hurd

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Neben der Debian-GNU/Hurd-Portierung existierten auch Gentoo/Hurd-Projekte, die seit September 2006 nicht mehr gewartet werden.

Arch Hurd

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Seit Januar 2010 wird an einer Hurd-Distribution gearbeitet, die die Prinzipien von Arch Linux vertritt. Die Pakete wurden zuletzt im Mai 2019 aktualisiert.[27]

Varianten

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Das GNU-System war faktisch ein Betriebssystem, dem ein Kernel fehlte. Da die Software auf andere Kernel als GNU Hurd รผbertragen werden kann, gibt es Systeme, die als Varianten von GNU bezeichnet werden kรถnnen. GNU/Linux ist bei weitem die populรคrste Variante von GNU und wird hรคufig als Linux bezeichnet (siehe GNU/Linux-Namensstreit).

Ferner gibt es mit dem von Red Hat (vormals Cygnus Solutions) entwickelten Cygwin ein auf Windows aufsetzendes GNU-System.

Siehe auch

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Portal: Freie Softwareย โ€“ รœbersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Freie Software
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Commons: GNUย โ€“ Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. โ†‘ Introduction to GNU Mach. In: gnu.org. Free Software Foundation, 20.ย Januar 2007, archiviert vom Original (nicht mehr online verfรผgbar) am 12.ย November 2008; abgerufen am 17.ย Januar 2013 (englisch).
  2. โ†‘ a b NEWS โ€“ hurd/gnumach.git โ€“ GNU Mach. Abgerufen am 1.ย September 2019.
  3. โ†‘ Mailing lists auf der GNU-Webseite
  4. โ†‘ What happened to the L4/Coyotos/viengoos micro-kernels? In: GNU-Webseite โ€“ Hurd faq. Free Software Foundation, Inc., 19.ย Juli 2011, abgerufen am 25.ย Mรคrz 2012 (englisch).
  5. โ†‘ Alle GNU-Pakete (gnu.org)
  6. โ†‘ GNU @ Free Software Directory (fsf.org)
  7. โ†‘ POSIX โ€“ The GNU C Library
  8. โ†‘ glibc (Posix)
  9. โ†‘ GCC Zielsysteme
  10. โ†‘ https://ftp.gnu.org/non-gnu/
  11. โ†‘ https://ftp.gnu.org/non-gnu/X11.README
  12. โ†‘ The Linux Kernel Archives
  13. โ†‘ Release Notes for Linux v0.12
  14. โ†‘ Sollte die GNU/[Name]-Konvention auf alle Programme angewandt werden, die unter GPL stehen? GNU/Linux FAQ von Richard Stallman
  15. โ†‘ Warum GNU/Linux statt GNU Linux schreiben? GNU/Linux FAQ von Richard Stallman
  16. โ†‘ Ist es nicht falsch, das Werk von Linus Torvalds als GNU zu bezeichnen? GNU/Linux FAQ von Richard Stallman
  17. โ†‘ Ist Linus Torvalds damit einverstanden, dass Linux nur der Betriebssystemkern ist? GNU/Linux FAQ von Richard Stallman
  18. โ†‘ FSF Free Software directory
  19. โ†‘ Ruinรถse Kompromisse vermeiden (gnu.org)
  20. โ†‘ Cornerstone GNU Software auf der GNU-Webseite
  21. โ†‘ Barton P. Miller und andere: Fuzz Revisited: A Re-examination of the reliability of Unix Utilities and Services, 18. Februar 2000.
  22. โ†‘ Richard Stallman: Das GNU-Projekt auf gnu.org, 17. April 2012.
  23. โ†‘ GNU Hurd-Status, 17. April 2012.
  24. โ†‘ Richard Stallman: Das GNU-Projekt, 17. April 2012.
  25. โ†‘ Richard Stallman: GNU-Nutzer, die noch nie von GNU gehรถrt haben, 17. April 2012.
  26. โ†‘ The GNU/Hurd architecture, nifty features, and latest news. (PDF) Abgerufen am 11.ย Februar 2013.
  27. โ†‘ Arch Linux โ€“ Package Search. Abgerufen am 12.ย September 2025.

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