Ladestreifen dienen zum schnellen Befรผllen von Gewehr- und Pistolen-Magazinen mit Patronen. Der technisch eng verwandte Laderahmen wird dagegen direkt mit den darin enthaltenen Patronen in den Magazinschacht der Waffe eingesetzt.
Aufbau
BearbeitenEin Ladestreifen ist ein Blechstreifen mit seitlich umgebogenen Wangen. Die Patronen werden mit ihrer Auszieherrille in den Ladestreifen eingeschoben. Damit die Patronen nicht durch ihr Gewicht aus dem Ladestreifen rutschen, ist auf der Innenseite des Streifens (der dem Hรผlsenboden zugewandten Seite) ein Federblech angebracht, das die Patronen gegen die Haltewangen drรผckt.
Typen und Funktionsweise
BearbeitenGrundsรคtzlich unterscheidet man zwei verschiedene Ladestreifentypen, die auf Englisch โstripper clipsโ und โen-bloc clipsโ genannt werden. Nach ihren Entwicklern ist auch die Unterscheidung in โMauser-Ladestreifenโ und โMannlicher-Laderahmenโ รผblich. Sie wurden erstmals fรผr Repetiergewehre mit festem Kastenmagazin entwickelt, die im Abstand von wenigen Jahren durch Peter-Paul Mauser und Ferdinand Mannlicher entwickelten Typen wurden spรคter fรผr andere Waffenentwรผrfe aufgegriffen.

- Mauser-Ladestreifen bzw. stripper clips
- sind im eigentlichen Sinne nur Zubehรถr, die das Laden des Magazins der Waffe lediglich vereinfachen und beschleunigen, (in den allermeisten Fรคllen) jedoch nicht zwingend dafรผr notwendig sind. Der befรผllte Ladestreifen wird an die dafรผr vorgesehenen Schlitze des Waffenmagazins angesetzt und die Patronen werden aus dem Ladestreifen direkt in das Kastenmagazin der Waffe von oben eingeschoben, bzw. abgestreift. Dabei muss sich der die Patronen nach unten drรผckende Daumen mรถglichst nahe am Ladestreifen befinden, um eine Selbsthemmung der Patronen zu vermeiden. Die Patronen sind jetzt im Magazin, der Ladestreifen wird aus der Fรผhrung gezogen und nach dem Ladevorgang also nicht mehr benรถtigt. Bei einigen Waffen, wie z. B. dem Karabiner 98k, ist das Herausziehen nicht notwendig. Ladestreifen kommen sowohl bei Waffen mit fest verbautem Magazin (Bsp.: die namensgebenden Mauser-Waffen wie dem 98k oder die Pistole Mauser C96) zum Einsatz, als auch zum Befรผllen abnehmbarer Magazine, wie sie bei vielen modernen automatischen Handfeuerwaffen รผblich sind (z.ย B. AK-74). Waffen mit integriertem oder eingesetztem Wechselmagazin kรถnnen auch ohne Ladestreifen mit Einzelpatronen nachgefรผllt werden. Einige Wechselmagazine, z. B. das der Beretta BM 59, kรถnnen im eingesteckten Zustand per Ladestreifen geladen werden.
- Mannlicher-Laderahmen bzw. en-bloc clips
- sind im Gegensatz zu stripper clips zum Laden und Benutzen der Waffe unverzichtbar, da sie bis zu einem gewissen Maรe in der Waffe die Funktion des Magazins, d.ย h. die (Zu-)Fรผhrung der Patronen, รผbernehmen. Diese Art Laderahmen wird komplett mit den Patronen in die Waffe geschoben, verbleibt auch wรคhrend der Schussabgabe dort und hรคlt die Patronen in der Waffe. Diese werden durch einen im Magazinschacht der Waffe angebrachten federbelasteten Zubringer nach oben gefรผhrt. Erst beim letzten Schuss fรคllt der geleerte Laderahmen durch eine รffnung unten an der Waffe heraus (namensgebend: Gewehre des Systems Mannlicher, z.ย B. Modell 1895) oder wird nach oben ausgeworfen (M1 Garand). Ohne Laderahmen kรถnnen diese Waffen nur als Einzelschusswaffen verwendet werden, nach jedem Schuss muss die Patrone von Hand direkt ins Patronenlager eingesetzt werden.
- Lee-Ladestreifen
- sind ein seltener Zwischentyp und kamen, entwickelt von James Paris Lee, nur im Gewehr M1895 Lee Navy zum Einsatz. Wie Ladestreifen des Mannlicher-Typs werden sie mit den Patronen in die Waffe geladen, ersetzen aber nicht das Magazin und fallen noch vor Abgabe des ersten Schusses aus der Waffe.
Ladestreifen
Bearbeiten-
SKS
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Mauser C96
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Karabiner 31 mit aufgesetztem Ladestreifen
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STANAG-Magazin wird durch ein STANAG-Ladestreifen befรผllt
Laderahmen
Bearbeiten-
Laderahmen Mannlicher Modell 1895/30
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M1 Garand-Rifle
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5 Schuss Mannlicher Laderahmen, verwendet in Berthier-Gewehren
Revolver
BearbeitenVon Gasser wurde 1902 ein Patent angemeldet, welches das Laden von Revolvern vereinfachte:
- Patent AT9999B: Kreisbรผndelpaket fรผr Patronen. Verรถffentlicht am 25.ย November 1902, Anmelder: Rast & Gasser (Wien).โ
(Konstruktionszeichnungen Fig. 1โ5 auf Seite 4 in der Patentschrift)
Fรผr Revolver gibt es Systeme, die als โSpeedloaderโ und โ(Half) Moon Clipsโ bezeichnet werden.
- Speedloader
- haben eine รคhnliche Funktion wie Mauser-Ladestreifen bzw. stripper clips. Ein Speedloader hรคlt eine passende Anzahl von Patronen in der Stellung, dass sie einfach auf die Trommel eines Revolvers aufgesetzt werden kรถnnen. Die Patronen werden dann mechanisch freigegeben und rutschen in die Trommel, der Speedloader kann entfernt werden. Wie der Name sagt, dienen Speedloader allein der Beschleunigung des Ladevorgangs und sind nicht zwingend notwendig.
- (Half) Moon clips
- haben eine รคhnliche Funktion wie Mannlicher-Ladestreifen bzw. en-bloc clips. Hierbei wird entweder eine vollstรคndige oder halbe (Half moon clips) Trommelladung an Patronen durch ein dรผnnes Bauteil gehalten. Moon clips werden vor allem benutzt, um randlose Patronen โ zumeist ursprรผnglich fรผr Pistolen entwickelte Kaliber โ in der Trommel zu halten. Da sie, anders als Randpatronen, nicht durch die Bauart ihrer Hรผlse in der Revolvertrommel fixiert sind, mรผssen die clips im Revolver verbleiben und die Patronen in der Trommel halten. Ein Beispiel ist der Revolver M1917, der fรผr das randlose Pistolenkaliber .45 ACP eingerichtet ist und deswegen nur mit moon clips geladen und benutzt werden kann. Bei einigen Revolvern sind sehr รคhnliche Systeme strukturell in die Konstruktion der Waffe integriert, beispielsweise beim Mateba MTR.
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Moon und half-moon clips (6 Schuss in .45 ACP)
Literatur
Bearbeiten- Richard Wille, V. Mannlichers Selbstlade-Karabiner und Karabiner-Pistole m/1901, 1902, Berlin, R. Eisenschmidt.








