Schulter und Arm (Leonardo da Vinci)

Der Oberarmknochen (lateinisch Os humeri oder kurz Humerus; frรผher auch Achselbein[1] genannt) ist einer der lรคngsten und krรคftigsten Rรถhrenknochen der am Land lebenden Wirbeltiere und bildet die knรถcherne Grundlage des Oberarmes. Beim Menschen entspricht die fรผnffache Lรคnge des Oberarmknochens etwa der KรถrpergrรถรŸe.

Anatomie

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Kopf

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Oberarmknochenkopf und -hals. Gelenkflรคche in leichter Antetorsion.

Am oberen Ende des Oberarmknochens befindet sich sein Kopf (Caput humeri), der mit einer annรคhernd kugelfรถrmigen Gelenkflรคche eine Verbindung mit dem Schulterblatt (Scapula, genauer der Cavitas glenoidalis) eingeht und somit das Schultergelenk bildet. Der Kopf wird von zwei Knochenvorsprรผngen (Tuberculum majus = groรŸer und Tuberculum minus = kleiner) flankiert. Der groรŸe Vorsprung liegt seitlich (lateral) des Oberarmkopfes. Seine kopfwรคrts gerichtete (cranial) Oberflรคche ist abgerundet und weist drei flache Impressionen auf, an denen von oben nach unten die folgenden Muskeln ansetzen, die zusammen mit dem Musculus subscapularis auch als Rotatorenmanschette bezeichnet werden: Musculus supraspinatus, Musculus infraspinatus und Musculus teres minor. Die seitliche Flรคche des groรŸen Vorsprungs ist rau und nach auรŸen gewรถlbt convex und geht ohne sichtbare Begrenzung in den Schaft รผber.

Der kleine Vorsprung (Tuberculum minus) ist zwar kleiner als der groรŸe, springt aber stรคrker nach vorne (frontal) hervor. Er zeigt dabei auch in die Zugrichtung โ€“ zur Mitte (medial) โ€“ der Sehne des Musculus subscapularis, der er als Ansatz dient.

Zwischen den Vorsprรผngen verlรคuft eine Rinne (Sulcus intertubercularis), durch die die lange Sehne des Musculus biceps brachii und ein Ast der vorderen Oberarmarterie (Arteria circumflexa humeri anterior) verlaufen. Beim Hauspferd liegt in dieser Rinne ein weiterer Hรถcker (Tuberculum intermedium). Die Rinne zieht kรถrperfern (distal) bis etwa zum Beginn des mittleren Knochendrittels des Schaftes und verliert dabei zunehmend an Ausprรคgung. Zu beiden Seiten der Rinne befinden sich zwei Knochenkรคmme (Crista tuberculi majoris und Crista tuberculi minoris), die von den Knochenvorsprรผngen entspringen.

Hals

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Hals, Rinne der Bizepssehne

Verfolgt man den Oberarmknochen weiter nach unten, schlieรŸt sich unmittelbar unterhalb des Kopfes der gegenรผber der Gelenkflรคche leicht eingezogene Hals an (Collum anatomicum). Er dient der Gelenkkapsel des Schultergelenkes als Ansatz. Von ihm wird ein zweiter Hals abgegrenzt (Collum chirurgicum), eine chirurgisch bedeutsame Sollbruchstelle des Oberarmknochens, die unterhalb der Knochenvorsprรผnge im รœbergang zum Schaft liegt.

Schaft

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Der Oberarmschaft besitzt drei Flรคchen und somit auch drei Kanten.

Die vordere, seitliche Flรคche (Facies anterior lateralis) ist im kรถrpernahen (proximal) Teil glatt und gerundet. Sie wird von dem Musculus deltoideus verdeckt, dessen Ansatz sich etwa in der Mitte der Flรคche in einer Aufrauung (Tuberositas deltoidea) zeigt. Unter ihm befindet sich eine von der hinteren Flรคche (Facies posterior) kommende Rinne (Sulcus nervi radialis), in der ein Nerv (Nervus radialis) und eine Arterie (Arteria profunda brachii) von schrรคg hinten โ€“ oben nach vorne schwenken, die an dieser Stelle oft eingeklemmt werden. Im kรถrperfernen Teil dient die vordere, seitliche Flรคche als Ursprung des Musculus brachialis.

Die vordere, mittige Flรคche (Facies anterior medialis) hat eine geringere Ausdehnung als die vordere, seitliche Flรคche. Ihr oberer Anteil ist eng, formt den Boden der Rinne zwischen den Vorsprรผngen (Sulcus intertubercularis) und dient als Ansatz des Musculus latissimus dorsi. Eine raue Stelle im mittleren Abschnitt bildet den Ansatz des Musculus coracobrachialis. Der kรถrperferne Teil dient als Ursprung des Musculus brachialis.

Die hintere Flรคche (Facies posterior) wird fast vollstรคndig vom seitlichen und mittigen Kopf des Musculus triceps brachii bedeckt. Die Ursprungsflรคche beider Muskelkรถpfe wird vom Sulcus radialis durchschnitten.

Die vordere Kante (Margo anterior) lรคuft von der Vorderseite des groรŸen Knochenvorsprungs nach unten bis zu einer Grube (Fossa coronoidea) und trennt dadurch die vordere, seitliche Flรคche von der vorderen, mittigen Flรคche. Im oberen Teil ist sie eine prominente Knochenleiste (Crista tuberculi majoris), die als Ansatz fรผr den Musculus pectoralis major dient. In der Mitte nimmt sie die Vordergrenze der Deltoidea โ€“ Aufrauung auf. Kรถrperfern erscheint sie glatt und abgerundet und dient hier als Ursprung des Musculus brachialis.

Die seitliche Kante (Margo lateralis) zieht von der Rรผckseite des groรŸen Knochenvorsprungs zum Aufsatz des seitlichen Gelenkknorrens (Epicondylus lateralis humeri) und trennt dadurch die vordere, seitliche Flรคche von der hinteren Flรคche. Die obere Hรคlfte ist abgerundet und schwer abzugrenzen. Sie dient als Ansatz fรผr den Musculus teres minor und kรถrperfern davon als Ursprung fรผr den seitlichen Kopf des Musculus triceps brachii. In der Mitte wird sie von der flachen Knochenimpression des Sulcus radialis gekreuzt. Nach unten hin endet sie in einer ausgeprรคgten Knochenleiste (Crista supracondylaris lateralis), die dem Musculus brachioradialis als Ursprung dient.

Die mittige Kante (Margo medialis) erstreckt sich vom kleinen Knochenvorsprung bis zum Aufsatz des mittigen Gelenkknorrens (Epicondylus medialis humeri). Im oberen Drittel imponiert sie als prominente Knochenleiste (Crista tuberculi minoris). Hier setzt die Sehne des Musculus teres major an. In der Mitte weist sie eine leichte Vertiefung fรผr die Ansatzsehne des Musculus coracobrachialis auf. Das untere Drittel erhebt sich zu einem โ€“ mit zunehmender Annรคherung an den Aufsatz des mittigen Gelenkknorrens deutlicher werdenden โ€“ Knochenleiste (Crista supracondylaris medialis).

Unteres Ende

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Ellbogengelenk
Olecranon der Elle in der Vertiefung des Oberarmes in Streckstellung

Das untere Ende des Oberarmknochens ist in vorderer โ€“ hinterer Richtung abgeflacht und trรคgt einen Gelenkknorren (Condylus humeri), der mit seinen Gelenkflรคchen (Facies articulares) zu Speiche (Radius) und Elle (Ulna) das Ellbogengelenk bildet. Seitlich und mittig des Gelenkknorrens bildet sich jeweils ein Aufsatz (Epicondylus lateralis und Epicondylus medialis) aus.

Der seitliche Aufsatz des Gelenkknorrens ist eine kleine, mit zahlreichen Hรผgeln besetzte Knochenvorwรถlbung auf der nach auรŸen gerichteten Seite des Oberarmknochens. Er ist der gemeinsame Ursprung folgender Muskeln: Musculus supinator, Musculus extensor carpi radialis brevis, Musculus extensor carpi ulnaris, Musculus extensor digitorum und Musculus extensor digiti minimi. Darรผber hinaus dient er als Ansatzflรคche fรผr die Faserzรผge des seitlichen Speichenbandes (Ligamentum collaterale radiale). Kรถrpernah setzt er sich in die seitliche Leiste oberhalb der Gelenkknorren fort.

Der mittige Aufsatz des Gelenkknorrens ist krรคftiger ausgeprรคgt als der seitliche. Kรถrpernah setzt er sich in die mittige Leiste oberhalb der Gelenkknorren fort. Er dient als Ansatzflรคche des seitlichen Ellenbandes (Ligamentum collaterale ulnare). Der mittige Aufsatz des Gelenkknorrens ist der gemeinsame Ursprung der oberflรคchlichen Beuger des Unterarmes: Musculus pronator teres, Musculus flexor carpi radialis, Musculus flexor carpi ulnaris, Musculus palmaris longus und Musculus flexor digitorum superficialis. Der Nervus ulnaris lรคuft in einem Knochenkanal auf der hinteren Seite des mittigen Aufsatzes des Gelenkknorrens.

Der seitliche Anteil der Gelenkflรคche besteht aus einer knopfartig abgerundeten und deutlich vorgewรถlbten Knorpelflรคche (Capitulum humeri). Sie steht mit der nach innen gewรถlbten (concav) Gelenkflรคche des Speichenkรถpfchens (Caput radii) in Verbindung (artikuliert). Gleich kรถrpernah der vorgewรถlbten Knorpelflรคche sieht man eine Vertiefung (Fossa radialis). Sie nimmt den Vorderrand des Speichenkรถpfchens auf, wenn der Unterarm in eine starke Beugestellung (Flexion) gebracht wird.

Der mittige Anteil der Gelenkflรคche zieht in seitlicher Richtung als nach innen gewรถlbter Zylinder von der Vorder- zur Rรผckseite und formt dadurch eine ausgedehnte, taillierte Gelenkrolle (Trochlea humeri). Diese Gelenkrolle artikuliert bรผndig mit der korrespondierenden, halbmondfรถrmigen Gelenkflรคche (Incisura trochlearis) der Elle. Die seitliche Begrenzung trennt die Gelenkrolle gratfรถrmig von der Knorpelflรคche, die mit dem Rand des Speichenkรถpfchens in Verbindung steht. Die mittige Grenze ist deutlicher ausgeprรคgt und markiert den รœbergang zum mittigen Aufsatz des Gelenkknorrens.

Kรถrpernah der Gelenkrolle sieht man in der vorderen Ansicht eine kleine Vertiefung (Fossa coronoidea). Sie nimmt โ€“ analog zur Vertiefung fรผr das Speichenkรถpfchen โ€“ den rabenschnabelรคhnlichen Vorsprung (Processus coronoideus) der Elle bei gebeugtem Unterarm auf.

Auf der Rรผckseite des Oberarmknochens befindet sich kรถrpernah der Gelenkrolle eine weitere, deutlich ausgeprรคgte dreieckige Vertiefung (Fossa olecrani). Sie nimmt in der Streckstellung des Unterarms das Olecranon, genauer den Processus anconeus der Elle auf.

Siehe auch

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Literatur

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  • Johannes Menck, Annette Dรถbler, Rรผdiger Dรถhler: Vaskularisation des Humerus. In: Langenbecks Archiv fรผr Chirurgie 382 (1997), S. 123โ€“127.
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Commons: Oberarmknochenย โ€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Oberarmknochenย โ€“ Bedeutungserklรคrungen, Wortherkunft, Synonyme, รœbersetzungen

Einzelnachweise

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  1. โ†‘ Gundolf Keil Die โ€žCirurgiaโ€œ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 347 (Achsselpein).

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