| Flores
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|---|---|---|
| Gewรคsser | Floressee, Sawusee | |
| Inselgruppe | Kleine Sundainseln | |
| Geographischeย Lage | 8ยฐย 37โฒย S, 121ยฐย 8โฒย O | |
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| Lรคnge | 354ย km | |
| Breite | 63ย km | |
| Flรคche | 15.175ย kmยฒ | |
| Hรถchste Erhebung | Poco Mandasawu 2370ย m | |
| Einwohner | 1.831.000 121 Einw./kmยฒ | |
| Hauptort | Maumere | |
Flores (portugiesisch fรผr โBlumenโ; auch Floris; indonesisch Pulau Flores โ Insel Flores) ist eine der Kleinen Sundainseln.
Die Insel ist 15.175ย kmยฒ groร und hat 1.831.000 Einwohner (Volkszรคhlung 2010). Flores gehรถrt zur indonesischen Provinz Ost-Nusa Tenggara. Etwa 91ย % der Einwohner sind Christen; die meisten davon Katholiken, Folge der portugiesischen Missionierung im 16. Jahrhundert.
Geographie
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Flores ist 354ย km lang. An der breitesten Stelle misst die sich in west-รถstlicher Richtung erstreckende Insel 63ย km.
Westlich von Flores liegen die kleinen Inseln Rinca und Komodo sowie das grรถรere Sumbawa, sรผdlich Sumba und die Sawusee. Im Osten befinden sich die Inseln Adonara und Solor, im Sรผdosten Timor, im Norden die Floressee mit Sulawesi. Ungefรคhr 18 Kilometer vor der Nordkรผste liegt die Vulkaninsel Palu'e.
Die Stadt Ende mit 60.000 Einwohnern liegt an der Sรผdkรผste und ist der wichtigste Fรคhrhafen in Richtung Timor-Barat (Westtimor). Ein kleiner Flughafen befindet sich an der Hauptverkehrsstraรe am sรผdlichen Rand der Stadt auf der Landzunge des Tafelbergs. รstlich von Ende an der Nordkรผste liegt Maumere, der Hauptort der Insel, im Regierungsbezirk Sikka mit 70.000 Einwohnern. Hier befindet sich der grรถรte Flughafen von Flores. Hauptstadt von Ostflores ist Larantuka.
Landschaft
BearbeitenAn der Kรผste ist Flores von Tiefland mit lichtem tropischem Regenwald und Savanne geprรคgt, wรคhrend im Landesinneren ein Hochland mit zum Teil noch tรคtigen Vulkanen bis auf 2382ย m ansteigt. Der bekannteste Vulkan ist der 1639ย m hohe Gunung Kelimutu. Seine drei nur durch hohe Wรคnde getrennten Kraterseen wechseln in unregelmรครigen Abstรคnden die Farben. 1986 waren die Farben Tรผrkis, Dunkelgrรผn und Schwarzrot, im November 2006 leuchteten die Seen in den Farben Grรผn, Braun und Schwarz. Was zu dem Farbwechsel fรผhrt, ist noch nicht genau geklรคrt, offenbar รคndert sich phasenweise die Mineralienabgabe der Kraterbรถden.
Die Westkรผste von Flores gehรถrt zu den wenigen Orten auรerhalb der Insel Komodo, an denen der Komodowaran vorkommt. Sitz der Verwaltungsbehรถrde fรผr die โWaraninselnโ Komodo und Rinca ist das ebenfalls an der Westkรผste liegende Labuan Bajo. Im November 2024 brach der Vulkan Lewotobi aus. 25 Schulen und mehr als 2.300 Hรคuser, darunter ein Kloster, wurden zerstรถrt.[1]
Verwaltungsgliederung
BearbeitenDie Insel ist in acht Regierungsbezirke (Kabupaten) eingeteilt: von West nach Ost: Westmanggarai, Manggarai, Ostmanggarai, Ngada, Nagekeo, Ende, Sikka und Ostflores.
Geschichte
BearbeitenWie viele andere Sundainseln wurde auch Flores schon von frรผhen Vertretern der Hominini โ vermutlich von Homo erectus โ besiedelt; hierfรผr sprechen mehr als eine Million Jahre alte Steinwerkzeuge, die im Soa-Becken gefunden wurden. Im September 2003 entdeckten Anthropologen in einer Karsthรถhle namens Liang Bua ein fossiles Skelett, den ersten Beleg fรผr Homo floresiensis, der wegen seiner geringen Kรถrpergrรถรe auch als โHobbitโ bezeichnet wird.

Flores gehรถrte im 13.ย Jahrhundert mรถglicherweise zum Reich von Majapahit, danach zum Fรผrstentum Makassar.
1544 sichtete ein portugiesisches Handelsschiff das รถstliche Kap der Insel und taufte es โCabo das Floresโ (Kap der Blumen). Um 1570 lieรen sich erste europรคische Seefahrer und Kaufleute auf der Insel nieder und tauften die gesamte Insel โFloresโ, obwohl hier auch nicht mehr Blumen wuchsen als in anderen Teilen Indonesiens.
Kurz vor 1600 verlieรen portugiesische Kaufleute Solor und lieรen sich in Larantuka nieder. Die Kaufleute hatten sich mit den Dominikanern in Solor entzweit, da sie sich nicht fรผr die dortige Christianisierung einspannen lassen wollten. 1613 eroberten die Niederlรคnder die portugiesische Festung auf Solor. Die Portugiesen verlagerten ihre Basis nach Larantuka, im Osten von Flores. Von Larantuka aus kontrollierten die Topasse das Handelsnetz in der Region, vor allem den lukrativen Sandelholzhandel von Timor aus. Die Topasse waren Nachfahren von portugiesischen Soldaten, Seeleuten und Hรคndlern, die Frauen von Solor und Flores heirateten. Die Larantuqueiros, wie sich die Topasse selbst nannten, hatten sich zu einem eigenen, relativ losen, aber mรคchtigen Staat entwickelt, dessen Einfluss รผber die Siedlungen hinaus ragte. Die Kernzelle bildete der โDreierbundโ Larantuka, Wureh und Konga. Theoretisch unterstanden sie zwar Portugal, praktisch war dieses Staatsgebilde aber unabhรคngig. Es gab keine portugiesischen Beamten und es wurden keine Steuern abgefรผhrt. Briefe der Regierung in Lissabon wurden ignoriert. In Larantuka gab es einen jahrelangen blutigen Machtkampf zwischen den Familien da Costa und da Hornay, die sich schlieรlich die Macht teilten.
Ab 1667 besetzten die Niederlande Flores nach und nach. Die letzten Reste der portugiesischen Kolonie im Osten der Insel, wie etwa Larantuka, nahmen die Niederlande 1861 in Besitz. Bereits 1851 verkaufte der portugiesische Gouverneur Josรฉ Joaquim Lopes de Lima, ohne Autorisation aus Lissabon, mehrere Gebiete auf den Kleinen Sundainseln, die unter portugiesischer Oberhoheit standen, fรผr 200.000 Florins an die Niederlande. Lissabon erkannte den Verkauf nicht an und lieร Lopes verhaften. Er starb auf der Rรผckfahrt nach Europa. Ab 1854 wurden die Vereinbarungen neu verhandelt. Im Vertrag von Lissabon wurde der Verkauf schlieรlich bestรคtigt. Die Ratifizierung erfolgte 1859. Gemรคร dem Vertrag konnte die Bevรถlkerung ihren katholischen Glauben behalten.[2][3] Bis zur Unabhรคngigkeit Indonesiens war Flores Teil von Niederlรคndisch-Indien, das aber immer wieder durch Rebellionen erschรผttert wurde. Allein in den Jahren 1911 und 1912 kam es zu zehn bewaffneten Aufstรคnden gegen die Niederlรคnder.
Der Nationalist und spรคtere indonesische Prรคsident Sukarno wurde 1933 von den Niederlรคndern nach Ende auf Flores verbannt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Insel von 1942 bis 1945 von Japan besetzt.
Bevรถlkerung
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BearbeitenDie Distrikte West-Mangarai, Manggarai, Ost-Manggarai, Ngada, Ende und Sikka sind nach vier bekannten Ethnien benannt: Manggarai, Ngada, Ende und Sica. Es gibt weitere Ethnien und Sprachgruppen wie die Lamaholot im Osten (Flores Timur) und dazwischen eine Fรผlle von Kleingruppen mit unterschiedlichen Dialekten wie Ende-Li'o, Nage, Ke'o. Auch die grรถรeren Ethnien haben regionale Kulturunterschiede ausgebildet. Bis in die Kolonialzeit war die Insel in Kleinreiche aufgeteilt, deren Herrscher von den Niederlรคndern zum Teil den Titel Raja erhalten hatten, aber nicht unbedingt รผber eine einheitliche Gesellschaft regierten.
Religion
BearbeitenZwischen Flores und Sumbawa befindet sich eine Glaubensgrenze, die Indonesien in den westlichen muslimischen und den mehrheitlich christlichen Osten teilt.
Die Bevรถlkerung von Flores ist, wie die der sรผdรถstlich benachbarten Insel Timor und groรe Teile der Einwohner der Molukken, grรถรtenteils christlichen Glaubens. Auf Flores dominiert das katholische Christentum. Auf der Insel liegen das Erzbistum Ende und das Bistum Maumere.
Muslime finden sich meist in den kleinen, abgelegenen Dรถrfern entlang der Kรผsten und auf den vorgelagerten Inseln. In Labuan Bajo und an der Sรผdkรผste in Labuan Bajo und Ende ist jeweils die eine Hรคlfte der Einwohner christlichen, die andere muslimischen Glaubens. Die auf Flores ansรคssigen Chinesen sind meist zum protestantischen oder katholischen Christentum konvertiert.
Musik
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Entsprechend der ethnischen Gliederung ist die traditionelle Musik auf Flores fragmentiert, weshalb Jaap Kunst, der 1930 dort Feldforschung betrieb, die Insel ein musikologisches Paradies nannte. Im Westen und im Zentrum gehรถren zur Musiktradition drei- und vierstimmige Gesรคnge, einige werden von Trommeln oder Gongs begleitet. Wie anderswo auf den ostindonesischen Inseln sind Bambuszithern (vgl. die Sasando auf Roti) und Bambusschlitztrommeln (toda) bekannt. Die landesweit verbreiteten Rahmenmaultrommeln genggong kommen in mehreren flaschenfรถrmigen Varianten vor und dienen der privaten Unterhaltung.[4] Die indirekt geblasene Bassflรถte foimere ist einzigartig. Lieder[5] werden zur Ernte, als Tanzbegleitung und als Totenklagen gesungen. Im Ostteil kommt als einziges Saiteninstrument die einsaitige Streichlaute robeke oder mbeka vor (vgl. rebab, Name abgeleitet von der mittelalterlichen europรคischen Laute rebeke) sowie ein einfaches Holmxylophon. Nรคchtliche Gesรคnge werden oft im Pantun-Versmaร vorgetragen. An einigen Kรผstenorten haben die Melodien von portugiesischen Volksliedern aus dem 17.ย Jahrhundert รผberlebt, die im Ursprungsland lรคngst verschwunden sind.[6]
Landwirtschaft
BearbeitenAls Grundnahrungsmittel werden Reis, Mais und Maniok angebaut. Kaffee, Kakao, Bananen, Gewรผrznelken, Vanille, Cashew und Lichtnรผsse werden verkauft. Des Weiteren erntet man Papayas, Mangos und Ananas.
Die Landwirtschaft dient in vielen Regionen lediglich zur Selbstversorgung. รberschรผsse werden auf รถrtlichen Mรคrkten, die ein- bis zweimal pro Woche stattfinden, verkauft. Dazu mรผssen viele Bauern aus abgeschiedenen Gebieten lange und beschwerliche Wege hinter sich legen. Deutsche, franzรถsische und Schweizer Selbsthilfeorganisationen unterstรผtzen in einigen Gebieten landwirtschaftliche Projekte, zum Teil auch in der รถkologischen Landwirtschaft.
Literatur
Bearbeiten- Stefan Dietrich: Kolonialismus und Mission auf Flores (1900โ1942). Klaus Renner, Hohenschรคftlarn 1987, ISBN 978-3-924189-09-9
- Jaap Kunst: Music in Flores: A study of the vocal and instrumental music among the tribes living in Flores. Brill, Leiden 1942
Weblinks
BearbeitenEinzelnachweise
Bearbeiten- โ ORF at/Agenturen red: Indonesien: Tausende mรผssen vor Vulkanausbruch fliehen. 5.ย November 2024, abgerufen am 6.ย November 2024.
- โ History of Timor ( vom 24. Mรคrz 2009 im Internet Archive) โ Technische Universitรคt Lissabon (PDF-Datei; 805 kB)
- โ Monika Schlicher: Portugal in Osttimor. Eine kritische Untersuchung zur portugiesischen Kolonialgeschichte in Osttimor 1850 bis 1912. Abera, Hamburg 1996, ISBN 3-931567-08-7, (Abera Network Asia-Pacific 4), (Zugleich: Heidelberg, Univ., Diss., 1994).
- โ Jaap Kunst: Music in Flores: A Study of the Vocal and Instrumental Music Among the Tribes Living in Flores. Brill, Leiden 1942, S. 119f
- โ Pater Heerkens S.V.D.: Lieder der Florinesen. Sammlung 140 florinesischer Lieder und 162 Texte mit รbersetzung aus dem Sprachgebiete der Lionesen, Sikonesen, Ngada's und Manggaraier. E.J. Brill, Leiden/Kรถln 1953
- โ Jaap Kunst: Music and Dance in the Outer Provinces. In: Tropenmuseum, University of Amsterdam (Hrsg.): Jaap Kunst. Indonesian music and dances. Traditional music and its interaction with the West. A compilation of articles (1934โ1952) originally published in Dutch. Amsterdam 1994, S. 187











