
LGBT ist eine aus dem englischen Sprachraum รผbernommene Abkรผrzung fรผr Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender (lesbisch, schwul, bisexuell und transgender). Mittlerweile hat sich LGBT als Kurzform fรผr viele Geschlechter, Geschlechtsidentitรคten und sexuelle Orientierungen durchgesetzt, die von zweigeschlechtlichen oder heterosexuellen Normen abweichen. Alle Untergruppen fordern Freiheiten in Bezug auf die gesellschaftlich geprรคgte zweigeschlechtliche Ordnung und die damit verbundene soziale Norm der Heteronormativitรคt (gegengeschlechtliche Liebe).
Zunรคchst kam im Englischen LGB auf als Zusammenschluss von Personen mit den entsprechenden sexuellen Orientierungen im Kampf gegen Diskriminierungen (vergleiche Heterosexismus). Dieser Sammelbewegung schlossen sich bald Gruppen von Transgender-Personen an, die sich nicht mit dem ihnen bei Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizierten (vergleiche Cisgender). Die Kategorie โTransgenderโ bezieht sich nicht auf die sexuelle Orientierung der Betroffenen, sondern auf ihre Geschlechtsidentitรคt (ihr Gender). Die Nรคhe zu den drei erstgenannten Gruppen ergibt sich historisch aus den Diskussionen um dritte Geschlechter und der sozial wirkenden Heteronormativitรคt. Weil sich mit einem Wechsel der geschlechtlichen Zuordnung auch die Kategorisierung der sexuellen Orientierung รคndert, wird von Transgender-Personen gemeinsam mit der LGB-Bewegung das Recht gefordert, die eigene Sexualitรคt ausleben zu dรผrfen, รผber Homosexualitรคt hinausgehend. Obwohl einzelne Interessensgruppen wie beispielsweise die britische LGB Alliance gegen die Integration von Trans-Personen in die LGB-Bewegung waren, wurde dennoch basierend auf Basis der genannten gemeinsamen Forderung die Ergรคnzung der Abkรผrzung โLGBโ um das โTโ begrรผndet.
Mit dem Aufkommen der Queer-Theorie schlossen sich weitere queere Personen der Sammelbewegung an (LGBTQ). Im Folgenden wurde die Bezeichnung teilweise weiter ergรคnzt mit โIโ fรผr intergeschlechtliche Personen, dann mit โAโ fรผr asexuelle, aromantische und agender Personen[1] und schlieรlich mit einem Pluszeichenย + oder Trans-Sternchenย * als Platzhalter fรผr weitere Geschlechtsidentitรคten (LGBTQIA+). Ab der Jahrtausendwende waren diese Abkรผrzungen derart verbreitet, dass sie weltweit von vielen Gruppen und deren Medien verwendet und dadurch zum Internationalismus wurden. Seit Juli 2014 gibt es im Internet die Top-Level-Domain .lgbt.[2] Auch die UN-Menschenrechtskommission verwendet die Kurzform LGBT in ihrer Kampagne โUN Free & Equalโ. In Deutschland nennt das Regenbogenportal des Bundesfamilienministeriums die Abkรผrzungen LSBT, LSBTI, LSBTIQ oder LSBTI* (siehe unten). Die Bundeszentrale fรผr politische Bildung verรถffentlichte 2017 ein LSBTIQ-Lexikon.[3]
Geschichte
BearbeitenBis nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Begriff drittes Geschlecht als Sammelbegriff fรผr Menschen, die von heteronormativen Regeln abweichen, verwendet. Beginnend mit Magnus Hirschfeld und vor allem ab Ende der 1940er Jahre wurde in der Wissenschaft immer mehr zwischen Homo- und Transsexualitรคt unterschieden, und der Begriff drittes Geschlecht wurde aufgegeben. Besonders in den 1940er Jahren bis Anfang der 1970er Jahre verwendeten einige statt des medizinisch klingenden, durch die รberbetonung des Sex leicht zu Missverstรคndnissen fรผhrenden und stark negativ belasteten Wortes homosexuell den Begriff homophil als Selbstbeschreibung, der die Liebe hervorheben sollte. Es waren oft konservativere Personen, die auch eine sehr starke Anpassung an die heterosexuelle Mehrheitsgesellschaft guthieรen. Besonders ab Stonewall 1969 verwendeten progressivere Personen die zu Geusenwรถrtern gewordenen Begriffe gay oder schwul.
Durch die stรคrkere Zusammenarbeit der Schwulen- mit der Lesbenbewegung, die auch stark mit der Frauenbewegung verknรผpft ist, wurde die Forderung nach einer eigenen Identitรคt laut, und es wurden immer mehr die Wortfolgen โSchwule und Lesbenโ, โschwul-lesbischโ oder โgay and lesbianโ verwendet, um klarzustellen, dass auch lesbische Belange gemeint sind. Oft wurde auch den Frauen im Namen der Vortritt gelassen, unter anderem, weil sie weniger oft bemerkt werden. Im Alltagsgebrauch in der Szene wird auch oft โschwullesbischโ oder โgaylesbianโ verwendet.
In den 1970er Jahren begann sich die bisexuelle Gemeinschaft zu emanzipieren. Sie forderte, als eigenstรคndige Gruppe betrachtet zu werden,[4] wollte aber teilweise mit den schon etablierten Verbรคnden zusammenarbeiten. Durch die herrschende Heteronormativitรคt wurden Bisexuelle oft als Schwule und Lesben angesehen. Andererseits gab es Differenzen, da sich einige Lesben und Schwule strรคubten, Bisexuelle als solche zu akzeptieren, und ihnen Feigheit vor einem Coming-out und damit manchmal sogar den Verrat an der Bewegung vorwarfen. Zusรคtzlich war in den spรคten 1970er Jahren und Anfang der 1980er Jahre die erste Euphorie nach Stonewall verflogen und AIDS betrat die Bรผhne der Zeitgeschichte. Auch durch Letzteres angestoรen, kamen Ende der 1980er Jahre vermehrt die Bezeichnungen โgay, lesbian and bisexualโ beziehungsweise โSchwule, Lesbische und Bisexuelleโ auf. Wegen der Langatmigkeit, alle Gruppen aufzuzรคhlen, wurde in der englischsprachigen Welt immer รถfter die Abkรผrzung โGLBโ beziehungsweise โLGBโ benutzt. Im deutschsprachigen Raum konnte sich die Abkรผrzung โLSBโ kaum durchsetzen und noch weniger โSLBโ. Hier wurde immer mehr dazu รผbergegangen, mit den vorhandenen Worten zu spielen und oft durch Binnenmajuskel verdeutlichte Akronyme wie vor allem LesBiSchwul oder auch โschwuLesBischโ zu verwenden. Auch die Newsgroup โde.alt.soc.lesbischwulโ hat daher ihren Namen. Das englische Pendant LesBiGay beinhaltet zugleich das Wortspiel Letโs be gay! (โLass uns schwul seinโ).[5]
Unter anderem die Verbreitung von Ideen aus der Queer-Theorie und die Genderforschung in anderen Kulturen und Zeiten fรผhrten dazu, dass die Gruppierungen sich wieder nรคher kamen. Erst in den 1990er Jahren wurde es รผblich, von gay, lesbian, bisexual and transgender people beziehungsweise โSchwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendernโ zu sprechen. Da die oftmalige Aufzรคhlung aller Betroffenen der sexuellen Minderheiten immer sehr langatmig und platzraubend ist, wurde Mitte der 1990er Jahre das erweiterte Akronym โLGBTโ oder seltener auch โGLBTโ รผblich und hat sich recht schnell bis zur heutigen oftmaligen Verwendung durch Vereine und Organisationen verbreitet, vor allem in den englischsprachigen Lรคndern, aber auch im deutschsprachigen Raum und in vielen anderen Lรคndern. Sogar im sonst sehr auf Sprachtreue Wert legenden Frankreich hat sich diese Bezeichnung durchgesetzt. Die deutschsprachigen Pendants โLSBTโ oder โSLBTโ sind weniger verbreitet. Sprachenspezifische Akronyme gibt es dagegen in Esperanto (GLAT), Ungarisch (LMBT), Norwegisch (LHBT), Schwedisch (HBT), Spanisch aus Spanien, Katalanisch und Galizisch (LGTB)[6], Schottisch-Gรคlisch (LCDT) und Hebrรคisch (ืืืืดื, โlahatabโ, lhtb[7]). An die Schrift angepasste Varianten gibt es bei Kyrillisch (ะะะะข)[8].
Immer รถfter wird queer (โseltsam, sonderbarโ) als Synonym verwendet, insbesondere in Namen, da es ein Anglizismus, kein Kunstwort und nur eine Bezeichnung ist. Darunter wird prinzipiell alles von der Heteronormativitรคt Abweichende verstanden. Da es zum Modewort geworden ist, stecken aber vor allem bei kommerziellen Namensverwendungenย โ im Gegensatz zu โQueer-Studiesโ-Universitรคtsinstituten und รคhnlichemย โ oft nur Teilbereiche dahinter.
Im Jahr 2016 kam eine Online-Umfrage unter knapp 12.000ย Personen in der Europรคischen Union zu dem Ergebnis, dass sich in Deutschland 7,4ย % der Bevรถlkerung dem LGBT-Spektrum zuordnen. Bei den 9ย europรคischen Lรคndern mit statistisch signifikanten Ergebnissen belegte Deutschland damit den Spitzenplatz, vor Spanien (6,9ย %) und England (6,5ย %). Mit 1,5ย % ordneten sich in Ungarn die wenigsten Personen der LGBT-Community zu.[9][10]
Das deutsche Regenbogenportal des Bundesfamilienministeriums definiert โLSBT, LSBTI, LSBTIQ, LSBTI*โ im Jahr 2019 als: โLSBTIQ oder รคhnliche Zusammensetzungen dienen als Abkรผrzung fรผr Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans-, intergeschlechtliche und queere Menschen.โ[11]
Das Gender-Portal der Universitรคt Duisburg-Essen definiert im Jahr 2020 die Bezeichnung LSBTI* wie folgt: โDer Sammelbegriff wird als politischer Begriff verwendet, um auf die Marginalisierung und Ausgrenzung bestimmter Begehrens- und geschlechtlicher Lebensformen aufmerksam zu machen und fรผr die gesellschaftliche Anerkennung zu kรคmpfen. LSBTI* zeigt vor allem den solidarischen Zusammenschluss verschiedener Gruppierungen an, die die Erfahrung von gesellschaftlicher, rechtlicher und politischer Ausgrenzung und Verfolgung aufgrund ihres Geschlechts und/oder ihres Begehrens teilen.โ[12]
Indikatoren zur LGBT-Situation weltweit
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Ende 2019 verรถffentlichte die konservative Londoner Denkfabrik Legatum Institute zwei sogenannte โsoziale Indikatorenโ zur Situation von LGBT-Personen in 167ย Staaten als Teil ihres jรคhrlichen Wohlstandsindikators Legatum Prosperity Index (PI):[13][14]
- Wahrgenommene Toleranz von LGBT-Personen, gemรคร Gallup-Befragungen von 130.000 Personen weltweit: โIst deine Stadt/Region ein guter Ort zum Wohnen fรผr schwule/lesbische Personen?โ
- Rechte von LGBT-Personen, gemรคร Auswertungen der ILGA zur Legalitรคt von Homosexualitรคt (1), eingetragener Partnerschaft (2) und gleichgeschlechtlicher Ehe (3)
Der erste Indikator untersucht subjektive Eindrรผcke der befragten LGBT-Personen, der zweite das positive Recht in den betreffenden Staaten.
Die wahrgenommene Toleranz hat sich demnach in 111ย Staaten verbessert und stieg weltweit von rund 25ย % (2009) auf rund 33ย % (2019). Island liegt demnach auf Rangย 1 (92ย %), Tadschikistan โ als Staat mit der niedrigsten Toleranz โ liegt auf Rangย 167 (1ย %).[13]
Von den drei LGBT-Rechten haben 55ย Staaten keines, nur 26 haben alle, 12 haben zwei, 74 nur eines: gesetzlich erkennen sie Homosexualitรคt an (de jure), aber nicht immer im praktischen Leben (de facto).[13]
Die beiden Angaben gehรถren zu den insgesamt 27ย Indikatoren des Bereichs โPersรถnliche Freiheitโ (Personal Freedom), einer von 12ย Unterindizes des Prosperity Index und Teil des Bereichs โInkludierende Gesellschaftenโ (Inclusive Societies).
Die folgende Kurzliste zeigt die drei D-A-CH-Lรคnder im Vergleich zu anderen, die den jeweils ersten Rang belegen, zusammen mit รnderungen zu 2009, dem Unterindex zur persรถnlichen Freiheit (Lรคnderliste) und dem Gesamtergebnis des PI (Lรคnderliste):[15]
| Staat (2019) | LGBT- Tole- ranz |
Rang (+/โ) |
2009 | LGBT- Rech- te |
Rang (+/โ) |
2009 | Pers. Frei- heit |
Rang (+/โ) |
2009 | PI | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 92ย % | 1 (+1)ย | 82ย % | 3 | 1 (+16) | 1 | 89,05 | 6 (0)ย | 88,67 | 80,72 | |||
| 90ย % | 2 (+13) | 61ย % | 3 | 1 (0)ย | 3 | 94,56 | 1 (+1) | 90,75 | 83,64 | |||
| 88ย % | 4 (+7)ย | 65ย % | 3 | 1 (+16) | 1 | 92,88 | 2 (+2) | 88,62 | 83,96 | |||
| 79ย % | 11 (+9) | 56ย % | 2 | 27 (โ19) | 2 | 85,98 | 12 (+3) | 83,84 | 83,64 | |||
| 79ย % | 11 (+11) | 54ย % | 3 | 1 (+16) | 1 | 90,76 | 3 (+7) | 85,89 | 82,39 | |||
| 73ย % | 19 (+1) | 56ย % | 3 | 1 (+7) | 2 | 85,26 | 13 (โ2) | 85,35 | 81,14 | |||
| 70ย % | 22 (+19) | 34ย % | 3 | 1 (+16) | 1 | 83,51 | 17 (+1) | 79,95 | 80,26 |
รhnliche Abkรผrzungen
BearbeitenFLINTA
Das Akronym FLTI* erklรคrte 2017 das LSBTIQ-Lexikon der Bundeszentrale fรผr politische Bildung: โFLTI* steht als Abkรผrzung fรผr Frauen, Lesben, Trans*, Inter* und wird oft fรผr (Schutz-)Rรคume verwendet, zu denen Cis-Mรคnner keinen Zutritt haben. Der Asterisk* (das Sternchen โ*โ) am Ende der Abkรผrzung dient als Platzhalter zur Inklusion (Einbeziehung) von allen nicht-binรคren Geschlechtsidentitรคten.โ[16] Aus dieser Abkรผrzung entwickelte sich in der Folge FINTA (Frauen, Intergeschlechtliche, Nichtbinรคre, Transgender- und Agender-Personen),[17][18] Schlieรlich wurde vorne ein L fรผr Lesben ergรคnzt und ein Trans-Sternchen fรผr weitere Identitรคten angehรคngt: FLINTA*.[19] Anfang 2022 erklรคrt das Queer-Lexikon der Berliner Tageszeitung Der Tagesspiegel: โDer Begriff FLINTA* wird oftmals verwendet, um deutlich zu machen, wer in bestimmten Rรคumen und bei bestimmten Veranstaltungen willkommen ist.โ[20]
GSD
Die umfassendere Abkรผrzung GSD (Gender and Sexual Diversity โGeschlechtliche und sexuelle Vielfaltโ) wurde 2013 von Dominic Davies und Pamela Gawler-Wright als Alternative zu LGBT vorgeschlagen.[21] Die Abkรผrzung LGBT wรผrde viele verwandte Gruppen nicht enthalten. Statt die Abkรผrzung etwa mit LSBTTIQ immer weiter zu erweitern, soll GSD eine kurze, aber umfassendere Beschreibung ermรถglichen.[22]
Internationale Aktionstage
Bearbeiten- 31. Mรคrz:
Internationaler Tag fรผr trans* Sichtbarkeit (International Transgender Day of Visibility: TDoV), seit 2009 begangen zur Demonstration der Leistungen und Erfolge von transgender und gender-nonkonformen Menschen.[23][24][25] - 17. Mai:
Internationaler Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (International Day Against Homophobia, Transphobia and Biphobia: IDAHOBIT), seit 2005 begangen, um auf die Diskriminierung und Benachteiligung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentitรคt hinzuweisen.[26] - 14. Juli:
Internationaler Tag der nichtbinรคren Menschen (International Non-Binary Peopleโs Day),[27][28] zeitlich genau zwischen dem Internationalen Frauentag im Mรคrz und dem Internationalen Mรคnnertag im November. - 11. Oktober:
Coming-out-Tag (Coming Out Day: COD), Aktionstag zum Thema โComing-outโ.[29] - Oktober, dritter Mittwoch (19. Oktober 2022):
Internationaler Tag der Pronomen (International Pronouns Day), 2018 ins Leben gerufen von einer Initiative, um den Respekt und das Teilen von persรถnlichen Pronomen (Fรผrwรถrtern) sowie die allgemeine Bildung dazu zu verstรคrken.[30][31][32] - 26. Oktober:
Intersex Awareness Day zur Anerkennung einer dritten Geschlechtsoption in Australien 1996.[33] - 8. November:
Tag der inter* Solidaritรคt (Intersex Day of Remembrance oder Intersex Solidarity Day) am Geburtstag von Abel Barbin.[34][35] - 20. November:
Gedenktag fรผr die Opfer von Transphobie (Transgender Day of Remembrance: TDoR), 1998 begrรผndet von Gwendolyn Ann Smith, um der Opfer transphober Gewalt zu gedenken.[36][37]
Kritik
BearbeitenGruppenzugehรถrigkeit und Sprachverwendung
Das Gender-Portal der Universitรคt Duisburg-Essen stellt im Jahr 2020 fest, dass โLSBTI*โ als Bezeichnung umstritten sei, โweil damit identitรคtspolitische Ansprรผche und Festlegungen einhergehen, die nicht von allen gewollt sind und der Pluralisierung der Lebens- und Begehrensformenโ entgegenliefen.[38]
Die transgeschlechtliche Journalistin Katie Glover kritisierte 2015 etwa, dass die hรคufige Verwendung der Bezeichnung LGBT zum Vorurteil beitrage, dass Transgender-Personen lesbisch oder schwul seien. Tatsรคchlich aber kรถnnen Transgender-Menschen auch eine heterosexuelle Orientierung haben. Oft wird die Bezeichnung auch verwendet, wenn es nur um schwule Cisgender-Mรคnner und lesbische Cisgender-Frauen geht. Folglich gibt es die Forderung, das โTโ wieder von โLGBโ zu trennen, da Gender und Geschlechtsidentitรคt ein wesentlich anderes Thema sei als sexuelle Orientierung.[39] Auch einige intergeschlechtliche Personen sehen sich nicht mit einer sexualitรคtsbasierten LSB-Emanzipationsbewegung verbunden.[40][41] Einige Gruppen wie etwa die britische โLGB Allianceโ fordern aus transfeindlicher Motivation den Ausschluss von Transpersonen aus der LGBT-Gemeinschaft.[42][43][44] Die Gruppe โGet the L outโ (โNimm das L rausโ) kritisierte die laut der Gruppe โfortschreitend anti-lesbische und misogynistische LGBT-Bewegungโ, die von Mรคnnern dominiert werde, und behauptet, dass โTransaktivismus Lesben ausradiertโ.[45][46]
Teilweise wird bemรคngelt, dass โLGBTโ einige weitere von der gesellschaftlichen Norm abweichende Orientierungen nicht abbildet. Daher gibt es eine Vielzahl an alternativen Akronymen wie etwa โLGBTQIA*โ, wobei die Buchstaben โQโ fรผr โqueerโ oder โquestioningโ (englisch [die eigene sexuelle oder geschlechtliche Identitรคt] hinterfragend), โIโ fรผr โintersexuellโ, โAโ fรผr asexuell, aromantisch, Agender und/oder โAlliesโ (engl. Unterstรผtzende) sowie ein Pluszeichen oder Asterisk fรผr weitere Identitรคten stehen kรถnnen.[40][47][48] Die Erweiterung des Akronyms wird wiederum teilweise kritisiert, da eine unbeschrรคnkte Ausweitung der Gruppendefinition die Vertretung politischer Interessen unmรถglich mache.[47]
Siehe auch
Bearbeiten- LGBT-Symbole
- Befragungen von LGBT-Personen zu psychischen Auswirkungen der Corona-Krise
- LGBT-Konservatismus
- LGBT-Migration (innerstaatliche oder weltweite Wanderungsbewegungen, um Diskriminierungen zu entkommen)
- Geschlechtsspezifische Verfolgung (รberbegriff in Vรถlkerrecht und nationalen Asylrechtssystemen)
- LGBT-Marketing (insbesondere fรผr lesbische und schwule Konsumenten)
- Pinkwashing (Produktwerbung mit Identifizierungselementen der LGBT-Bewegung)
Lรคnder
Bearbeiten- LGBT in รgypten
- LGBT in Argentinien
- LGBT in Chile
- LGBT in Deutschland
- LGBT in Indonesien
- LGBT in Israel
- LGBT in Kanada
- LGBT in den Niederlanden
- LGBT-ideologiefreie Zone (umstrittene Deklarierungen in Polen)
- Russisches LGBT-Netz (Nichtregierungsorganisation)
- LGBT in Mexiko
- LGBT in Uruguay
- LGBT in den Vereinigten Staaten
Literatur
Bearbeiten- Nora Warrach (Hrsg.): Sexualitรคten und Geschlechtsidentitรคten in der Migrationsgesellschaft. Herausgegeben vom Informations- und Dokumentationszentrum fรผr Antirassismusarbeit (IDA). Dรผsseldorf, August 2021 (Downloadseite).
- Ipsos: LGBT+ Pride 2021 Global Survey. New York, Juni 2021 (englisch; PDF: 1,9ย MB, 39ย Seiten auf ipsos.com; Infoseite).
- ILGA-Europa: Annual Review of the Human Rights Situation of Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex People in Europe and Central Asia. Brรผssel, Februar 2021, ISBN 978-92-95066-11-3 (englisch; PDF: 2ย MB, 124ย Seiten auf ilga-europe.org; Infoseite).
- Europรคische Kommission: Union der Gleichheit: LGBTIQ-Gleichstellungsstrategie 2020โ2025. EU-Informationsblatt, November 2020, ISBN 978-92-76-25072-2 (doi:10.2838/96318; PDF: 360ย kB, 2ย Seiten auf europa.eu).
- Agentur der Europรคischen Union fรผr Grundrechte (Fundamental Rights Agency): LGBTI Survey Data Explorer. Wien, Mai 2020 (englisch; europaweite Online-Befragung von 139.800 lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans oder intergeschlechtlichen Personen ab fรผnfzehn Jahren zwischen Mai und Juli 2019).
- Marjolein van den Brink, Peter Dunne: Trans and intersex equality rights in Europe โ a comparative analysis. Herausgegeben von der Europรคischen Kommission (Directorate-General for Justice and Consumers). Brรผssel, November 2018, ISBN 978-92-79-95764-2 (englisch; European network of legal experts in gender equality and non-discrimination; doi:10.2838/75428; PDF: 640ย kB, 117ย Seiten auf ec.europa.eu).
- Deutsches Jugendinstitut (DJI): Jung und queer: รber die Lebenssituation von Jugendlichen, die lesbisch, schwul, bisexuell, trans* oder queer sind (= DJI impulse. Nr. 2/18). Mรผnchen 2018 (PDF: 3,3 MB, 36 Seiten auf dji.de).
- Agentur der Europรคischen Union fรผr Grundrechte (Fundamental Rights Agency): EU LGBT survey: European Union lesbian, gay, bisexual and transgender survey โ Results at a glance. Wien 2013, ISBN 978-92-9239-173-7 (englisch; doi:10.2811/37741; PDF: 1,3ย MB, 36ย Seiten auf fra.europa.eu).
Weblinks
BearbeitenLexika:
- Ines Fuchs: โPrincess Charmingโ feiert Vielfalt! Was heiรt eigentlich cis, nichtbinรคr oder trans? Wir erklรคren queere Begriffe. In: RTL.de. 22. Juni 2021.
- Regenbogenportal: LSBT, LSBTI, LSBTIQ, LSBTI*. Bundesfamilienministerium, Mai 2019.
- Arn Sauer: LSBTIQ / LGBTIQ. Bundeszentrale fรผr politische Bildung, 27. Mรคrz 2017.
- Glossar eines Freiburger Vereins: Queer-Lexikon. In: Queer-Lexikon.net.
- Anja Kรผhne: Das Queer-Lexikon: Wofรผr steht LGBTI? In: Der Tagesspiegel. 3. Februar 2017.
Vereinte Nationen:
- UN Free & Equal: LGBT: Learn more โ Factsheets. In: UNFE.org. 2020 (englisch).
Studien, Umfragen:
- ILGA-Europa: Rainbow Europe 2022. In: ILGA-Europe.org. 11. Mai 2022 (englisch; Auswertung der LGBT-Verhรคltnisse in 49ย europรคischen Lรคndernย โ Malta fรผhrt vor Dรคnemark, Deutschland auf Platzย 15, รsterreichย 18 und Schweizย 21).
- news aktuell: Je jรผnger, desto queerer: Gen Z weitaus hรคufiger LGBTQ+ als รคltere Generationen. In: Finanznachrichten.de. 16. Juni 2021 (Ipsos-Global-Advisor-Studie โLGBT+ Pride 2021โ bei 19.000 16- bis 74-Jรคhrigen aus 27 Lรคndern, 1.000 aus Deutschland).
- Sabine Hannakampf: Jahresbericht: Beunruhigender Stillstand fรผr Queers in Europa. In: Maenner.media. 19. Mai 2021 (Zusammenfassung des Berichts von ILGA-Europa).
- ILGA-Europa: Annual Review of the Human Rights Situation of Lesbian, Gay, Bisexual, Trans, and Intersex People 2021. In: Rainbow-Europe.org. Mai 2021 (englisch; interaktive Karte mit Vergleich Europa โ EU).
Dokumentation:
- Video von ARTEde: Olaf S. Mรผller: Sex und Identitรคt: Eine diverse Geschichte. 24. April 2021 (51:36 Minuten; MDR 2020; gemeint ist โGeschlecht und Identitรคtโ).
LGBT-Vereinigungen und -Vernetzungen:
- ILGA-Europe (englisch) โ europรคische LGBT-Lobbyorganisation fรผr Gleichstellung und Menschenrechte.
- Transgender Europe (TGEU) (englisch) โ europรคischer Dachverband mit rund 130 Mitgliedsorganisationen aus 43 europรคischen und zentralasiatischen Lรคndern.
- Deutsche Gesellschaft fรผr Transidentitรคt und Intersexualitรคt e.ย V. (dgti) โ รคltester deutschlandweit agierenden Transgender-Verein.
- Bundesverband Trans* e.ย V. (BVT*) โ Zusammenschlusses auf Regional-, Landes- und Bundesebene.
- TransX โ Verein fรผr Transgender Personen โ รsterreich.
- Transgender Network Switzerland (TGNS) โ Schweiz.
Einzelnachweise
Bearbeiten- โ What the A in LGBTQIA+ Stands For. 21.ย Mai 2021, archiviert vom am 21.ย Mai 2021; abgerufen am 2.ย Juli 2023 (englisch).
- โ Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN): ICANN New gTLDs. Abgerufen am 20.ย Februar 2020 (englisch).
- โ Arn Sauer: LSBTIQ-Lexikon. Bundeszentrale fรผr politische Bildung, 27. Mรคrz 2017, abgerufen am 21. Februar 2022.
- โ Erwin J. Haeberle: Bisexualitรคten: Geschichte und Dimensionen eines modernen wissenschaftlichen Problems. In: Erwin J. Haeberle, R. Gindorf: Bisexualitรคten: Ideologie und Praxis des Sexualkontaktes mit beiden Geschlechtern. Gustav Fischer, Stuttgart 1994, S.ย 1โ39 (online auf sexarchive.info).
- โ Stanislawa Paulus: Identitรคt ausser Kontrolle: Handlungsfรคhigkeit und Identitรคtspolitik jenseits des autonomen Subjekts. Lit, Berlin u.ย a. 2001, ISBN 3-8258-4971-6, S.ย 85.
- โ LGTB, en mayรบsculas
- โ Von ืืกืืืืช (โฒlessbijot) โlesbischeโ; ืืืืืืื (โฒhomoim) โschwuleโ; ืืจื ืกื'ื ืืจืื (transโฒgenderim) โtransgenderโ; ืืืกืงืกืืืืื (bisexuโฒalim) โbisexuelleโ [Menschen]. Die Gerschajim (ืด) vor dem letzten Buchstaben (von rechts nach links) markieren es als Akronym.
- โ Fรผr das kyrillische Alphabet (auch cyrillisch, zyrillisch) siehe auch Schriften in Europa: Das phรถnizische und das griechische Alphabet. ( vom 29. Mรคrz 2007 im Internet Archive) Stand: 2. Februar 2008, abgerufen am 2. Februar 2020.
- โ Charlotte Haunhorst: So queer ist Deutschland wirklich. In: Jetzt.de. 19.ย Oktober 2016, abgerufen am 13.ย Juli 2020.
- โ Fred Deveaux, Dalia Research: Counting the LGBT population: 6% of Europeans identify as LGBT. ( vom 14. Juli 2020 im Internet Archive) In: DaliaResearch.com/blog. 18. Oktober 2016, abgerufen am 13. Juli 2020 (englisch).
- โ Regenbogenportal: LSBT, LSBTI, LSBTIQ, LSBTI*. Bundesministerium fรผr Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Mai 2019, abgerufen am 30. Oktober 2020.
- โ Universitรคt Duisburg-Essen: Gender-Portal: Was bedeutet Gender? In: Uni-Due.de/Genderportal. 5. August 2020, abgerufen am 21. Februar 2022.
- โ a b c Sonia Elks: Tolerance towards LGBT+ people seen rising globally. In: Reuters.com. 25. November 2019, abgerufen am 28. Januar 2020 (englisch).
- โ Legatum Institute: The Legatum Prosperity Index 2019ย โ Methodology Report. London, November 2019, S. 49: LGBT Rights, und S. 50: Perceived tolerance of LGBT individuals (englisch; PDF: 2ย MB, 97ย Seiten auf prosperity.com); Zitat S. 50: โIs your city/area a good place to live for gay/lesbian people?โ
- โ Legatum Institute: The Legatum Prosperity Index 2019ย โ A tool for transformation. London, November 2019, S. 14โ16: Tabelle (englisch; PDF: 31,3ย MB, 92ย Seiten auf prosperity.com).
Ebenda, jeweils auf S. 4 (einzelne PDF: 1,2ย MB, 15ย Seiten): Deutschland, รsterreich, Schweiz, Dรคnemark, Norwegen, Finnland, Island (englisch; Lรคnderauswahl).
Sรคmtliche Indizes und 294 Indikatorwerte: XLSX-Tabelle: 12ย MB (englisch).
Legatum Prosperity Index: Offizielle Website โ Interaktiver Indexanzeiger (PI mit 12ย Unterindizes) โ Downloadรผbersicht (englisch). - โ LSBTIQ-Lexikon: FLTI*. Bundeszentrale fรผr politische Bildung, 27. Mรคrz 2017, abgerufen am 4. Mรคrz 2022 (erstellt von Arn Sauer, Politologe und Mitarbeiter fรผr Gender-Mainstreaming am deutschen Umweltbundesamt).
- โ FINTA* (Seite dauerhaft nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mรคrz 2026. Suche im Internet Archive )
- โ Queer-Lexikon: FINTA. In: Queer-Lexikon.net. 30.ย Mai 2020, abgerufen am 17.ย Oktober 2021.
- โ Kritische Mรคnnlichkeit: FLINT / LGBTIQA /ย * usw. In: Kritische-Maennlichkeit.de. 2021, abgerufen am 17.ย Oktober 2021.
- โ Jasmin Ehbauer: Das Queer-Lexikon: Was bedeutet FLINTA*? In: Der Tagesspiegel. 3. Mรคrz 2022, abgerufen am 4. Mรคrz 2022.
- โ Les Fabian Brathwaite: The Name Game: Therapists Argue To Replace โLGBTโ With More Inclusive โGSDโ. In: Queerty.com. 23. Februar 2013, abgerufen am 2. Februar 2020 (englisch).
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