| Anzahl bestรคtigter Infizierter je 1000 Einwohner (Stand: 31. August 2022) | |
| Daten | |
|---|---|
| Krankheit | COVID-19 |
| Krankheitserreger | SARS-CoV-2 |
| Ursprung | erster bekannter Verbreitungsort: Wuhan, Hubei[1] |
| Erster bekannter Fall | 1. Dezember 2019[2] |
| Erklรคrung zur Pandemie | 11. Mรคrz 2020 (WHO) |
| Betroffene Lรคnder | รผber 200 |
| Bestรคtigte Infizierte | ca. 1 Mrd.[3] |
| Todesfรคlle | ca. 7,5 Mio. (bestรคtigt)[3] mindestens 22 Mio. (WHO-Schรคtzung Mai 2023)[4] |
| Letzte Aktualisierung: 14. Dezember 2024 (WHO Coronavirus Disease (COVID-19) Dashboard) | |
Die COVID-19-Pandemie (auch Corona(virus)-Pandemie oder Corona(virus)-Krise) ist der weltweite Ausbruch der Infektionskrankheit COVID-19.
Die Pandemie fรผhrte in vielen Lรคndern zu drastischen Auswirkungen. Es handelte sich um die bislang umfangreichste Pandemie des 21.ย Jahrhunderts.
Am 31. Dezember 2019 wurde der Ausbruch einer neuen Lungenentzรผndung mit noch unbekannter Ursache in Wuhan in China bestรคtigt.[5] Am 30. Januar 2020 rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) angesichts der Ausbreitung und schnellen Zunahme der Infektionen mit dem Coronavirus 2019-nCoV eine internationale Gesundheitsnotlage aus.[6] Am 11. Februar 2020 schlug die WHO den Namen COVID-19 fรผr die Infektionskrankheit vor, mit Bezugnahme auf das Jahr 2019, an dessen Ende die Krankheit erstmals auftrat.[5] Im Januar 2020 entwickelte sich die Krankheit zur Epidemie in China[7] und am 11.ย Mรคrz 2020 erklรคrte die WHO die bisherige Epidemie offiziell zu einer Pandemie. Verursacht wird die Erkrankung durch eine Infektion mit dem bis dahin unbekannten Coronavirus SARS-CoV-2. In zahlreichen Lรคndern der Welt gab es im Verlauf der Pandemie massive Einschnitte in das Alltagsleben. Zu den gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie gehรถrte auch die Wirtschaftskrise 2020โ2021.
Am 29. September 2020 meldete die WHO bei รผber 33.000.000 bestรคtigten Infizierten รผber 1.000.000 bestรคtigte COVID-Tote. Dies sind allerdings nur die bestรคtigten Fallzahlen, ohne die Dunkelziffer. Die Berechnungen der รbersterblichkeit des britischen Wirtschaftsmagazins Economist ergaben, dass bis August 2020 etwa 1,5 bis 2ย Millionen Menschen (0,019โ0,026ย % der Weltbevรถlkerung) an den Folgen von COVID-19 gestorben seien und 500 bis 730ย Millionen sich infiziert hรคtten. Die kumuliert gerechnete Zahl der Infizierten erreichte 6,34โ9,3ย % der Weltbevรถlkerung. Die Daten der รbersterblichkeit beschrรคnkten sich allerdings auf westeuropรคische Lรคnder, einige Staaten Lateinamerikas, Russland, die USA, Sรผdafrika und mehrere andere grรถรere Staaten. Im Mai 2021 schรคtzte die WHO, dass bis zu diesem Zeitpunkt ca. 6โ8ย Mio. Menschen an COVID-19 gestorben seien.[8] Einer im Mรคrz 2022 erschienenen Untersuchung einer Forschergruppe um Haidong Wang vom Institute for Health Metrics and Evaluation der University of Washington in Seattle zur globalen รbersterblichkeit von Anfang 2020 bis Ende 2021 nach wird die Zahl der COVID-19 zuzurechnenden Toten auf damals 18,3 Millionen geschรคtzt. Darรผber hinaus ergab die Studie sehr erhebliche Unterschiede in den einzelnen Regionen und Lรคndern sowie sehr unterschiedliche Diskrepanzen zwischen offiziellen Angaben zu Coronatoten und den sich in der รbersterblichkeit abbildenden tatsรคchlichen Zahlen. In Deutschland seien im untersuchten Zeitraum vermutlich 203.000 Menschen in Zusammenhang mit COVID-19 gestorben, im Unterschied zur offiziellen Zahl von 122.000 COVID-19-Toten.[9][10]
Das Virus verรคnderte sich im Verlauf der Pandemie mehrmals. Im Dezember 2020 wurde in Groรbritannien die Virusvariante Alpha (B.1.1.7, zuvor VOC-202012/01) gemeldet, etwa 60 Prozent ansteckender als der bis dahin vorherrschende Virustyp.[11] In Sรผdafrika verbreitete sich die Variante Beta (B.1.351, zuvor 501.V2), in Brasilien die Variante Gamma (P.1) und in Indien zunรคchst die Variante B.1.617, aus der sich ihre Untervariante Delta (B.1.617.2 mit Untervarianten AY.*) entwickelte und ab Frรผhjahr 2021 bis zum Sommer weltweit durchsetzte,[12][13][14][15] noch einmal etwa 60ย % ansteckender als Alpha.[11] Ende November 2021 wurde im sรผdlichen Afrika die Variante Omikron (B.1.1.529 mit Untervarianten BA.*) entdeckt, die sich mit einer Verdopplungszeit von etwa 1,5 bis 3 Tagen schnell weltweit ausbreitete, auch in Bevรถlkerungen mit verbreiteter Immunitรคt gegen vorherige Varianten.[16]
Am 28. Januar 2021 รผberstieg die Anzahl der weltweit bestรคtigten Infektionen die Marke von 100ย Millionen; die doppelte Zahl von 200 Millionen Fรคllen wurde am 4. August 2021 und damit rund vier Monate schneller als die erste Marke erreicht.[17] Am 6. Januar 2022 erreichte die Anzahl der weltweit bestรคtigten Infektionen die Marke von 300 Millionen und am 8. Februar 2022 die von 400 Millionen Fรคllen.[18] Am 15. April 2022 wurde die Anzahl von 500 Millionen bestรคtigten Fรคllen weltweit erreicht.[19] Im Dezember 2022 gab die Regierung der VR China nach landesweiten Protesten abrupt ihre bis dahin praktizierte Null-COVID-Politik auf. Daraufhin nahm die Zahl der COVID-Erkrankten und -Toten in der VR China stark zu. Im Laufe des Jahres 2020 wurden COVID-19-Impfstoffe entwickelt und zugelassen.

Am 5. Mai 2023 hob die WHO die internationale Gesundheitsnotlage auf, erklรคrte aber, dass das Virus weiterhin gefรคhrlich sei und sich auch weiterhin neue gefรคhrliche Varianten bilden kรถnnten, und betonte zugleich: โDas bedeutet nicht, dass die Pandemie selbst vorbei ist, aber der globale Notstand, den sie verursacht hat, ist es vorerst.โ[20][21] Zu diesem Zeitpunkt waren nach WHO-Schรคtzungen weltweit mindestens 20 Millionen Menschen an dem Virus gestorben.[4][22]
Krankheit
BearbeitenDie Krankheit COVID-19 und der Krankheitserreger SARS-CoV-2, die am Jahresende 2019 die Epidemie auslรถsten, waren vorher nicht bekannt. Im Verlauf des zunรคchst als lokaler Ausbruch und relativ schnell als Epidemie eingestuften Ereignisses mussten daher zunรคchst wesentliche Erkenntnisse รผber die Krankheit gewonnen werden. Dies betraf den krankmachenden Auslรถser ebenso wie grundlegende Kennzahlen, die die Gefรคhrlichkeit einer Krankheit bestimmen, und die Fakten, die die Verbreitung und mรถgliche Maรnahmen dagegen betreffen. Gleichzeitig erschwerten die rasante rรคumliche Ausbreitung und weitere Merkmale der Krankheit die Erhebung von genรผgend genauen Daten, um Verbreitung, Ausdehnung und Gefรคhrlichkeit wissenschaftlich exakt zu bestimmen (siehe unten den Abschnitt Statistische Schรคtzungen und Simulationsstudien).
Zu Beginn gingen die รถrtlichen Behรถrden nicht von Mensch-zu-Mensch-รbertragungen aus, der direkten Infektion, da dies bei einem Erreger, der aus dem Tierreich auf den Menschen รผbergeht, einer Zoonose, eher die Ausnahme ist und man meinte, zunรคchst keine solchen Fรคlle identifiziert zu haben.[23] Nachdem der Erreger als neuartige Unterart der Virenspezies Severe acute respiratory syndrome-related coronavirus (kurz SARSr-CoV) identifiziert worden war,[24] gingen die Seuchenbekรคmpfer von รคhnlichen Bedingungen aus wie bei der bereits zuvor bekannten Krankheit schweres akutes Atemwegssyndrom, ausgelรถst durch das bis dato als SARS-CoV bekannte und spรคter dann in Abgrenzung vom neu entdeckten Virus oft als SARS-CoV-1 bezeichnete[25] Virus und der davon ausgelรถsten SARS-Pandemie 2002/2003. Wie sich spรคter herausstellte, waren diese Annahmen falsch, insbesondere, was die Mensch-zu-Mensch-รbertragung und Verbreitung der Krankheit durch Trรคger ohne oder nur mit sehr leichten Symptomen betraf.
Im Verlauf des Februars 2020 zeigte sich, dass COVID-19 deutlich leichter als SARS รผbertragen wird, dass viele Infizierte keine Symptome aufweisen und dass asymptomatisch Infizierte oder Infizierte ohne deutliche oder mit noch nicht ausgeprรคgten Symptomen ansteckend sein kรถnnen. Es wurde von Fรคllen berichtet, in denen Menschen andere Familienmitglieder angesteckt hatten, ohne dass sie selbst Symptome zeigten.[26][27] Als auch Mitte Mรคrz 2020 noch nicht ganz klar war, welche Rolle diese stillen Trรคger in der Pandemie genau einnehmen, legten Daten der chinesischen Regierung nahe, dass rund ein Drittel der positiv getestet Infizierten wohl asymptomatisch sind und einen relevanten Teil der Infektionen verursachen.[28] Hinzu kam in den ersten Wochen des Seuchenzuges die รberforderung der Behรถrden in Wuhan, die zu einer derart hohen Dunkelziffer in dieser Region fรผhrte, โdass die gezรคhlten Fรคlle dort nicht sehr aussagekrรคftig sindโ, so der Epidemiologe Renรฉ Niehus.[29]
Die Weltgesundheitsorganisation stellte am 9. Juli 2020 in einer Verรถffentlichung fest, dass das Virus auch durch Aerosole รผbertragen werden kann und dass infizierte Personen sowohl mit als auch ohne Symptome als รbertrรคger fungieren kรถnnen.[30]
Gefรคhrlichkeit der Krankheit
BearbeitenZur Einschรคtzung der Gefahr durch eine Epi- bzw. Pandemie werden unterschiedliche Faktoren betrachtet: Zu unterscheiden ist, ob eine Krankheit individuell fรผr eine bestimmte Person, fรผr eine bestimmte Bevรถlkerungsgruppe, fรผr die Bevรถlkerung eines Staates, eine Region oder fรผr die gesamte Welt eine Gefahr darstellt. Die WHO benannte deshalb in ihren tรคglichen Berichten die Gefรคhrdungslage getrennt fรผr China, Regional Level und Global Level (Stand 26.ย Februar 2020).[31] Die wichtigsten Kennzahlen einer Epidemie sind die รbertragungsrate, die Ausbreitungsdynamik (zeitlich und rรคumlich), der Anteil schwerer Verlรคufe, die Letalitรคt sowie die Inkubationszeit. Einige dieser Kennzahlen lassen sich erst im Nachhinein aus den Daten ermitteln, siehe den Abschnitt Probleme der Interpretation im Artikel Letalitรคt. Andere werden maรgeblich durch die Immunitรคtslage in der Bevรถlkerung und durch menschliches Verhalten bestimmt und sind daher sehr variabel. Insbesondere die rรคumliche Ausbreitung und die Basisreproduktionszahl werden durch individuelle Faktoren wie Reiseverhalten, Kommunikations- und Kontaktarten sowie Hygieneverhalten stark beeinflusst.
Die WHO fasste am 19.ย Februar 2020 die bis dahin wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse (teilweise auf Abschรคtzungen durch Modellrechnungen beruhend) zusammen:[32]
- Zeit zwischen Infektion und Auftreten der Symptome (Inkubationszeit): 0โ14 Tage (Median 5โ6 Tage)
- Zeit zwischen โFall 1โ und dem davon angesteckten โFall 2โ in einer รbertragungskette (Serielles Intervall): rund 5โ7 Tage
- Letalitรคt: war nicht gesichert bekannt. Die WHO unterscheidet zwischen zwei Berechnungsarten. Zum einen ist dies das Verhรคltnis der Anzahl der Fรคlle einer bestimmten Krankheit mit tรถdlichem Verlauf in einem bestimmten Zeitraum zu der Anzahl der bestรคtigten Fรคlle im gleichen Zeitraum, die confirmed case fatality ratio. Zum anderen ist dies der Anteil der Todesfรคlle unter allen Infizierten, die IFR fรผr infection fatality ratio. Fรผr beide Varianten sind wรคhrend einer dynamisch sich ausbreitenden Erkrankungswelle mit mutmaรlich hohen Dunkelziffern nur begrenzt verlรคssliche Aussagen mรถglich. Die statistische Wahrscheinlichkeit, dass eine infizierte Person unabhรคngig von individuellen Merkmalen stirbt, die IFR, wird von der WHO mit 0,3โ1ย % angegeben, eine von der WHO zitierte Arbeit vom Februar 2020 benennt als vorlรคufige Schรคtzung 0,4โ2,6ย %, wobei der wahrscheinlichste Wert mit 0,94ย % angegeben wurde.[33]
Weitere grundlegende Erkenntnisse (vergleiche Hauptartikel zur Krankheit) waren:
- Schwere Krankheitsverlรคufe, insbesondere solche, bei denen die Lunge betroffen ist, haben oft langfristige Schรคden zur Folge. Bekannt sind neben Schรคden der Lunge auch solche des Herzmuskels. Auch vermeintlich harmlose Krankheitsverlรคufe kรถnnen sehr ausgeprรคgte Verรคnderungen in der Lunge hervorrufen, von denen โ Stand Mรคrz 2020 โ nicht bekannt ist, ob sie sich zurรผckbilden.[34][35]
- Die Zahl der Menschen, die von einem Infizierten angesteckt werden (Basisreproduktionszahl), lag nach einer Metastudie von zwรถlf Arbeiten bis zum 7.ย Februar 2020 bei 3,28 (arithmetisches Mittel) bzw. 2,79 (Median), also bei rund drei Personen.
- Unterschiede zwischen verschiedenen Bevรถlkerungsgruppen gibt es insbesondere bei den Fรคllen mit schweren Komplikationen und tรถdlichem Verlauf, auch wenn alle infiziert werden kรถnnen.
- Die รbertragung erfolgt รผber Trรถpfcheninfektion, zum Beispiel auch durch Aerosole โ eine Unterform der Trรถpfcheninfektion. Es ist nicht erwiesen, dass die รbertragung auch durch das Berรผhren kontaminierter Oberflรคchen und Gegenstรคnde (Schmierinfektion) stattfindet; es wird aber von offizieller Seite davor gewarnt.[36]
- Von hoher Unsicherheit behaftet war Ende Februar 2020 die Frage der Virulenz, d.ย h., wie hoch der Anteil der Menschen mit (schweren) Symptomen an der Gesamtzahl der Infizierten ist. Dazu fehlen, wie der oben zitierte WHO-Report โ 29 anfรผhrt, Reihenuntersuchungen, die den wahren Anteil an Infizierten in der Bevรถlkerung bestimmen. Insbesondere die im nichtchinesischen Ausland untersuchten Cluster deuten aber auf eine insgesamt geringe Virulenz im Vergleich zu SARS hin.
- Ebenso unsicher ist die Infektiositรคt, also wie wahrscheinlich eine Ansteckung im Falle einer Exposition gegenรผber dem Virus ist. Diese Infektiositรคt ist nicht nur durch das Virus selbst bestimmt (seine Kontagiositรคt), sondern auch dadurch, wie gesund die exponierte Person ist und wie gut ihr Immunsystem auf das Virus reagiert, sowie dadurch, wie vielen Viren die Person ausgesetzt ist und wie lange dies geschieht. Grobe Schรคtzungen gehen von einer deutlich hรถheren Infektiositรคt als bei SARS aus, aber kleiner als beispielsweise bei Masern.[37]
Mitte Februar 2020 wurde eine chinesische Studie verรถffentlicht, in der 44.672 bestรคtigte COVID-19-Fรคlle untersucht wurden. 81ย % der Patienten hatten milde Formen von COVID-19. In etwa 14ย % der Fรคlle verursachte das Virus schwere Krankheitsverlรคufe mit Lungenentzรผndung und Dyspnoe. Etwa fรผnf Prozent der Patienten erlebten Atemstillstand, einen septischen Schock oder Multiorganversagen. In etwa zwei Prozent der Fรคlle verlief die Krankheit tรถdlich.[38] Der Studie zufolge erhรถht sich das Risiko zu sterben mit dem Alter. Der WHO zufolge gibt es relativ wenige Fรคlle von erkrankten Kindern.[39] Bei einem leichten Krankheitsverlauf (dem hรคufigsten Fall) klingen die Krankheitszeichen, sofern รผberhaupt welche bestehen, laut WHO in der Regel innerhalb von zwei Wochen ab.[40] Bei Menschen mit einem schweren Krankheitsverlauf dauert es zwischen drei und sechs Wochen, bis sie sich von der Krankheit erholen.[40]
Welche Bedeutung Long-COVID-Fรคlle haben, wird zurzeit diskutiert. (Stand Juli 2022)
Risikogruppen
BearbeitenUnterschiedliche Bevรถlkerungsanteile hatten besondere Risiken fรผr eine Infektion, eine Erkrankung oder einen schweren Krankheitsverlauf.
Laut WHO waren im April 2020 95ย % aller in Europa gemeldeten Todesfรคlle der Altersgruppe รผber 60 zuzuordnen. Mehr als 50ย % dieser Verstorbenen waren รผber 80 Jahre alt.[41] In Moskau und in einigen Schweizer Kantonen wurden eigens auf Senioren zugeschnittene Maรnahmen angeordnet. Eine Untersuchung von Verstorbenen mit positivem COVID-19-Befund in Italien vom 17. Mรคrz 2020 ergab, dass lediglich 0,8ย % dieser Personen keine Vorerkrankung hatten, wรคhrend 25,1ย % eine und 25,6ย % zwei Vorerkrankungen hatten. Drei oder mehr Vorerkrankungen wurden bei 48,5ย % der Fรคlle festgestellt.[42]
Vergleich mit Influenza (Grippe)
BearbeitenDie von der WHO zitierte Studie von Mike Famulare vom Institute for Disease Modeling[43] entwarf mittels eines Rahmenkonzepts zur Bewertung von Influenza-Epidemien und -Pandemien[44] eine Skala fรผr die รbertragbarkeit und den klinischen Schweregrad von COVID-19. Demnach ist COVID-19 genauso leicht รผbertragbar wie die Spanische Grippe, aber eine Stufe geringer im klinischen Schweregrad und somit insgesamt eine Stufe weniger schwerwiegend als diese, aber zwei Stufen schwerwiegender als die Asiatische Grippe und die Hongkong-Grippe. Inzwischen geht man auch im klinischen Schweregrad von einer mรถglichen Gleichwertigkeit zur Spanischen Grippe aus.[33][45] Ein pauschaler Vergleich zwischen COVID-19 und der Influenza ist nicht mรถglich, denn das Influenzavirus ist extrem wandelbar und jede Grippewelle, jede Grippesaison unterscheidet sich maรgeblich in ihren grundlegenden Werten. COVID-19 ist endemisch geworden. Es hat sich gezeigt, dass das neuartige Coronavirus mutiert und so Varianten von SARS-CoV-2 entstehen.
Im Februar 2020 verglich Alexander S. Kekulรฉ, Virologe am Universitรคtsklinikum Halle und Direktor des Instituts fรผr medizinische Mikrobiologie, die ยปGefรคhrlichkeitยซย der COVID-19-Pandemie mit den Folgen der Grippe in der Vergangenheit:
โNatรผrlich ist es so, dass die Grippe in mancher Saison in Deutschland mehrere Tausend โ es gab sogar mal einen Fall, wo es รผber 20.000 Tote verursacht. Ja, das macht die Grippe, aber man muss das immer ins Verhรคltnis stellen. Wir haben in Deutschland natรผrlich auch รผber zehn Millionen Infizierte gehabt in dem Jahr, wo es mal so hoch war. Wenn Sie das dann runterrechnen, ist die Sterblichkeit der Grippe bei 0,1 Prozent oder eins zu 1000, und zwar maximal eins zu 1000, und die Sterblichkeit von diesem Coronavirus liegt bei 0,5 bis 1,5ย Prozent, irgendwo in dem Bereich, das heiรt, ich sag mal so grob eins zu 100. Das heiรt, das Virus ist fรผr denjenigen, der die Infektion bekommt, zehnmal gefรคhrlicher.โ
Lothar H. Wieler, Leiter des Robert Koch-Instituts (RKI), รคuรerte sich am 27.ย Februar 2020 รคhnlich. Er verglich dabei die Prozentzahlen der Todesfรคlle unter den Infizierten wรคhrend einer leichten Grippesaison (Letalitรคt von 0,1โ0,2ย %) mit einer angenommenen Letalitรคt von 1โ2ย % bei der SARS-CoV-2-Epidemie.[47] Michael Spitzbart, Wolfgang Wodarg und Sucharit Bhakdi vertraten im Mรคrz 2020 die Ansicht, COVID-19 sei nicht schlimmer als frรผhere Grippewellen. Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit stufte die Situation zu COVID-19 Ende Februar 2020 im Prinzip eher als besorgniserregend ein, kam im Vergleich zur Grippe jedoch zum damaligen Zeitpunkt zu der Schlussfolgerung, dass man bei COVID-19 noch weit vom Niveau der saisonalen Influenza mit weltweit ungefรคhr 650.000 Toten pro Jahr entfernt gewesen sei, auch wenn sich das bald รคndern kรถnne. Er verwies auf die mangelnde Immunitรคt der Bevรถlkerung bei COVID-19 im Gegensatz zur normalen, saisonalen Grippe sowie fehlende Impfmรถglichkeiten.[48]
Genesung und Immunitรคt
BearbeitenDa das Virus als Zoonose erstmals auf den Menschen รผbersprang, hatte die Bevรถlkerung keine adaptive Immunitรคt, d.ย h. keine durch frรผheren Kontakt mit dem Erreger oder Impfung erworbene Immunitรคt.[49] Auch eine Kreuzimmunitรคt aufgrund von sehr รคhnlichen, schon zirkulierenden Erregern ist nicht bekannt.[50] Fรผr die Entwicklung einer Epidemie in der Gesamtbevรถlkerung ist hauptsรคchlich die Herdenimmunitรคt wichtig. Fรผr COVID-19 wurde der Bevรถlkerungsanteil der immun gewordenen Menschen, bei dem eine Herdenimmunitรคt eintritt, im Mรคrz 2020 auf rund 60 bis 70ย % geschรคtzt.[51][52] Dies durch Ansteckungen zu erreichen, sei aber laut dem Immunologen Michael Meyer-Hermann im April 2020 in absehbarer Zeit nicht mรถglich gewesen, ohne dass das Gesundheitssystem zusammenbrach.[53] Wie lange eine Immunitรคt durch eine natรผrliche Infektion anhรคlt, war ebenfalls nach einer Aussage der WHO von 2020 nicht bekannt.[54]
Debattiert wurde, ob Herdenimmunitรคt auf natรผrliche Weise oder durch einen Impfstoff erreicht werden sollte. Die Strategie, auf eine natรผrliche Herdenimmunitรคt zu setzen, wurde von der WHO jedoch 2020 als unethisch und wissenschaftlich problematisch bezeichnet.[54]
- Test auf COVID-19
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Temperaturmessung
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Abstrich aus einer Naseย โฆ
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โฆ und im Rachenraum
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Proben werden fรผr Transport zum Labor verpackt
Vorbeugung
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ohne Schutzmaรnahmen rasche Zunahme der Erkrankten und รberlastung des Gesundheitssystems (rot);
durch Schutzmaรnahmen langsamere Ausbreitung, weniger gleichzeitig Erkrankte, so dass alle Patienten versorgt werden kรถnnen (gelb)
Die gesellschaftliche Vorbeugung hat zum Ziel, die Ausbreitung einer Seuche mรถglichst zu stoppen oder zu verlangsamen. Die Ausbreitung einer Seuche ist neben den Eigenschaften des Virus (siehe Abschnitt Gefรคhrlichkeit der Krankheit) maรgeblich durch das Sozialverhalten der Menschen gekennzeichnet. Daher sind Hygienemaรnahmen, Frรผherkennung und das Management von Kontaktpersonen (Ermittlung und beispielsweise hรคusliche Isolierung oder eine Quarantรคne) erste Maรnahmen, die eine weitere Verbreitung des Virus verhindern oder verlangsamen sollen.[55]
Bei einer weiteren Verbreitung werden verschiedenste Maรnahmen getroffen, die alle das Social Distancing (deutsch Rรคumliche Distanzierung), also die Erhรถhung des sozialen Abstands, die Kontaktreduzierung und physischen Abstand zum Ziel haben. Der Grund dafรผr ist, dass die soziale Nรคhe (Anzahl und Art der Treffen, Umgangsformen und physischer Abstand) bei Erregern, die von Mensch zu Mensch รผbertragen werden, maรgeblich die Basisreproduktionszahl bestimmt, also die Zahl, die angibt, wie viele Menschen eine infektiรถse Person im Durchschnitt ansteckt.[56] Wenn ein Erreger endemisch wird und er somit nicht mehr als eindรคmmbar und ausmerzbar gilt, รคndern sich die Vorsorgeziele von โBekรคmpfung der Ausbreitungโ in Richtung โVerlangsamung der Ausbreitung und Gesundheitsvorsorgeโ. Oberstes Ziel ist in dieser Phase โdas gleichzeitige Erkranken extrem vieler behandlungsbedรผrftiger Personen und die damit drohende รberlastung der medizinischen Infrastruktur zu vermeidenโ.[57]
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Besuchsverbotsschild in der Mรผnchen Klinik Bogenhausen
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Abstandsregelung in einem Theater in Kavala, Griechenland
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Aufgrund der Abstandsยญregelung blockierte Urinale
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Drei Methoden zum Check-In fรผr die Kontaktverfolgung
Ursprung und Verlauf der Pandemie
BearbeitenUrsprung
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Das auslรถsende Virus stammt vermutlich aus dem Tierreich, wobei das Erregerreservoir bislang nicht klar ist. Zunรคchst wurde vermutet, das Virus stamme von Fledermรคusen, von denen es รผber einen Zwischenwirt, wahrscheinlich ein weiteres Sรคugetier, auf den Menschen รผberging (Zoonose).[59][60]
Die Abholzung von Regenwรคldern, die globale Erwรคrmung und der Handel mit Wildtieren gelten als Faktoren, die die Verbreitung von Seuchen fรถrdern.[61]
Ende Mรคrz 2020 wurde vermutet, dass das Virus ebenso wahrscheinlich von Schuppentieren stammt. Auch wurde vermutet, dass es bei einer Doppelinfektion zu einer Rekombination gekommen ist und das Virus SARS-CoV-2 eine neue Chimรคre ist, die aus einem Virus, das dem aus Fledermรคusen isolierten Virus รคhnelt, und einem Virus, das dem aus Schuppentieren isolierten Virus รคhnelt, entstand.[62]
Erste bekannt gewordene COVID-Erkrankungen gab es im November und Dezember 2019.[63][64][65][66] Da mehrere der zuerst Infizierten auf dem โSรผdchinesischen Groรhandelsmarkt fรผr Fische und Meeresfrรผchte Wuhanโ (chinesischย ๆญฆๆฑๅๅๆตท้ฒๆนๅๅธๅบ, Pinyin Wวhร n huรกnรกn hวixiฤn pฤซfฤ shรฌchวng) als Verkรคufer oder Hรคndler arbeiteten, wurde dort der primรคre Infektionsort vermutet.[67] Auf dem wet market wurden neben Meerestieren auch viele andere Wildtiere, die in der chinesischen Kรผche und der traditionellen chinesischen Medizin Verwendung finden, gehandelt.[68] Spรคter wurde nach einer Studie des Wuhan Hospitals bekannt, dass der erste identifizierte Patient nicht auf diesem Markt gewesen war.[62] Am 31.ย Dezember 2019 sandte die chinesische Gesundheitsbehรถrde ein Team zur Untersuchung der unklaren Fรคlle nach Wuhan.[69] Die Behรถrden und die WHO gingen anfรคnglich fรคlschlicherweise davon aus, dass der Erreger der Infektion nicht oder nur sehr schwer von Mensch zu Mensch รผbertragbar sei.
Die Forschung รผber Zeitpunkt und Ort des Ausbruchs ist noch im Gange:
- Am 31.ย Dezember 2019 informierten das medizinische Informationssystem HealthMap sowie die kanadische Firma BlueDot in den Vereinigten Staaten die WHO und die CDC รผber einen auffรคlligen Anstieg von Berichten รผber Lungenentzรผndungen (Pneumonien) unklarer Genese in der Region um Wuhan.[70][71]
- Ein Artikel der Zeitschrift Science fasste Ende Januar 2020 die Forschungsergebnisse mehrerer Gruppen zur genetischen Mutation und Herkunft zusammen. Demnach schรคtzten mehrere Gruppen den Beginn der Verbreitung auf Mitte November 2019, eine Gruppe sogar auf den 18.ย September 2019.[72]
- Laut einem Bericht der South China Morning Post von Mรคrz 2020 zeigen Regierungsunterlagen, dass der erste Patient, dessen Proben nachtrรคglich COVID-19 zuzuordnen sind, sich am 17.ย November 2019 infiziert haben kรถnnte. Ab diesem Zeitpunkt seien tรคglich zwischen einem und fรผnf Fรคllen registriert worden. Keiner der frรผhen Fรคlle wird als โPatient nullโ betrachtet. Bis zum 15.ย Dezember waren dem Bericht zufolge 27ย Personen infiziert, am 17.ย Dezember seien erstmals zweistellige Neuinfektionen aufgetreten. Am 27.ย Dezember seien mehr als 180 Menschen infiziert gewesen, bis Jahresende mindestens 266 Personen. Zum Jahresbeginn habe es 381 Infektionen gegeben, ohne dass diese zum damaligen Zeitpunkt unklaren Fรคlle an die รffentlichkeit weitergegeben wurden.[73]
- Ein Artikel der Sรผddeutschen Zeitung vom 8. Mai 2020 berichtet von Forschungsergebnissen, die mit Hilfe einer phylogenetischen Analyse[74] den Ausbruch mit einer Wahrscheinlichkeit von 95ย % auf den Zeitraum zwischen dem 13. September und dem 7. Dezember 2019 eingrenzen.[75] Als mรถgliche Orte des Ausbruchsgeschehens werden in dem Artikel die chinesischen Provinzen Yunnan und Guangdong genannt.
- Am 3. August 2020 erklรคrte WHO-Exekutivdirektor Michael Ryan, es bestehe noch erheblicher Aufklรคrungsbedarf bei den Fragen nach Herkunft und erster Verbreitung des Virus SARS-CoV-2. Zwar sei in Wuhan die neue Lungenentzรผndung zuerst offiziell festgestellt worden, aber es kรคmen auch andere Orte in China als erster Verbreitungsort in Frage.[1]
- Einer dermatologischen Studie aus Italien zufolge konnte das Virus bereits am 10. November 2019 in der Hautprobe einer 25-jรคhrigen Frau aus Mailand nachgewiesen werden.[63] Auf ein noch frรผheres Vorkommen in Italien weist eine Krebsstudie hin, nach der schon im September 2019 SARS-CoV-2-Antikรถrper in Blutproben gefunden wurden.[76]
- Obgleich sich die Zusammenarbeit der Weltgesundheitsorganisation mit der chinesischen Regierung aufgrund ihres fehlenden Willens zur Kooperation und Transparenz als relativ schwierig erwies, wurde die Hypothese eines Laborunfalls fรผr den Ursprung von SARS-CoV-2 in einer globalen Studie der WHO vom Mรคrz 2021 verworfen.[77] Die WHO bezeichnete sie als โextrem unwahrscheinlichโ. Spรคter erklรคrte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus jedoch, dass die Hypothese des Laborunfalls voreilig vom Tisch gewischt worden sei. Auch Peter Ben Embarek, der Leiter der Studie, erklรคrte, dass chinesische Beamte ihn dazu gedrรคngt hรคtten, die Laborunfall-Version fallen zu lassen.[78] Im Gegensatz zu anderen US-Behรถrden schรคtzten das US-Energieministerium und das FBI Anfang 2023 einen Laborunfall als wahrscheinlichsten Ursprung ein.[79][80]
- 2024 kamen zwei Studien, in denen Wischproben vom Januar 2020 zum wiederholten Mal analysiert wurden, zu gegensรคtzlichen Befunden bezรผglich der Wahrscheinlichkeit, dass die ersten รbergรคnge der Viren von Tieren auf den Menschen im Markt stattfanden.[81][82]
Weltweite Ausbreitung in der Anfangszeit
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Am 13. Januar 2020 trat in Thailand die erste durch einen Labortest bestรคtigte Corona-Infektion auรerhalb von China auf, auรerhalb Asiens erstmals am 23.ย Januar 2020 in den USA. In beiden Fรคllen gab es eine Verbindung zu Reisen nach oder von Wuhan. Um einer Ausbreitung in Staaten ohne leistungsfรคhige Gesundheitssysteme entgegenzuwirken, erklรคrte die WHO die Coronavirus-Pandemie am 30.ย Januar 2020 zur โGesundheitlichen Notlage internationaler Tragweiteโ. Der erste Corona-bedingte Todesfall auรerhalb Chinas wurde Anfang Februar 2020 auf den Philippinen registriert; es handelte sich um einen Chinesen aus Wuhan. Am 9.ย Februar 2020 รผberstieg die Zahl der registrierten Todesfรคlle mit รผber 800 bereits die Gesamtzahl der Todesfรคlle der SARS-Pandemie 2002/2003.[83] Am 15.ย Februar 2020 starb ein achtzigjรคhriger Chinese in Frankreich an den Folgen einer Corona-Infektion. Der chinesische Tourist war das erste Todesopfer der COVID-19-Pandemie in Frankreich und das erste auรerhalb Asiens.[84] Am 22. Februar 2020 wurden aus Italien die ersten beiden Todesfรคlle von Europรคern durch COVID-19 gemeldet. Ab dem 28.ย Februar 2020 schรคtzte die WHO in ihren Berichten das Risiko auf globaler Ebene als โsehr hochโ ein (englisch WHO risk assessment, global level: very high), zuvor als โhochโ.
Am 19. Mรคrz 2020 meldete Italien erstmals mehr Todesopfer als China. Mitte Mรคrz 2020 gab es die meisten Infektionsfรคlle in China, Italien, Spanien, Iran, Deutschland, Frankreich und den USA; aus China wurden nur noch wenige Neuinfektionen gemeldet. Ende Mรคrz 2020 stieg die Zahl der Corona-Infektionen in den USA stark an; damit wurden auch die Vereinigten Staaten neben Europa und China zu einem Brennpunkt (โHotspotโ) der weltweiten COVID-19-Pandemie.
Im Mai und Juni 2020 entwickelte sich Lateinamerika zum neuen Zentrum der Coronavirus-Pandemie; besonders davon betroffen waren Brasilien, Peru, Chile, Mexiko, Kolumbien, Argentinien, Ecuador und Bolivien.[85][86]
Ende August 2020 meldete Indien zum ersten Mal die hรถchste Zahl an Neuinfektionen innerhalb eines Tages weltweit. Damit wurde Indien zum neuen Zentrum der Pandemie.[87]
Im September 2020 wurde in Europa ein starker Anstieg der Fรคlle verzeichnet, der lรคngere Zeit anhielt. Er wurde als โzweite Welleโ betitelt.[88] In den USA hingegen kam es kurz darauf zum Beginn der โdritten Welleโ.[89] Beide Wellen wurden als deutlich aggressiver bezeichnet.
Asien
BearbeitenVolksrepublik China
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Im Sommer 2020 stellten Forscher der Harvard Medical School eine Untersuchung vor, bei der sie mit Hilfe von Satellitenfotos der Parkplรคtze vor sechs Krankenhรคusern in Wuhan das Verkehrsaufkommen verfolgten. Sie orteten einen Anstieg des Verkehrsaufkommens im September und Oktober 2019 und spekulierten, dass das Virus sich bereits in diesem Zeitraum auszubreiten begann. Kritiker beanstandeten die Methodik der Studie als Rosinenpickerei.[90]
Dezember 2019
BearbeitenDie lokale Gesundheitsbehรถrde war spรคtestens am 27.ย Dezember รผber den Befund eines SARS-รคhnlichen Erregers informiert. China hatte nach den Erfahrungen der SARS-Pandemie ein Frรผhwarnsystem eingefรผhrt, das sicherstellen sollte, dass Seucheninformationen unabhรคngig von politischen Erwรคgungen unverzรผglich an das Chinesische Zentrum fรผr Krankheitskontrolle und -prรคvention weitergeleitet werden. Im Fall des neuartigen Coronavirus geschah dies aber nicht.[91]
Am 30. Dezember warnte der chinesische Arzt Li Wenliang innerhalb einer WeChat-Gruppe mit Kollegen angesichts einer ungewรถhnlichen Hรคufung von Lungenentzรผndungen (Pneumonien) im รถrtlichen Krankenhaus in Wuhan vor einem Virusausbruch. Zu diesem Zeitpunkt ging er davon aus, dass es sich um den Verursacher des schweren akuten Atemwegssyndroms (SARS) handele.[92] Nachdem sich die Warnung von Li und seinen Kollegen im Internet verbreitet hatte, wurden er und mindestens sieben weitere seiner Kollegen von der รถrtlichen Polizei vorgeladen. Sie wurden beschuldigt, โunwahre Behauptungen gemachtโ zu haben, die die โgesellschaftliche Ordnung ernsthaft gestรถrtโ hรคtten, und mussten unter Androhung harter Strafen Schweigepflichtserklรคrungen unterschreiben, gegen die Li Wenliang spรคter allerdings verstieร.[93][94] Am 1.ย Januar 2020 berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua รผber die angeblichen โFalschmeldungenโ der รrzte und bekrรคftigte, dass es keine Anzeichen fรผr eine Mensch-zu-Mensch-รbertragung der neuen Erkrankung gebe.[95] Li Wenliang starb am 7.ย Februar 2020 mit 33 Jahren mutmaรlich an der Krankheit, vor der er zuvor gewarnt hatte.[96] Die รrzte hatten aus eigener Initiative weiter an den offiziellen Kanรคlen vorbei Patientenproben an Analyselabors geschickt, um auf eigene Faust der Erkrankungsursache nachzugehen.[97] Sie wurden Ende Januar vom Obersten Volksgerichtshof rehabilitiert.[96]
Der chinesischen Regierung wird diesbezรผglich vorgeworfen, den Ausbruch der Krankheit zunรคchst aktiv verschleiert und damit รผberhaupt erst deren ungehinderte Ausbreitung ermรถglicht zu haben.[98] Obwohl das neue Virus bereits im Dezember 2019 entdeckt und sequenziert worden war, befahl die Kommunistische Partei Chinas den Forschungseinrichtungen noch im Januar, die Tests abzubrechen sowie die Proben wieder zu vernichten, und verhรคngte eine Pressesperre.[99][66][100]
Am 31. Dezember 2019 informierten die chinesischen Behรถrden offiziell die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass seit Anfang Dezember 2019 mehrere Fรคlle von schwerer Lungenentzรผndung in der Stadt Wuhan aufgetreten waren, deren Erreger bisher nicht identifiziert werden konnte und fรผr die als Auslรถser ein bislang uncharakterisierter Krankheitserreger angenommen wurde. Die Meldung wurde noch am selben Tag รผber die Nachrichtenagenturen verbreitet.[101] Die amerikanische Gesundheitsbehรถrde CDC erfuhr dann ebenfalls von der Pneumonie-Hรคufung in Wuhan. Eine Epidemiologin der CDC, die zuvor eingebettet bei der chinesischen Gesundheitsbehรถrde gearbeitet hatte und deren Aufgabe es auch gewesen wรคre, frรผhzeitig Informationen รผber potentiell gefรคhrliche Ausbrรผche weiterzugeben, war im Juli von der US-Regierung abberufen und die Position nicht neu besetzt worden.[102]
Zwischen dem 31.ย Dezember 2019 und dem 3.ย Januar 2020 wurden der WHO insgesamt 44 Fรคlle von Pneumonien mit unbekannter Ursache aus Wuhan gemeldet.
Jahr 2020
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Der Fischmarkt in Wuhan wurde am 1.ย Januar 2020 durch die รถrtlichen Behรถrden geschlossen und desinfiziert.[68] Am 5.ย Januar 2020 schloss das Chinesische Zentrum fรผr Krankheitskontrolle und -prรคvention aufgrund von Untersuchungsergebnissen MERS-CoV und SARS-CoV als Erreger aus.[103] Am 7.ย Januar 2020 wurde von chinesischer Seite die Identifizierung eines neuartigen Coronavirus bei mehreren Erkrankten bekanntgegeben. Das Virus erhielt die provisorische Bezeichnung 2019-nCoV (2019 neuartiges Coronavirus).[68] Am 13.ย Januar 2020 gab das Gesundheitsministerium Thailands bekannt, dass das neue Virus in Thailand nachgewiesen wurde, bei einer Reisenden aus Wuhan. Am 15.ย Januar wurde ein analoger Fall aus Japan bekannt und am 20.ย Januar ein Fall aus Sรผdkorea.[68]
Aus dem Umstand, dass Erkrankungsfรคlle bei mehreren Fernreisenden aufgetreten waren, schlossen Epidemiologen, dass die Zahl der Erkrankungsfรคlle weit grรถรer sein mรผsse als die anfรคnglich gemeldeten 44 Fรคlle. Experten schรคtzten am 17.ย Januar 2020 die Zahl der in Wuhan infizierten Personen auf etwa 1700.[104] Dadurch, dass mehrere Angehรถrige des Krankenhauspersonals, das mit der Behandlung der Erkrankten befasst war, ebenfalls erkrankten, wurde deutlich, dass eine Mensch-zu-Mensch-รbertragung mรถglich ist. Dies wurde am 20.ย Januar 2020 durch die chinesischen Behรถrden bestรคtigt.[105]
Noch am 18. Januar versammelten sich knapp 40.000 Familien in Wuhan ungehindert fรผr Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahrsfest (Potluck). Es wird vermutet, dass es hierbei zu einer besonders groรen Zahl an Infektionen kam.[106]
Derweil hatte die Krankheit auch Beijing erreicht, wo Infizierte seit dem 20.ย Januar in bestimmten Krankenhรคusern konzentriert wurden.[107]

Bis einschlieรlich 26.ย Januar 2020 waren offiziellen chinesischen Angaben zufolge in China 2744 infizierte Personen registriert worden. Die Zahl der bestรคtigten Todesopfer stieg auf 80 (alle in China).[108] Am 26.ย Januar 2020 wurde die Provinz Hubei inklusive der Stadt Wuhan vom deutschen Robert Koch-Institut als erstes Risikogebiet in China eingestuft.
Am 27. Januar 2020 meldete das chinesische Staatsfernsehen einen Anstieg um 1200 Erkrankungen, wodurch die Gesamtzahl der in China gemeldeten Fรคlle auf etwa 4000 stieg; eine Abweichung von 500 gegenรผber den Zahlen der WHO.[109]
Anfang Februar schien die Zahl der Neuinfektionen in China zunรคchst zu sinken. Das deutsche Robert Koch-Institut erklรคrte am 7.ย Februar 2020, dass die chinesischen Risikogebiete ausgeweitet und vier Groรstรคdte (Wenzhou, Hangzhou, Ningbo und Taizhou) in der Provinz Zhejiang in Kรผstennรคhe im Osten Chinas ins bisherige Risikogebiet eingeschlossen wรผrden. Am 13.ย Februar รคnderten die chinesischen Behรถrden die Meldekriterien und es wurden, abweichend von den Vorgaben der WHO, auch klinisch diagnostizierte Fรคlle ohne Virusnachweis erfasst. Dies ergab allein fรผr Hubei mit 14.000 neuen Fรคllen die hรถchste Zahl an gemeldeten Neuinfektionen.[110][111] Diese รnderung wurde am 20.ย Februar wieder zurรผckgenommen; die Meldekriterien entsprechen seither wieder den Vorgaben der WHO. Am 14.ย Februar 2020 gab die Nationale Gesundheitskommission bekannt, dass zum Berichtstag 1716 Mitarbeiter des Gesundheitswesens infiziert seien. Sechs davon wurden als verstorben gemeldet.[112] Bis zum 20.ย Februar 2020 gab es 2055 laborbestรคtigte Infektionen bei Mitarbeitern des Gesundheitswesens, 88ย % davon in der Provinz Hubei, in insgesamt 476 chinesischen Kliniken.[113]
Am 18. Februar 2020 lag die Zahl der Neuinfektionen pro Tag in China unter 2000, am 20.ย Februar sank sie unter 1000, und laut WHO-Bericht vom 26.ย Februar 2020 gab es erstmals mehr Neuinfektionen auรerhalb Chinas (460) als innerhalb (410).[31] Die von der WHO vom 16. bis 24.ย Februar 2020 mit China durchgefรผhrte gemeinschaftliche Mission (englisch WHO-China joint mission) kam zu dem Ergebnis, dass die in China durchgefรผhrten radikalen Maรnahmen geeignet waren, das Virus einzudรคmmen und seit Ende Februar 2020 die Anzahl der Neuinfizierten deutlich zu senken. Dies wurde durch intensive Nachverfolgung von Infizierten und ihren Kontaktpersonen erreicht. Auch die Einschrรคnkungen von Mensch-zu-Mensch-รbertragungen durch Absage zahlreicher Groรveranstaltungen sowie die Verlรคngerung der Ferien anlรคsslich des chinesischen Neujahrsfestes dienten diesem Zweck. Als extreme Maรnahme galt die Abriegelung der Stadt Wuhan, mit der die gesamte Bevรถlkerung in hรคusliche Quarantรคne versetzt wurde[113][114] (siehe Abschnitt Maรnahmen im Artikel COVID-19-Pandemie in der Volksrepublik China).
In seiner Rede am 9.ย Mรคrz 2020 erklรคrte der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus, dass mehr als 70ย % der etwa 80.000 Infektionsfรคlle mittlerweile genesen seien und die Kliniken verlassen hรคtten.[115] Die Zahl der Neuinfektionen in China lag an diesem Tag bei 45.[31]
In dem Bericht der WHO-Mission, fรผr den im Februar Wissenschaftler aus acht Lรคndern neun Tage im Land unterwegs waren, heiรt es, China habe โdie womรถglich ambitionierteste, agilste und aggressivste Anstrengung zur Krankheitseindรคmmung in der Menschheitsgeschichteโ unternommen.[116][117][118]
Indien
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Am 24. Mรคrz 2020 erlieร die Regierung Indiens eine 21-tรคgige Ausgangssperre fรผr die gesamte Bevรถlkerung, da es trotz vergleichsweise weniger Tests offiziell mehr als 500 Corona-Fรคlle gab.[119][120] Narendra Modi, der derzeitige Premierminister Indiens, ordnete besonders strenge Maรnahmen an. Regierungsstellen, Bรผros, Einkaufszentren und รถffentliche Verkehrsmittel sind stillgelegt โ diese Maรnahme trat nur vier Stunden nach Bekanntgabe in Kraft, was dazu fรผhrte, dass die Bevรถlkerung kaum Vorbereitungszeit hatte und die Versorgung mit Lebensmitteln aufgrund von extremen Hamsterkรคufen teilweise nicht mehr gewรคhrleistet war.[121] Laut Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation sind in Indien 80,9 Prozent der Arbeitskrรคfte im informellen Sektor beschรคftigt โ ohne Vertrรคge, Lohnfortzahlung oder Versicherung. Jeder verstrichene Tag ohne Arbeit bedeutet fรผr sie einen Tag ohne Einkommen. Hinzu kommt, dass viele kaum Rรผcklagen haben.[122][123]
Iran
BearbeitenAm 20. Februar 2020 meldete die Regierung der Islamischen Republik Iran den Nachweis des Virus bei zwei Todesfรคllen.[31] Da bei den an die Weltgesundheitsorganisation gemeldeten Zahlen fรผr Iran die Zahl der Todesfรคlle in Relation zur Zahl der Infizierten รผberdurchschnittlich hoch war, wird in Presseberichten eine hohe Dunkelziffer nicht erkannter oder nicht gemeldeter Infektionen mit SARS-CoV-2 vermutet.[124][125] Experten drรผckten ihre Besorgnis aus, dass Iran nicht รผber die erforderlichen Ressourcen verfรผge, die Ausbreitung der Infektion einzudรคmmen, sollten die Fallzahlen stark steigen.[126] Reisende mit Aufenthalt in Iran waren bis Anfang Mรคrz 2020 die Ursache fรผr Infektionen in mehreren Lรคndern im Nahen und Mittleren Osten, beispielsweise Afghanistan, Bahrain, Irak, Katar, Kuwait, Libanon, Oman, Pakistan und den Vereinigten Arabischen Emiraten.[127]
Am 25. Februar 2020 wurde bekannt, dass der stellvertretende iranische Minister fรผr Gesundheit Iraj Harirchi, der tags zuvor bestritten hatte, das Ausmaร des Ausbruchs zu vertuschen, positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden war.[128] Vom 2. bis 10.ย Mรคrz war ein Team der Weltgesundheitsorganisation vor Ort, um bei der Bekรคmpfung des COVID-19-Ausbruchs zu helfen,[127][129] dabei wurde angemahnt, dass die Mitarbeiter im Gesundheitssystem besser geschรผtzt werden mรผssten.[129] Am 4.ย Mรคrz 2020 erklรคrte der Generalstaatsanwalt des Landes, das Horten von Atemschutzmasken und anderen Vorrรคten sei mit der Todesstrafe belegt worden.[125]
Laut WHO-Bericht vom 23.ย Mรคrz 2020 lag die offizielle Zahl der Todesfรคlle bei 1.685, bei insgesamt 21.638 Infektionsfรคllen. Den hรถchsten Stand an tรคglichen Neuinfektionen erreichte man am 30.ย Mรคrz mit 3.186 Fรคllen, danach sank die Zahl kontinuierlich, so dass am 8.ย April erstmals seit dem 24.ย Mรคrz wieder unter 2.000 Neuinfektionen pro Tag vermeldet werden konnten. Die Gesamt-Todeszahl รผbertraf bereits am 4.ย April die von China und war ab diesem Tag nur noch in fรผnf anderen Lรคndern der Welt hรถher. Auch bei der Zahl der Infizierten gehรถrt Iran weiterhin zu den am schwersten betroffenen Staaten. Auf dem Stand vom 10.ย April 2020 meldeten nur sieben andere Lรคnder mehr Infektionen.[31] Am 25. Mai 2020 meldete die WHO 135.701 Infizierte und 7.417 Todesfรคlle.[130]
Tรผrkei
BearbeitenDie Tรผrkei war vergleichsweise lange Zeit nicht von der COVID-19-Pandemie betroffen. Prรคventiv wurden am 24.ย Januar 2020 an den internationalen Flughรคfen Wรคrmebildkameras installiert und bei Reisenden aus China Tests durchgefรผhrt, spรคter wurden alle Passagiere kontrolliert. Am 11.ย Mรคrz 2020 gab der Gesundheitsminister Fahrettin Koca bekannt, dass ein Mann, der sich unter anderem in Italien und Deutschland aufgehalten hatte, positiv auf das Virus getestet worden sei. Am 12.ย Mรคrz fand unter der Leitung des Staatsprรคsidenten eine Sondersitzung statt. Daraufhin wurde bekannt gegeben, dass sรคmtliche Schulen geschlossen werden und ab dem 23. Mรคrz der Fernunterricht an den Schulen beginnt. Weiter wurden in einem ersten Schritt Flรผge in mehrere EU-Lรคnder verboten, spรคter folgten die Schweiz, das Vereinigte Kรถnigreich und Saudi-Arabien. Am 16.ย Mรคrz 2020 wurden alle Geschรคfte geschlossen, die nicht der Grundversorgung dienen. Am 22.ย Mรคrz 2020 waren laut Gesundheitsministerium bereits 1.236 Menschen infiziert und 21 gestorben.[131][132][133] Am 31.ย Mรคrz waren es laut Gesundheitsminister Fahrettin Koca 13.531 Infizierte und 214 Gestorbene.[134] Am 10.ย April meldete die Tรผrkei als elftes Land weltweit den 1.000. Todesfall. Die Zahl der Infizierten betrug nun 47.029 und war damit achtmal hรถher als zwei Wochen zuvor, wo sie noch mit 5.698 angegeben wurde.[31] Am 25.ย Mai 2020 meldete die WHO 156.827 Infizierte und 4.340 Todesfรคlle.[135]
Vorderasien, Naher Osten
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In Vorderasien bzw. im Nahen Osten meldeten am 22.ย Februar 2020 jeweils Israel und der Libanon ihren ersten Erkrankungsfall.[136] Am 24.ย Februar bestรคtigten Kuwait (3), Bahrain (1), Afghanistan und der Irak (1) die ersten Infektionsfรคlle in ihren Lรคndern.[137] Bei all diesen neu gemeldeten Fรคllen soll es Verbindungen zu Iran gegeben haben.[126] Bei den Fรคllen im Libanon, in Kuwait, Bahrain, Oman, Katar und in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie im Irak und in Afghanistan konnte im Nachhinein ein Zusammenhang mit Reisen nach Iran ermittelt werden.[127][138] Am 22. Mรคrz 2020 gab auch Syrien offiziell seinen ersten Coronavirus-Fall bekannt.[139]
Besondere Sorge bereitet den Experten die mรถgliche Ausbreitung des Virus in Lรคndern mit einem unzureichenden Gesundheitssystem und รผberfรผllten Flรผchtlingslagern.[140][141][139] Im Nordwesten Syriens beispielsweise leben drei Millionen Geflรผchtete unter prekรคren Lebensbedingungen, und Syriens Gesundheitssystem ist nach neun Jahren Bรผrgerkrieg weitgehend heruntergewirtschaftet.[142]
Republik China (Taiwan)
BearbeitenAusgehend von der SARS-Epidemie 2004 etablierte Taiwan mit dem Nationalen Gesundheitskommandozentrum eine zentrale Einrichtung zur Steuerung der Reaktion auf einen erneuten Krankheitsausbruch. Am 31.ย Dezember 2019, an dem Tag, als die VR China der WHO eine Hรคufung von Pneumonien meldete, begannen die taiwanischen Behรถrden mit Fiebermessungen und Befragungen bei allen Flugreisenden aus der Volksrepublik. Bis zum 24.ย Februar 2020 beschloss das Gremium 124 Einzelmaรnahmen, von der Regelung der Quarantรคne, der proaktiven Suche nach Infizierten, Regelungen fรผr Schulen und Bildungseinrichtungen sowie der Kontrolle von See- und Luftgrenzen. Die Produktion von Schutzmasken wurde unter Heranziehung von Soldaten gesteigert. Am 20.ย Januar 2020 gab die taiwanische Gesundheitsbehรถrde (Taiwan CDC) bekannt, รผber einen Vorrat von 44ย Millionen OP-Masken und 1,9ย Millionen N95-Masken zu verfรผgen (bei rund 23,5ย Millionen Einwohnern). Die Zahl bereitstehender Isolationszimmer mit Unterdrucksystem wurde mit 1100 angegeben. Taiwan fasste Reise- und Kranken- sowie Sozialversicherungsdaten zusammen, um die Gefรคhrdung von individuellen Personen zu errechnen. Aufgrund dieser Daten wurde ein Echtzeitalarm an die betreffenden Personen per Mobilfunk verschickt. Dieser ermรถglichte erst die Einreise. Bei unauffรคlliger Datenlage wurden die Personen durchgewinkt. Bei Verdachtsfรคllen aufgrund der Reisedaten wurden die betreffenden Personen unverzรผglich fรผr die Dauer der Inkubationszeit in hรคusliche Quarantรคne รผberfรผhrt. Die Einhaltung der Quarantรคne wurde รผber das Mobiltelefon รผber dasselbe Programm รผberwacht.[143]
Anfang Mรคrz 2020 zeigte sich, dass die Eindรคmmung des SARS-CoV-2 in Taiwan mit diesen Maรnahmen รผberaus erfolgreich verlief, obwohl Taiwan auf Druck Chinas offiziell von der WHO nicht mit Informationen versorgt und von der Zusammenarbeit fast vollstรคndig ausgeschlossen wurde.[144]
Sรผdkorea
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Mitte Februar 2020 wurden in Sรผdkorea die ersten Fรคlle festgestellt, bei denen sich nicht klรคren lieร, wo sie sich angesteckt hatten.[145] Die Zahl der bekannten Infektionsfรคlle bewegte sich bis zum 20.ย Februar 2020 bei unter 50 und stieg dann sprunghaft an. Ein erheblicher Teil konnte auf eine 61-jรคhrige Superverbreiterin zurรผckgefรผhrt werden, die innerhalb der Shincheonji-Kirche in Daegu mindestens 37 andere Anhรคnger infiziert hatte.[146] Sie hatte zuvor einen Virustest verweigert. Am 22.ย Februar 2020 wurden bereits mehr als 400 Infektionsfรคlle im Land gemeldet, von denen etwa die Hรคlfte mit der Kirchengemeinde in Daegu und einem Krankenhaus in Cheongdo in der Umgebung in Verbindung stand,[147] auรerdem zwei Todesfรคlle.[146] Die Stรคdte Daegu und Cheongdo wurden durch die Behรถrden zu โSonderรผberwachungszonenโ erklรคrt.[148] Am 23.ย Februar 2020 wurden รผber 600 Infektionsfรคlle sowie fรผnf Todesfรคlle gezรคhlt. Prรคsident Moon Jae-in erklรคrte, dass sich das Land an einem โschwerwiegenden Wendepunktโ befinde. Die nรคchsten Tage seien fรผr die Bekรคmpfung der Ausbreitung der Virusinfektion entscheidend.[149] In Sรผdkorea gibt es Apps und Webseiten, die per Nutzerverfolgung vor Orten warnen, an denen sich Infizierte nachweislich (mit ihrem Smartphone) aufgehalten haben.[150] Zur Eindรคmmung der Epidemie steigerten die Gesundheitsbehรถrden die Testkapazitรคt des Landes von rund 200 Ende Januar 2020 auf rund 1000 Ende Februar 2020. Vom 20.ย Januar bis zum 5.ย Mรคrz wurden rund 146.000 Personen in Sรผdkorea getestet. Nach Medienberichten wurden Anfang April 2020 tรคglich 400.000 Menschen getestet.[151] Das Ziel des Massentestprogramms ist die Unterbrechung der Infektionsketten durch Isolierung aller รbertrรคger inklusive der beschwerdefreien Patienten.[152]
Sรผdostasien
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Am 27. Januar 2020 wurde der erste Fall von SARS-CoV-2 in Kambodscha bei einem Chinesen, der aus Wuhan kam, registriert.[153] Am 13.ย Februar 2020 erreichte das Kreuzfahrtschiff Westerdam den Hafen von Sihanoukville. Bei einer US-amerikanischen Passagierin wurde kurz darauf bei der Weiterreise nach Malaysia eine Infektion mit dem Virus diagnostiziert. Seitdem durften die verbleibenden 980 Passagiere und Besatzungsmitglieder der Westerdam das Schiff nicht mehr verlassen, bis sie negativ auf das Virus getestet wurden. Da inzwischen allerdings neben der Frau noch weitere 1276 Passagiere bereits ungetestet das Schiff verlassen hatten und weitergereist waren, befรผrchteten Experten eine nun sehr viel schwerer eingrenzbare Verbreitung der neuartigen Coronavirus-Epidemie.[154] Bis zum 10.ย April 2020 wurden 120 Fรคlle gemeldet, Todesfรคlle waren bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt.[31]
In Osttimor wurde am 21.ย Mรคrz 2020 erstmals ein Fall einer SARS-CoV-2-Infektion gemeldet. Es handelte sich um einen Auslรคnder, der in Osttimor lebt. Er hatte leichte Symptome und wurde von den Behรถrden isoliert.[155] Nach 28 Krankheitsfรคllen galt Osttimor seit dem 15. Mai 2020 als frei von COVID-19, bis erneut Corona-Infizierte unter Einreisenden entdeckt und isoliert wurden. Eine Verbreitung der Krankheit unter der Bevรถlkerung konnte durch die Schlieรung der Grenzen lange verhindert werden, doch ab Dezember 2020 brachten vor allem illegale Grenzgรคnger das Virus nach Osttimor. Mit Absperrung der einzelnen Gemeinden versuchte man die Verbreitung zu stoppen. Ab dem 7. April 2021 begann man mit Impfungen. Bis zum 18. September waren 32,4ย % voll geimpft, 55,3ย % hatten die erste Impfdosis erhalten. Zu dem Zeitpunkt zรคhlte man 18.994 Infizierte und 103 Tote.[156]
In Singapur wurde bereits am 2. bzw. 3.ย Januar 2020 begonnen, alle Patienten mit Lungenkrankheiten zu identifizieren, die zuvor aus der Region Wuhan eingereist waren, und bei allen aus Wuhan ankommenden Reisenden am Flughafen die Kรถrpertemperatur zu messen. Im Januar wurden die Alarmstufen und das Contact-Tracing schrittweise ausgebaut. Am 31.ย Januar 2020 wurden Einreisen aus Hubei untersagt und 700 Menschen, die vorher in Hubei gewesen waren, isoliert. Aus China kommende Einwohner mussten sich von da an zwei Wochen lang isolieren. Nach Ausrufung der Alarmstufe โDORSCON orangeโ waren Lebensmittel und Gรผter des Grundbedarfs vielfach ausverkauft, Premier Lee Hsien Loong rief in einer Videoansprache in sozialen Netzwerken die Bevรถlkerung zur Ruhe auf. Es gebe reichlich Vorrรคte, die Stadt werde nicht abgeriegelt, und es wรผrden auch nicht alle Bรผrger angewiesen, zu Hause zu bleiben, wie in China, Sรผdkorea oder Italien geschehen.[157][158]
Bis zum 19. Februar 2020 waren 84 Infizierte in Kliniken behandelt worden, von denen 4 auf eine Intensivstation kamen.[159] Bis zum 16.ย Mรคrz 2020 gab es 121 bestรคtigte COVID-19-Fรคlle; es waren jedoch fast ebenso viele Patienten als geheilt entlassen worden. Alle COVID-19-Fรคlle konnten innerhalb kรผrzester Zeit isoliert werden, die Kontakte wurden mit dem nach der SARS-Epidemie 17 Jahre zuvor entwickelten Contact-Tracing-Management identifiziert und unter Quarantรคne gestellt. Premier Lee konnte vermelden, die Situation sei unter Kontrolle und man werde die Stadt nicht herunterfahren, so wie dies in China, Sรผdkorea oder Italien geschehen sei. Reisende aus Deutschland wurden nicht ins Land gelassen, das Land galt als Risikofall โ als einer jener Staaten, die COVID-19 zu lange nicht ernst genug genommen hรคtten, wie Premier Lee kritisiert: โEin alarmierendes Level von Inaktivitรคt hat es die Weltgesundheitsorganisation genannt. Wir hier in Singapur haben COVID-19 von Anfang an absolut ernst genommenโ.[160] Auf dem Stand vom 15.ย April 2020 waren es 3699 Infizierte, darunter 10 Tote.[31]
Thailand begann am 5. Januar 2020 Einreisekontrollen fรผr Flรผge aus Wuhan und meldete am 13.ย Januar 2020 den ersten SARS-CoV-2-Fall auรerhalb Chinas.[161][162] Bis 15.ย April 2020 stieg die Zahl der Infizierten auf 2672, darunter 46 Tote.[31]
Japan
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Die Zahl der Infizierten an oder von Bord der Diamond Princess im Hafen von Yokohama stieg am 24.ย Februar 2020 auf 691. Diese Infektionsfรคlle werden in den WHO-Berichten nicht Japan zugeordnet, sondern als Internationale Befรถrderung gefรผhrt (vergleiche den Abschnitt Diagramme und Tabellen).[31] Am 26.ย Februar ordnete das Schulamt in der Prรคfektur Hokkaidล an, Grund- und Mittelschulen fรผr einige Tage zu schlieรen.[163] Am gleichen Tag stieg die Zahl der Infektionen in Japan auf 164.[31] Am Folgetag verkรผndete der Premierminister Shinzล Abe die Schlieรung aller Schulen in Japan bis zum April 2020;[164] fรผr Kinder, deren berufstรคtige Eltern keine Betreuungsmรถglichkeit hatten, waren Ausnahmen vorgesehen.[165] Mitte Mรคrz waren es ca. 800 Infizierte und ein Dutzend Todesfรคlle, Mitte April mehr als 10.000 Infizierte und รผber 100 Tote, Mitte Mai mehr als 15.000 Infizierte und รผber 700 Tote.[31]
Australien und Ozeanien
BearbeitenEuropa
BearbeitenSeit dem 16. Januar 2020 gab es nachgewiesene Coronainfektionen in Europa.[166] Eine Woche spรคter, am 24.ย Januar 2020, wurde der erste Fall auf dem europรคischen Kontinent in Frankreich der WHO gemeldet,[167] und am 25. Januar wurde der erste Todesfall auรerhalb Asiens, ebenfalls in Frankreich, gemeldet.[166] Aufgrund der hohen Zahlen, welche die in China รผberstiegen, stufte die WHO Europa Anfang Mรคrz 2020 zum Epizentrum der Pandemie ein.[168]
Bis April 2021 erlebte der Kontinent drei Wellen der Pandemie. Die erste dauerte von Mรคrz bis Mai 2020; sie fรผhrte in vielen Lรคndern zu einer รberlastung der Gesundheitsinfrastruktur und dadurch zu einer hohen Sterblichkeit.[169][170] Die zweite Welle fand von September 2020 bis Anfang Februar 2021 statt und die dritte schloss sich kurz darauf ab Mรคrz 2021 an.
Afrika
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Am 14. Februar 2020 wurde der erste Infektionsfall auf dem afrikanischen Kontinent โ in รgypten โ gemeldet.[171] Es handelte sich um einen 33-jรคhrigen aus dem Ausland stammenden Patienten; nach Angaben des รคgyptischen Gesundheitsministeriums fielen bei allen seinen Kontaktpersonen die Tests auf den Erreger negativ aus. Bis zum 16.ย Mรคrz 2020 wurden von 26 afrikanischen Lรคndern Fรคlle gemeldet.[172][173] Angola meldete am 21.ย Mรคrz 2020 seinen ersten Corona-Fall.[174] Bis zum 25.ย Mรคrz 2020 wurden 2412 Fรคlle in 43 afrikanischen Staaten gemeldet, davon 709 in Sรผdafrika.[175]
Angloamerika
BearbeitenKanada
BearbeitenAm 13. Mรคrz wurde bekanntgegeben, dass die Ehefrau des kanadischen Regierungschefs Justin Trudeau positiv getestet wurde. Vorsorglich begaben sich beide fรผr 14ย Tage in hรคusliche Quarantรคne.[176] Trudeau war der erste Regierungschef, der in hรคusliche Quarantรคne ging.[177]
Es wurden zahlreiche Maรnahmen gegen das Virus angekรผndigt. So soll das Parlament fรผnf Wochen schlieรen, internationale Flรผge sollen auf wenige Flughรคfen mit besonderen Kontrollen umgeleitet werden, Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 500 Personen sollen nicht mehr andocken dรผrfen. Von einem Einreiseverbot wurde zunรคchst abgesehen, um nicht zu illegalen Grenzรผbertritten Anlass zu geben. Die Regierung forderte die Bรผrger auf, von entbehrlichen Auslandsreisen abzusehen und sich im Sinne der rรคumlichen Distanzierung von Menschenmassen fernzuhalten.[178] Am 16. beziehungsweise 18. Mรคrz wurden dann doch Einreiseverbote ausgesprochen.
Vereinigte Staaten
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Der erste bestรคtigte Fall in den USA wurde am 21.ย Januar 2020 aus dem Bundesstaat Washington vermeldet.[179] Am 6. Mรคrz 2020 waren 245 bestรคtigte Fรคlle sowie 14 Todesfรคlle bekannt.[180] In mehreren Bundesstaaten wurde zahlreichen Menschen eine hรคusliche Quarantรคne verordnet, insbesondere mehr als 2.500 Menschen allein in New York und mehr als 9.700 in Kalifornien (Stand: 6. Mรคrz 2020). Es handelt sich um Kontaktpersonen der ersten bestรคtigten Infizierten sowie um zurรผckgekehrte Reisende.[181]
Ende Januar bewerteten die CDC die Gefahr durch COVID-19 fรผr die US-Bevรถlkerung als niedrig.[182]
Die Federal Reserve stellte im Mรคrz 2020 Dollarscheine, die aus Asien zurรผckkehren, unter eine siebentรคgige Quarantรคne.[183]
Anfangs verharmloste US-Prรคsident Donald Trump die Gefahren des neuartigen Coronavirus.[184][185] Zahlreiche Aussagen Trumps in den ersten beiden Mรคrz-Wochen zur Pandemie stellten sich retrospektiv als inkorrekt heraus, werden mithin vom CNN als โFalschaussagenโ angeprangert.[186] In einer Fernsehansprache am 11.ย Mรคrz 2020 kรผndigte er โ ohne Absprache mit der EU โ ein einmonatiges Einreiseverbot fรผr Nicht-US-Bรผrger an, die sich in den vergangenen zwei Wochen in einem der 26 europรคischen Lรคnder des Schengenraums aufgehalten hatten.[187] Wenige Tage spรคter erweiterte Trump den Einreisestopp auf Groรbritannien und Irland.[188]
Angesichts des sich ausbreitenden neuartigen Coronavirus in den USA wurde am 13. Mรคrz 2020 der nationale Notstand ausgerufen. Bis dahin waren weniger als insgesamt 15.000 Menschen getestet worden โ wobei rund 2300 positiv auf COVID-19 getestet wurden. Diese vergleichsweise niedrige Zahl an positiv auf COVID-19 Getesteten lag daran, dass es an Tests fehlte. Vielen Menschen mit Krankheitssymptomen gelang es nicht, sich testen zu lassen. Prรคsident Trump erklรคrte, die Produktion von fรผnf Millionen Coronavirus-Tests sei angestrebt, die โsehr baldโ verfรผgbar sein wรผrden.[189][190]
Als erster US-Bundesstaat verhรคngte Kalifornien am 19.ย Mรคrz 2020 eine Ausgangssperre. Gouverneur Gavin Newsom ging davon aus, dass sich knapp 60ย Prozent der 40ย Millionen Einwohner in den nรคchsten acht Wochen anstecken kรถnnten. In einigen Teilen Kaliforniens hรคtten sich laut Newsom zuvor die Fallzahlen alle vier Tage verdoppelt. Bis zur Verhรคngung der Ausgangssperre waren in Kalifornien 958 Infektionsfรคlle bekannt geworden sowie 19 Todesfรคlle. Am selben Tag hatte Bรผrgermeister Eric Garcetti die Einwohner von Los Angeles dazu aufgerufen, nach Mรถglichkeit zu Hause zu bleiben. Zuvor waren bereits im Raum San Francisco viele Bezirke mit einer einwรถchigen Ausgangssperre konfrontiert worden.[191]
Am 27. Mรคrz 2020 wurden in den USA erstmals รผber 100.000 Infizierte gemeldet.[192] Damit entwickelten sich die USA neben Europa und nach China zum neuen Zentrum der Pandemie.[193] Die amerikanische Gesundheitsbehรถrde CDC rief am 4. April die amerikanische รffentlichkeit dazu auf, im Alltag Schutzmasken zu tragen, um die Verbreitung der Infektionskrankheit zu verlangsamen.[194][195]
Lateinamerika
BearbeitenDie COVID-19-Pandemie erreichte Lateinamerika spรคter als Asien und Europa. Seitdem hat sich das Virus aber รผber alle Lรคnder der Region ausgebreitet, wenn auch in unterschiedlicher Geschwindigkeit und mit unterschiedlichen Infektions- und Todeszahlen.[196] In vielen Lรคndern sind die Gesundheitssysteme รผberfordert. Auch die Reaktionen der lateinamerikanischen Regierungen waren verschieden.[197] Wรคhrend Staaten wie Argentinien, Bolivien, Kolumbien und Uruguay frรผh rรคumliche Distanzierung im Rahmen einer Massenquarantรคne anordneten, spielten die Prรคsidenten Mexikos und Brasiliens (siehe Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie #Brasilien) die Bedrohung durch das Virus zunรคchst herunter. In vielen Staaten wurden schnelle soziale Hilfsmaรnahmen verabschiedet.[198] Vielfach wurden die Regierungen mit Sonderkompetenzen ausgestattet. Auch in den Fรคllen, in denen dies zur Eindรคmmung der Pandemie gerechtfertigt scheint, fรผrchten Kritiker einen Verlust an demokratischer Qualitรคt und die Legitimierung autoritรคrer Praktiken รผber die akute Krise hinaus.[199][197]
Brasilien
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Nachdem am 26. Februar 2020 in Brasilien die erste bestรคtigte Infektion mit dem neuartigen Coronavirus aus Sรผdamerika gemeldet worden war[200] und am 28.ย Februar zwei positive Fรคlle aus Mexiko bekannt geworden waren,[201] gab es mit Stand 1.ย Mรคrz 2020 noch zehn weitere bestรคtigte SARS-CoV-2-Infektionen in Lateinamerika: einen zweiten Fall in Brasilien, vier Fรคlle in Mexiko, sechs in Ecuador und einen Fall in der Dominikanischen Republik. Bis zum 8.ย Mรคrz kamen fรผnf bestรคtigte Infektionsfรคlle in Costa Rica hinzu. Auf dem sรผdamerikanischen Kontinent traten Infektionen auch in Peru, Kolumbien und Franzรถsisch-Guayana auf.
Die beiden brasilianischen Erstpatienten, ein 61-Jรคhriger und ein 32-Jรคhriger, stammen aus Sรฃo Paulo und waren kรผrzlich von Reisen nach Italien zurรผckgekehrt.[202] Am 4.ย April 2020 wies das Land offiziell 10.278 Infektionen aus, eine Woche spรคter waren es doppelt so viele. Zudem wurde am 11.ย April 2020 der tausendste Todesfall gemeldet.[31]
Ecuador
BearbeitenDas zunรคchst am stรคrksten betroffene Land Lateinamerikas war Ecuador. Bis zum 4. Mรคrz stieg die Zahl der dort bestรคtigten Infizierten auf zehn an. Alle Fรคlle sind Kontaktpersonen einer 71-jรคhrigen, in Spanien lebenden Frau, die aus Madrid nach Ecuador gereist und einige Tage nach ihrer Ankunft erkrankt war.[203] Bis zum 8.ย Mรคrz erhรถhte sich die Zahl der bestรคtigten Infektionsfรคlle in dem Land auf 14, am 7.ย April wies Ecuador 3747 Infektionen auf. Davon waren allein 1600 Infizierte in Krankenhรคusern beschรคftigt, da es an Schutzmaterialien mangelt.[204]
Ecuador weist in Relation zur Gesamtbevรถlkerung deutlich mehr Infizierte und Tote als die anderen lateinamerikanischen Staaten auf. Bereits auf dem Stand vom 15. Mรคrz gab es in der am stรคrksten betroffenen Provinz Guayas 10.000 mehr Tote, als in normalen Jahren bis dahin gezรคhlt wurden, so dass anzunehmen ist, dass das Virus deutlich frรผher auftrat als bisher bekannt.[205] In der ecuadorianischen Metropole Guayaquil (Prov. Guayas) kollabierte Ende Mรคrz das Bestattungswesen. Spezialeinheiten mussten mit einer dreiwรถchigen Bergungsmission beginnen und holten bis zum 12.ย April 1402 Leichen aus Privathaushalten und Krankenhรคusern der Stadt, da die Leichenhรคuser voll waren und die Toten teils auf der Straรe abgelegt wurden, zudem wurden weitere Leichen ohne Untersuchung bereits zuvor privat verbrannt.[206][207] Die zu diesem Zeitpunkt offizielle Todeszahl von etwas รผber 300 ist daher als unrealistisch einzustufen und eine hohe Dunkelziffer anzunehmen. Die Ursache des jeweiligen Todes der geborgenen Leichen wurde allerdings nicht bekannt gegeben, so dass keine sichere Zahl mehr ermittelt werden kann.
Kuba
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Am 11. Mรคrz meldete Kuba die ersten Fรคlle; drei Touristen aus Italien wurden positiv auf COVID-19 getestet.[208] Die Ausbreitung des Virus SARS-CoV-2 in Kuba stellt das Gesundheitssystem der sozialistischen Karibikinsel auf die Probe. Ursprรผnglich von Touristen und aus dem Ausland zurรผckreisenden Kubanern auf die Insel gebracht, hat sich das Virus rasch รผber die ganze Insel verbreitet; Mitte April wurden rund 1.000 Fรคlle von Infizierungen gezรคhlt.[209] Das Land verfรผgt รผber ein breites Gesundheitssystem mit einer sehr hohen รrztedichte (siehe COVID-19-Pandemie in Kuba). Gleichzeitig leidet die medizinische Versorgung unter einem Mangel an Ausrรผstung und Medikamenten sowie den niedrigen Lรถhnen des Personals. Hinzu kommen teils dramatische Versorgungsengpรคsse, auch bei sanitรคren Produkten und der Wasserversorgung. Aufgrund der hohen Altersstruktur gilt rund ein Viertel der Bevรถlkerung als Risikogruppe. Trotz der kritischen Lage auf der Insel selbst entsandte Kuba รrzte-Brigaden zur Bekรคmpfung der COVID-19-Epidemie in andere Lรคnder, unter anderem nach Norditalien und in zahlreiche Karibikstaaten.[210]
Kubas schwierige wirtschaftliche Situation wird durch die Pandemie verschรคrft, da sie zum Einbruch des wichtigsten Wirtschaftszweiges des Landes, des Tourismus, gefรผhrt hat.[211] Die Regierung hat Lock-Down-Maรnahmen ergriffen. Zur Notversorgung der Bevรถlkerung hat sie verstรคrkt Nahrungsmittel und Sanitรคrprodukte dem freien Verkauf entzogen und in die Verteilungswirtschaft des Rationierungssystems รผberfรผhrt.
Antarktika
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Im Dezember 2020 wurden 36 mit SARS-CoV-2 infizierte Mitarbeiter der chilenischen Bernardo-OโHiggins-Station auf der Antarktischen Halbinsel registriert, darunter 26ย Mitglieder des Militรคrs und 10ย Zivilkrรคfte. Es waren die ersten bekannten Fรคlle der COVID-19-Pandemie auf dem antarktischen Kontinent.[212]
Flรผchtlingslager und marginalisierte Romasiedlungen
BearbeitenBesondere Sorge bereitet den Experten die mรถgliche Ausbreitung in Lรคndern mit unzureichenden Gesundheitssystemen, รผberfรผllten Flรผchtlingslagern und marginalisierten Siedlungen, in denen in vielen Staaten insbesondere Angehรถrige der nationalen Minderheit der Roma leben.[140][141] Beim Umgang mit der Risikogruppe der in Elendssiedlungen kumulierten Roma kommen ethnische Diskriminierung und daraus folgende Ungleichbehandlung erschwerend hinzu.[213][214][215] In einigen Staaten wรผrden Roma-Siedlungen polizeilich abgeriegelt und, wenn einzelne Roma unter Quarantรคne stehen, dem ganzen Roma-Kollektiv strikte Maรnahmen auferlegt, wรคhrend Maรnahmen gegenรผber Mitgliedern der Mehrheitsbevรถlkerung lediglich individuell vorgenommen wรผrden. Der Gesundheitsschutz der Roma werde dabei vernachlรคssigt.[213][214]
Nationale Maรnahmen
BearbeitenZahlreiche Staaten beschlossen mehr oder weniger einschneidende Quarantรคnemaรnahmen wie Kontaktbeschrรคnkungen, Ausgangssperren, Schulschlieรungen und Reisebeschrรคnkungen sowie Beherbergungsverbote. Eine groรe Welle solcher Maรnahmen wurde weltweit im Mรคrz 2020 beschlossen. Viele Staaten lockerten die Quarantรคnemaรnahmen dann im Mai und Juni 2020 wieder.[216] Auรerdem bemรผhten sich Staaten um die Stรคrkung ihres Gesundheitssystems, die Beschaffung von Schutzausrรผstung, die Fรถrderung der Forschung zur Behandlung von COVID-19 sowie zur Impfstoffentwicklung und trafen weitere Maรnahmen der Pandemieprรคvention. Schlieรlich ergriffen Regierungen im Anschluss an die Quarantรคnen Maรnahmen zur รberwindung der Wirtschaftskrise 2020.[216] Die nationalen Maรnahmen waren sehr unterschiedlich, abhรคngig von den politischen Prioritรคten der Regierungen und den zur Verfรผgung stehenden Ressourcen. Genauere Informationen finden sich in den Artikeln zur COVID-19-Pandemie in einzelnen Lรคndern.
Maรnahmen zur Sammlung von Kontakt- und Bewegungsdaten
BearbeitenCOVID-19-Apps
BearbeitenUnter COVID-19-Apps versteht man mobile Apps, die durch Kontaktverfolgung (Tracking) die Eindรคmmung der COVID-19-Pandemie unterstรผtzen sollen. Viele Lรคnder entwickelten eigene Apps, zum Teil auf gleichen Standards, um Kompatibilitรคt zu erreichen.
Sonstige Auswertung von Standortdaten
BearbeitenAuch ohne Tracking-Apps konnte mithilfe der Ortungsmรถglichkeiten von Mobiltelefonen und daraus abgeleiteter Bewegungsprofile รผberprรผft werden, ob sich Bรผrger an die im Rahmen der Coronavirus-Pandemie erlassenen Rechtsnormen hielten. Lothar Wieler, der Prรคsident des deutschen Robert Koch-Instituts, erlรคuterte, dass die hierfรผr notwendigen Informationen, Ortungen und Bewegungsdaten von der Telekom zur Verfรผgung gestellt wurden: Es sei mรถglich, โkleinrรคumig und ziemlich aktuell nachzuvollziehen, wie sich bestimmte Maรnahmen, die zur Epidemiebekรคmpfung eingefรผhrt worden sind, auch auswirkenโ.[217] Mit Mobilitรคtsdaten konnte zum Beispiel tagesaktuell beobachtet werden, โwie sich Menschen beweg[t]en, und ob sie in den letzten Wochen ihr Verhalten verรคndertโ hatten.[218]
Internationale Maรnahmen
BearbeitenInternationale Gesundheitsnotlage, WHO-Maรnahmen
BearbeitenAm 30. Januar 2020 erklรคrte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus das Vorliegen einer Gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite (auch vereinfacht โinternationale Gesundheitsnotlageโ genannt).[219][220] Ausschlaggebend hierfรผr war die Sorge um die mรถgliche Ausbreitung der Virusepidemie auf Lรคnder mit einem schwach entwickelten Gesundheitssystem, insbesondere in Subsahara-Afrika. Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation betonte ausdrรผcklich, dass die Gesundheitsnotlage nicht wegen der Lage in China erklรคrt worden sei. Die WHO habe weiterhin volles Vertrauen in die Fรคhigkeiten Chinas, die Epidemie im Land unter Kontrolle zu bringen.[221]

Am 11. und 12. Februar 2020 fand in Genf auf Einladung der Weltgesundheitsorganisation eine Konferenz statt, auf der sich รผber 400 Experten aus verschiedenen Fachgebieten zur Epidemie berieten. Es ging um den Austausch von Wissen รผber die Krankheit COVID-19 und das sie verursachende Virus SARS-CoV-2 sowie um die Festlegung zeitnaher Strategien zur Entwicklung von Impfstoffen und Behandlungsmethoden.[222][223] In seiner Rede auf der Mรผnchner Sicherheitskonferenz am 15.ย Februar 2020 sagte Ghebreyesus, dass die chinesischen Maรnahmen halfen, die Weiterverbreitung der Epidemie auf andere Staaten zu verlangsamen. Er lobte die gute Zusammenarbeit der internationalen Forschergruppen und erklรคrte, dass Tests zur Diagnose des Virus sowie persรถnliche Schutzausrรผstungen fรผr medizinisches Personal an Staaten mit groรem Bedarf verschickt wurden.[224] Im Situation Report โ 29 der WHO vom 18.ย Februar 2020 wurde gemeldet, dass Testkits zur Labordiagnose von COVID-19 nach 56 Staaten verschickt wurden, ebenso wurden mehr als 12ย Tonnen an persรถnlicher Schutzausrรผstung an Staaten mit besonderem Bedarf in den Regionen Westpazifik, Sรผdostasien und Afrika versandt.[31] Am 13.ย Mรคrz 2020 berichtete der WHO-Generaldirektor, dass 1,5ย Millionen Testkits nach 120 Staaten geliefert wurden und 28 weitere Staaten folgen wรผrden, auรerdem wurden Vorrรคte an persรถnlicher Schutzausrรผstung fรผr 56 Staaten bereitgestellt.[225] Die aktualisierte Meldung im Situation Report โ 78 der WHO vom 7.ย April 2020 fรผhrte mehr als 900.000 Mund-Nasen-Schutzmasken, 62.000 N95-Masken, 1.000.000 Schutzhandschuhe, 115.000 Kittel, 17.000 Schutzbrillen und 34.000 Gesichtsschutzmasken auf, die an 133 Staaten versendet wurden.[31]
Der WHO-Generaldirektor erklรคrte laut Medienangaben am 24.ย Februar 2020, dass es sich bislang nicht um eine Pandemie handele, sondern um Epidemien in einzelnen Lรคndern, denn es gebe bislang keine unkontrollierte globale Ausweitung des Virus. Von einer Pandemie zu sprechen, wรผrde Angst schรผren, sei im Prinzip unerheblich und wรผrde keine Menschenleben retten.[226]
Am 1. Mรคrz 2020 gab die WHO eine Empfehlung fรผr die Verwendung von persรถnlicher Schutzausrรผstung heraus. Diese wurde durch die weltweite Knappheit an Schutzkleidung motiviert, welche fรผr Atemschutzmasken bereits bestehe und fรผr Kittel und Augenschutz absehbar sei. Darin wird empfohlen, bei der direkten Patientenversorgung unter anderem einen Mund-Nasen-Schutz zu verwenden. FFP2- oder N95-Masken sollten lรคnger und bei mehreren Patienten getragen werden, um Material zu sparen. Diese hรถherwertigen Masken sollten nur bei aerosolbildenden Eingriffen am Patienten zum Einsatz kommen. Der allgemeine Einsatz von Masken in der Bevรถlkerung wurde nur fรผr pflegende Angehรถrige und Personen mit Atemwegsbeschwerden empfohlen.[227] In mehreren Staaten zugleich kam es zu Engpรคssen, die nicht kurzfristig durch Produktionserhรถhungen und -umstellungen kompensiert werden konnten. Der Mangel an medizinischer Schutzkleidung, insbesondere auch an Atemschutzmasken sowie an Mund-Nasen-Schutz fรผr medizinische Fachkrรคfte und fรผr die Allgemeinheit, sowie an Desinfektionsmitteln wurde zu einem Faktor, den die Regierungen bei der Abwรคgung der Optionen miteinkalkulieren mussten. Teilweise griffen Regierungen direkt in Produktionsentscheidungen und Lieferketten ein.
Am 11. Mรคrz 2020 stufte die WHO die globale Verbreitung des Coronavirus offiziell als Pandemie ein.[228] Im WHO-Bericht 53 vom 13.ย Mรคrz 2020 wurde bekannt gegeben, dass der Solidaritรคtsfonds zur Bekรคmpfung von COVID-19 (englisch COVID-19 Solidarity Response Fund) in Zusammenarbeit mit der UN-Stiftung und anderen Partnern eingerichtet wurde, um der Pandemie zu begegnen.[31] Ziel war es, bis Ende April 675ย Millionen US-Dollar zu sammeln, um Staaten mit besonderem Bedarf bei ihrem Einsatz gegen die Verbreitung von COVID-19 zu unterstรผtzen.[229] Um Spenden fรผr den Solidaritรคtsfonds zu sammeln und die Beschรคftigten im Gesundheitswesen im weltweiten Einsatz gegen das neuartige Coronavirus zu wรผrdigen, wurde zusammen mit der NGO Global Citizen fรผr den 18.ย April das globale Live-Streaming- und TV-Ereignis โOne World: Together At Homeโ (โEine Welt: Zusammen zuhauseโ) geplant. Kuratorin der Veranstaltung war Lady Gaga, es wurden Beitrรคge von internationalen Kรผnstlern und fรผhrenden Gesundheitsexperten gesendet.[230][231]
Anfang April 2020 unterstรผtzte die WHO sechs รถstliche Mitglieder der WHO-Europagruppe mit finanziellen Mitteln in Hรถhe von 140ย Millionen Euro, davon stammten 30ย Millionen Euro von der EU-Kommission. Die Mittel wurden fรผr medizinische Ausrรผstung, persรถnliche Schutzausrรผstungen und Diagnosetests sowie Schulungen fรผr das medizinische und das Laborpersonal und Informationskampagnen in Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Republik Moldau, Ukraine und Belarus verwendet.[232]
Die WHO verรถffentlichte auรerdem Informationen zur individuellen Vorbeugung, basierend auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Am 29.ย April lauteten die Empfehlungen:[233]
- regelmรครig und grรผndlich die Hรคnde mit Wasser und Seife oder mit einer fรผr die Handdesinfektion geeigneten Handwaschlotion waschen, oder mit einem Handdesinfektionsmittel auf Alkoholbasis benetzen;
- mindestens 1ย m Abstand zu anderen Personen halten;
- รผberfรผllte รถffentliche Plรคtze meiden;
- mรถglichst nicht Augen, Nase oder Mund berรผhren;
- in die Armbeuge niesen oder husten bzw. in ein Taschentuch;
- zu Hause bleiben, wenn man sich krank fรผhlt;
- bei Fieber, Husten und Kurzatmigkeit einen Arzt konsultieren (vor Besuch zuerst anrufen);
- auch bei milden Symptomen (wie z.ย B. leicht laufender Nase oder Kopfschmerzen) zu Hause bleiben
COVAX ist eine von drei Sรคulen des Access to COVID-19 Tools (ACT) zur Beschleunigung des โZugangs zu COVID-19-Instrumentenโ, die im April 2020 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Europรคischen Kommission und Frankreich als Reaktion auf die COVID-19-Pandemie gegrรผndet wurden. Die WHO hat in Zusammenarbeit mit der Global Alliance for Vaccines and Immunisation (GAVI, โGlobale Allianz fรผr Impfstoffe und Immunisierungโ) und der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) auch COVAX implementiert, um die globale Impfstoffentwicklung zu koordinieren. 184 Lรคnder sind bislang COVAX beigetreten, davon sind 92 Volkswirtschaften, die sich aufgrund niedriger und mittlerer Einkommen den Impfstoff nicht leisten kรถnnen, berechtigt, รผber Gavi COVAX Advance Market Commitment (AMC) Zugang zu COVID-19-Impfstoffen zu erhalten (Stand 12. November 2020). Es ist sicherzustellen, dass jedes teilnehmende Land einen garantierten Anteil an Dosen erhรคlt, um die am stรคrksten gefรคhrdeten 20ย Prozent seiner Bevรถlkerung bis Ende 2021 impfen zu kรถnnen.
Am 1. Juni 2021 prรคsentierten IWF, WHO, Weltbank und WTO einen gemeinsamen Plan fรผr einen gerechteren Zugang zu Impfungen und forderten die internationale Gemeinschaft auf, eine verstรคrkte und koordinierte weltweite Impfstrategie zu unterstรผtzen, umzusetzen und mit neuen finanziellen Mitteln zu fรถrdern.[234]
Am 1. Dezember 2021 einigten sich die 194 Mitglieder der WHO, einen vรถlkerrechtlich verbindlichen Vertrag zur Pandemieprรคvention auszuarbeiten.[235]
Am 5. Mai 2023 wurde die internationale Gesundheitsnotlage aufgehoben.[20]
Maรnahmen in der EU
BearbeitenIn einer am 29.ย Januar 2020 abgeschlossenen Umfrage unter 47 Laboren ermittelte das Europรคische Zentrum fรผr die Prรคvention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) die Testkapazitรคt innerhalb der Europรคischen Union (EU) auf 8275 pro Woche an 37 Laboren in 24 Staaten. Diese Kapazitรคt sollte bis zum 17.ย Februar 2020 auf 9150 Tests pro Woche an 46 Laboren erhรถht werden.[236]
Bei einem Treffen der EU-Gesundheitsminister am 13.ย Februar 2020 in Brรผssel wurde eine enge Zusammenarbeit beschlossen, um den Informationsaustausch, die Beschaffung persรถnlicher Schutzausrรผstungen und notwendige Kapazitรคten bei Behandlung und Diagnose von COVID-19 sicherzustellen. Es wurden finanzielle Mittel fรผr die Forschung und Entwicklung eines Impfstoffes bereitgestellt. EU-weit geltende Einreisebestimmungen wurden nicht vereinbart, allerdings wurde geplant, dass Reisende aus bestimmten Regionen zu ihren Kontakten mit Menschen aus den von der Epidemie betroffenen Gebieten befragt werden. Bei dem Treffen lehnte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nationale Alleingรคnge ab, ebenso das Fiebermessen von Einreisenden.[237]
Am 24. Februar 2020 gab die Europรคische Kommission Hilfsinvestitionen in Hรถhe von 232ย Millionen Euro bekannt. Die Gelder sind fรผr die WHO, fรผr Forschung, fรผr Afrika und fรผr Flรผge fรผr die Rรผckholung von EU-Bรผrgern bestimmt.[238]
Am 12. Mรคrz 2020 beschloss die Europรคische Zentralbank (EZB), bis zum Jahresende fรผr langfristige Kredite fรผr Banken und den Aufkauf von Wertpapieren 120ย Milliarden Euro bereitzustellen.[239] Eine Woche spรคter kรผndigte die EZB weitere Anleihekรคufe im Umfang von 750ย Milliarden Euro bis Ende des Jahres an, womit sie die Wirtschaft stabilisieren will.[240]
Die EU-Kommission verabschiedete am 16. Mรคrz 2020 Leitlinien, in denen sie die Mitgliedstaaten aufforderte, bei Grenzkontrollen fรผr einen mรถglichst ungehinderten Warenverkehr im europรคischen Binnenmarkt sowie fรผr einen freien Grenzรผbertritt der im Gesundheits- und Nahrungsmittelsektor arbeitenden Pendler zu sorgen. EU-Bรผrgern, die durch ein anderes Land nach Hause wollen, solle die Durchreise erleichtert werden.[241]
Am 17. Mรคrz 2020 beschlossen die Staats- und Regierungschefs der Europรคischen Union ein sofort wirksam werdendes 30-tรคgiges Einreiseverbot fรผr Nicht-EU-Bรผrger.[242] Ausnahmen gibt es fรผr Personen mit lรคngerfristigem Aufenthaltsrecht in einem EU-Staat sowie Sonderregelungen fรผr Staatsbรผrger von EFTA-Staaten und dem Vereinigten Kรถnigreich. Wer einen dringenden Einreisegrund habe (beispielsweise eine Beerdigung oder einen Gerichtstermin), mรผsse dafรผr die entsprechenden Nachweise mitfรผhren.[243]
Die EU-Kommission kรผndigte am 20. Mรคrz 2020 an, sie werde wegen der Corona-Krise die Haushaltsregeln lockern. Zum ersten Mal werde die allgemeine Ausweichklausel des EU-Stabilitรคtspakts aktiviert.[244] Das heiรt, dass โnationale Regierungen so viel Liquiditรคt wie nรถtig in die Wirtschaft pumpen kรถnnenโ.[245]
Anfang Mรคrz kam es in einigen Lรคndern zu Exportsperren fรผr Schutzausrรผstung, insbesondere Atemmasken und Schutzkleidung, so in Deutschland[246][247] und Frankreich.[248] Dadurch wurden Lieferungen fรผr schon stark betroffene Lรคnder wie Italien, Schweiz oder รsterreich, zurรผckgehalten.[249][250] Die EU-Kommission musste eine Rรผge wegen mangelnder Solidaritรคt aussprechen.[251][252][253] Erst Mitte Mรคrz 2020 konnte eine Einigung erzielt werden, die auf gemeinsame Beschaffung durch die Kommission und Exportbeschrรคnkungen nur fรผr EU-Drittlรคnder hinauslรคuft.[251] China kรผndigte an, Europa mit inzwischen dort nicht mehr benรถtigtem Material zu versorgen.[254] Allerdings stellten sich viele dieser chinesischen Lieferungen spรคter als Mangelware heraus.[255]
Bundeskanzlerin Angela Merkel lobte die Initiativen der EU-Kommission, beispielsweise zur gemeinsamen Beschaffung von Schutzkleidung.[256]
Bei einer Umfrage des Marktforschungsdienstes Aposcope gaben 32,1ย % von 56 befragten Apotheken an, beim Verkauf der Masken einen Aufschlag von 40ย % bis unter 50ย % zu erheben; 16,1ย % verlangten einen Aufschlag von 50ย % und mehr.[257][258] Der Einkaufspreis fรผr chirurgische Masken lag nach Angaben des Bayerischen Apothekerverbands bisher bei wenigen Cent und stieg seit dem รbergang zur Maskenpflicht auf ein bis zwei Euro. Die Bundesvereinigung der deutschen Apothekerverbรคnde wies darauf hin, dass die Berufsordnung fรผr Apotheker โallzu offensive Preisgestaltung, vulgo โWucherโโ, verbiete.[259]
In einem Video-Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten am 26. Mรคrz 2020 vertraten einige Teilnehmer, so wie zuvor auch zahlreiche รkonomen,[260] die Position, dass die Staaten gemeinsame Anleihen fรผr die Bekรคmpfung der Krise (auch als โCorona-Bondsโ bezeichnet) ausgeben sollten. Es kam aber zunรคchst zu keiner Einigung auf eine gemeinsame Position zur Finanzierung von Krisenbewรคltigungsmaรnahmen.[261] Der Prรคsident des Europรคischen Forschungsrats Mauro Ferrari reichte aus Enttรคuschung รผber die Reaktion der EU auf die Krise am 7. April 2020 seine Kรผndigung ein.[262]
Am 9. April 2020 beschloss die EU als erste Hilfsmaรnahme, besonders von der Pandemie betroffenen Mitgliedstaaten Kredite des Eurorettungsschirms ESM bis zu einer Hรถhe von 240 Milliarden zu gewรคhren, Kredite der Europรคischen Investitionsbank (EIB) in Hรถhe von 200ย Milliarden Euro fรผr Unternehmen bereitzustellen und ein Kurzarbeiterprogramm namens โSUREโ (Support Mitigating Unemployment Risks In Emergency, deutsch Unterstรผtzung zur Minderung des Arbeitslosenrisikos im Notfall) mit einem Umfang von 100 Milliarden Euro aufzustellen.[263][264] Ein lรคngerfristiges, zweites Hilfspaket gleicher Hรถhe (ein sogenannter Recovery Fund) wurde zwar vereinbart, aber es kam vorerst zu keiner Einigung รผber eine konkrete Finanzierung.[265]
Die Europรคische Gruppe fรผr Ethik der Naturwissenschaften und der Neuen Technologien (EGE), welche eine beratende Funktion gegenรผber der Europรคischen Kommission hat, gab im April 2020 eine Erklรคrung รผber die Europรคische Solidaritรคt und den Schutz der Grundrechte wรคhrend der COVID-19-Pandemie ab. Sie rief dazu auf, die Solidaritรคt nicht auf die eigene Region oder das eigene Land zu beschrรคnken, und wies darauf hin, dass sozioรถkonomisch schlechter gestellte Menschen stรคrker von der Pandemie betroffen sind. Den Auswirkungen โ dem Wirtschaftsabschwung ebenso wie einer Zunahme von hรคuslicher Gewalt, Kindesmissbrauch und Selbstmorden โ sei durch unmittelbare Unterstรผtzungsmaรnahmen finanzieller und psychosozialer Art zu begegnen, ausgehend von dem gleichen, auf der Menschenwรผrde beruhenden Wert aller Menschen. Konkret sei auf den Instrumenten der finanziellen Unterstรผtzung aufzubauen, die zur Bewรคltigung der Finanzkrise 2008 eingesetzt wurden; EU-Mitgliedstaaten, die grรถรere medizinische Ressourcen haben, sollen sie mit anderen teilen. Die Rettung von Menschenleben sei das erste Ziel, wobei zugleich darauf zu achten sei, dass die Krise nicht zum Machtmissbrauch verwendet werde. รberwachungsdaten seien nach einer Abwรคgung der Verhรคltnismรครigkeit frรผhzeitig wieder zu lรถschen. Nach der Krise sei aus den gesammelten Erfahrungen eine gemeinsame Strategie fรผr den Umgang mit zukรผnftigen Bedrohungssituationen zu entwickeln.[266]
Am 18. Mai 2020 legten Angela Merkel und Emmanuel Macron รผberraschend einen gemeinsamen Vorschlag fรผr einen Wiederaufbaufonds vor. Statt einer gesamtschuldnerischen Haftung wie bei โCorona-Bondsโ sollen die Hilfen in Hรถhe von 500 Milliarden Euro รผber den EU-Haushalt finanziert werden. Hierdurch wรคre auch eine direkte demokratische Kontrolle der Mittelverwendung mรถglich.[265]
Die kรผnftige European Health Emergency Response Authority (HERA) soll im Rahmen einer Europรคischen Gesundheitsunion als europรคische Behรถrde fรผr Notfallmaรnahmen im Gesundheitswesen geschaffen werden.[267] Ausgelรถst durch die Probleme bei der Bekรคmpfung der COVID-19-Pandemie legte die Europรคische Kommission am 11. November 2020 die Hauptelemente der kรผnftigen Behรถrde fest, die ab Ende 2021 tรคtig werden soll.
Auรenpolitik und auรenpolitische internationale Zusammenarbeit
BearbeitenFlug- und Reiseverkehr
BearbeitenZwischen 12.000 und 15.000 Verkehrsflugzeuge blieben weltweit im April 2020 am Boden.[268] Ein Analyst der Credit Suisse erwartete im Juli 2020 einen Rรผckgang der Ertrรคge im Zivilluftverkehr um 90 Prozent gegenรผber dem Vorjahr.[269]
Studien im Gefolge der SARS-Pandemie 2002/2003 ergaben, dass die meisten infizierten Personen bei Flugreisen relativ wenige Kontaktpersonen ansteckten, wรคhrend es durch einige andere Personen zu einem Superspreading kam.[270][271] In einer Studie zu einem Flug mit 112 Passagieren wurden 16 Erkrankungen dokumentiert, welche infolge eines bereits erkrankten Passagiers entstanden. Dabei wurde eine Hรคufung der Ansteckungen bis zu 3ย Reihen vor dem Indexpatienten, in einem Abstand bis zu 2,30ย m, festgestellt.[272]
Einzelne betroffene Kreuzfahrtschiffe
BearbeitenMehrere Kreuzfahrtschiffe wurden im Rahmen der COVID-19-Pandemie unter Quarantรคne gestellt, andere mussten aufgrund von Befรผrchtungen, dass sich das Virus an Land weiter ausbreiten kรถnnte, ihre Route รคndern, um an einem anderen Hafen anzulegen. Mehrere Staaten holten ihre Bรผrger, die auf unter Quarantรคne gestellten Kreuzfahrtschiffen festsaรen, in die Heimat zurรผck. Teils wurde die Handhabung der Quarantรคnemaรnahmen an Bord und rund um die Ausschiffung als ein Risiko fรผr eine verstรคrkte Ausbreitung des Virus bewertet.
Evakuierungen
BearbeitenWeltbank
BearbeitenNachdem die Weltbank schon im Mรคrz 2020 ein Hilfspaket von 12 Milliarden US-Dollar aufgelegt hatte,[273] das Entwicklungslรคnder beim Kampf gegen das Coronavirus unterstรผtzen sollte, kรผndigte sie im April 2020 an, 160 Milliarden bereitzustellen.[274]
Die Weltbank hatte im Jahr 2017 die Finanzierungseinrichtung fรผr Pandemienotfรคlle (englisch Pandemic Emergency Financing Facility, kurz: PEF) als Versicherungsmarkt fรผr weltweite Pandemienotfรคlle eingefรผhrt, in Zusammenarbeit mit den Rรผckversicherern Swiss Re, Mรผnchener Rรผck und GC Securities. Es wurden Anleihen in Hรถhe von insgesamt 320 Millionen US-Dollar ausgegeben.[275] Diese werfen jรคhrlich hohe Zinsen ab, im Gegenzug verlieren Anleger ihre Einlage zum Teil oder auch in Gรคnze, falls die Bedingungen fรผr eine Pandemie erfรผllt sind. Das Geld wird dann zur Finanzierung der Krisenreaktion verwendet.[276][277] Dies geschieht laut Medienberichten 84 Tage nach einem entsprechenden Lagebericht der WHO. Teils ist es selbst fรผr gut informierte Investoren schwer einzuschรคtzen, wann der Pandemienotfall eintritt.[276] Die Anleihe, die nicht an รถffentlichen Bรถrsen gehandelt wird, verlor im Zuge der Coronavirus-Epidemiekrise stark an Wert.[278] Experten betonen, dass die Summe klein ist im Vergleich der Gesamtheit der liquiden Mittel der Weltbank in Hรถhe von zehn Milliarden Dollar.[276]
Vereinte Nationen
BearbeitenDer Generalsekretรคr der Vereinten Nationen Antรณnio Guterres rief am 23. Mรคrz zu einem sofortigen globalen Waffenstillstand auf, um Zivilpersonen in den Konfliktregionen vor der Pandemie zu schรผtzen. Guterres sagte spรคter, dass sein Aufruf seitdem von 70 Staaten sowie von regionalen Partnern, nichtstaatlichen Akteuren, Netzwerken der Zivilgesellschaft und Organisationen unterstรผtzt worden ist. Darunter seien auch elf in langjรคhrige Konflikte verwickelte Staaten. Eine Online-Petition, die auf diesen Aufruf der UN Bezug nahm, wurde von mehr als einer Million Personen unterstรผtzt.[279]
Die Vereinten Nationen gaben am 2. April 2020 eine erste gemeinsame Resolution zur COVID-19-Pandemie ab. Sie riefen darin zu mehr internationaler Zusammenarbeit und Multilateralismus auf, mahnten den Schutz der Menschenrechte an und sprachen sich gegen Diskriminierung, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit aus. Einige Staaten, darunter Russland, hatten im Vorfeld gefordert, auch zur Aussetzung von internationalen Sanktionen aufzurufen.[280] In den Medien wurde die spรคte Reaktion der Vereinten Nationen auf die Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit als eine โKluft zwischen normiertem Anspruch und der Wirklichkeitโ kritisiert.[281]
Am 15. April 2020 begrรผรten die UN-Organisationen IOM, UNHCR und UNICEF Luxemburgs Aufnahme unbegleiteter minderjรคhriger Flรผchtlinge aus Griechenland.[282]
Die Allianz fรผr Multilateralismus sagte in einer gemeinsamen, von den Auรenministern zahlreicher Staaten unterzeichneten Erklรคrung vom 16. April 2020 den Vereinten Nationen, der WHO und anderen internationalen Organisationen ihre Unterstรผtzung fรผr deren Anstrengungen zu, die Pandemie einzudรคmmen, zu bekรคmpfen und ihre Ausbreitung zu verhindern.[283]
Medien berichteten von einem Veto der Vereinigten Staaten vom 8. Mai 2020 gegen einen bisher ausgehandelten Kompromissvorschlag fรผr eine COVID-19-Resolution. Diese sollte eine weltweite Waffenruhe in der Pandemie unterstรผtzen. Die Vereinigten Staaten widersprachen der Nennung der WHO in dem Entwurf, der von Frankreich und Tunesien ausgearbeitet worden war. Ebenso wenig stimmten sie einem in der Wortwahl abgewandelten Entwurf zu.[284]
Internationale Nichtregierungsorganisationen
BearbeitenEinige internationale Nichtregierungsorganisationen (NGOs) setzten sich in Wuhan bei der Bekรคmpfung des Virus ein, darunter Project HOPE, Direct Relief und Save the Children China.[285]
Die nationalen Rotkreuzgesellschaften arbeiten als nationale Hilfsgesellschaften in enger Zusammenarbeit mit Behรถrden fรผr die Bekรคmpfung des Virus.
Die Organisation รrzte ohne Grenzen (MSF) setzt sich unter anderem in Italien, Spanien, Belgien, Frankreich, der Schweiz, Norwegen und Griechenland fรผr gefรคhrdete Bevรถlkerungsgruppen ein.[286] In Italien unterstรผtzen etwa 30 MSF-Mitarbeiter Krankenhรคuser, Pflegeheime und Patienten und helfen Hausรคrzten und Gesundheitsfachleuten bei der Umsetzung hรคuslicher Isolierung (Stand: 27. Mรคrz 2020).[286] In Spanien richtete MSF temporรคre Spitale ein, wo Patienten mit moderaten Beschwerden behandelt werden kรถnnen, um Notaufnahmen und Intensivstationen zu entlasten, und berรคt zum Schutz von medizinischem Personal und รคlteren Menschen.[286][287] In Frankreich unterstรผtzt MSF die รถrtlichen Gesundheitsbehรถrden bei der Diagnose und Behandlung von Infektionen in gefรคhrdeten Bevรถlkerungsgruppen, insbesondere unter Migranten und Obdachlosen.[286][288]
Forschungseinrichtungen und Universitรคten
Bearbeiten- Die Verlage mehrerer bedeutender medizinischer und naturwissenschaftlicher Fachzeitschriften haben wissenschaftliche Publikationen zum Thema COVID-19 zeitnah und vollstรคndig frei zugรคnglich (d.ย h. im Open Access) verรถffentlicht, um medizinischen Fachleuten und Forschern den direkten Zugang zum aktuellen Stand der Wissenschaft zu erleichtern: beispielsweise The-Lancet-Zeitschriften des Elsevier-Verlags,[289] das Journal of the American Medical Association (JAMA) des Verbandes American Medical Association (AMA),[290] The New England Journal of Medicine (NEJM) der Massachusetts Medical Society[291] oder Nature der Springer Nature Verlagsgruppe.[292] Die WHO richtete eine bibliografische Datenbank ein.[293]
- Forschung findet einerseits auf den Gebieten der Impfstoffentwicklung und zur Behandlung[294][295] Erkrankter statt, andererseits wird an Diagnostik zum Nachweis einer aktiven Erkrankung und an Antikรถrpertests zum Nachweis einer bereits stattgefundenen Infektion geforscht. Wichtige Vorarbeit fรผr die Impfstoffentwicklung war die Entschlรผsselung des Erbguts des in Wuhan isolierten Virus im Januar 2020, verรถffentlicht in der frei zugรคnglichen GenBank des Nationalen Zentrums fรผr Biotechnologieinformation, gefolgt von der Entschlรผsselung weiterer Genomsequenzen.[296] Fortschritte bei der Diagnostik und den Antikรถrpertests verbessern die Nachverfolgbarkeit der Krankheit und kรถnnen so durch angepasste Infektionsschutzmaรnahmen dazu beitragen, die Verlaufskurve abzuflachen, was wichtig ist, um die Zahl der Intensivpatienten unterhalb der Kapazitรคtsgrenze der Intensivbetten zu halten.[297] Noch im Januar 2020 wurden erste Nachweisverfahren fรผr SARS-CoV-2 (damals noch als 2019-nCoV bezeichnet) mittels Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion (RT-PCR) publiziert, weitere Gruppen von Wissenschaftlern verรถffentlichten ihre entwickelten Methoden; sie sind auf der Website der WHO abrufbar.[298]
- Forscher entwickelten, verbesserten und ergรคnzten diverse Software, um die Pandemie abzumildern, die SARS-CoV-2-Viren besser zu verstehen, die Verbreitung von COVID-19 einzudรคmmen und mรถgliche Gegenmaรnahmen โ wie etwa potenziell umfunktionierbare medizinische Gegenmittel โ zu evaluieren oder besser ein- und umzusetzen.
- Im Rahmen von Forschungskooperationen wird zur schnelleren Entschlรผsselung des SARS-CoV-2-Virus und der Erforschung von Behandlungsmรถglichkeiten die Rechenleistung folgender Supercomputer, des Oka Ridge Summit, Sierra u.ย a., im COVID-19 High Performance Computing Consortium gebรผndelt. Die Gesamtrechenleistung betrรคgt 600 Petaflops, unterstรผtzt durch 6,8 Mill. CPU-Kerne, 50.000 Grafikprozessoren und 165.000 Netzwerkknoten.[299] Demselben Zweck dient das Projekt Folding@home.
- Forschern der schweizerischen Eawag und der ETH Lausanne ist es Ende April 2020 gelungen, Spuren des SARS-CoV-2-Virus im Abwasser nachzuweisen. In tรคglich aus der Abwasserreinigungsanlage von Lausanne entnommenen Proben konnten sie den Anstieg der SARS-CoV-2-Viren im Abwasser im Mรคrz und April grob nachzeichnen. Der Forschungserfolg erlaubt es, einen allfรคlligen Wiederanstieg der Infektionen rund eine Woche schneller zu erkennen als aufgrund der Tests. Ziel ist es, aus rund zwanzig groรen, geografisch gut รผber die Schweiz verteilten Klรคranlagen das Abwasser von rund 2,5 Millionen Menschen im Rahmen eines Frรผhwarnsystems zu รผberwachen.[300]
- In Deutschland ist โ insbesondere verglichen mit den Vereinigten Staaten โ weniger in die Entwicklung von Medikamenten gegen das Virus investiert worden. Investitionen richteten sich vor allem auf die Entwicklung von Impfstoffen.[301]
- Forscher der TU Darmstadt entwickeln in Kooperation mit der Stadtentwรคsserung Frankfurt am Main ein Monitoringsystem zum PCR-basierten Nachweis von Coronaviren im Abwasser, welches dabei auch asymptomatisch Infizierte erfassen kรถnnen soll. Eine Auswertung der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages zu den internationalen Forschungsaktivitรคten hinsichtlich einer abwasserbasierten Epidemiologie liegt seit Juni 2021 vor.[302][303]
Auswirkungen
BearbeitenDie national sowie international beschlossenen Maรnahmen hatten wiederum drastische Auswirkungen auf eine Vielzahl von Lebensbereichen, die im Folgenden kurz aufgefรผhrt und in den jeweiligen Hauptartikeln nรคher beschrieben sind.
Sozioรถkonomische Auswirkungen
BearbeitenDie Pandemie hatte, neben einem Rรผckgang der statistischen Lebenserwartung[304] um 1,6 Jahre,[305] weitreichende wirtschaftliche Auswirkungen, die sich zunรคchst in China und Asien, spรคter weltweit bemerkbar machten.

Die Quarantรคne ganzer Regionen und Ausgangsbeschrรคnkungen fรผr die Bevรถlkerung wirkten sich auf die Versorgungslage aus[306] und fรผhrten im Einzelhandel mitunter zu Hamsterkรคufen von haltbaren Lebensmitteln und Toilettenpapier (Klopapierkrise).[307] Ebenfalls waren Dienstleistungsbranchen wie Tourismus[308], Gastronomie oder Unterhaltungseinrichtungen betroffen, die starke Umsatzeinbuรen verzeichneten.[306] Die Unterbrechung lรคnderรผberschreitender Lieferketten fรผhrte zu zumindest zeitweiligen Produktionsstopps.[306] Im Mรคrz 2020 kam es an den Aktienmรคrkten vieler Staaten zum Bรถrsenkrach.[309] Die Wirtschaftskrise im Jahr 2020 wurde in den Medien auch als Coronarezession bezeichnet. Der Internationale Wรคhrungsfonds stellte dazu im Oktober fest, dass diese Auswirkungen nicht nur durch Lockdowns verursacht wurden, sondern auch bei anhaltenden hohen Infektionszahlen ohne Lockdown durch das freiwillige Verhalten der Bevรถlkerung. Demnach habe sich gezeigt, dass frรผhe Lockdowns wirtschaftlich effektiver seien als langfristige milde Maรnahmen. Die kurzfristigen Kosten des Lockdowns seien geringer als die langfristigen. Gleichzeitig zeige sich, dass die Maรnahmen stรคrkere Auswirkungen auf Frauen und jรผngere Menschen hรคtten.[310]
Die Pandemie hat weitreichende soziokulturelle Auswirkungen, so etwa auf die Arbeitswelt und die Schule. Da die Menschen dazu angehalten werden, ihre Arbeit mรถglichst von zu Hause auszufรผhren (Homeoffice), kรถnnen negative gesundheitliche Begleiterscheinungen auftreten (siehe Massenquarantรคne #Bewertung der Maรnahme). Im Zusammenhang mit dem Homeoffice ist in Deutschland beschlossen worden, dass Arbeitgeber dazu verpflichtet sind, Homeoffice anzubieten, soweit keine betrieblichen Grรผnde entgegenstehen.[311] Infolge der Pandemie kam es aber auch zu Kurzarbeit und zu Entlassungen. Hinzu kamen regionale oder landesweite Schulschlieรungen. Im Rahmen der COVID-19-Pandemie zeigen sich ebenfalls Auswirkungen auf das soziale Miteinander; beispielsweise kam es nach dem Aufruf zur rรคumlichen Distanz zu Ovationen an Fenstern und Balkonen als Dank an das medizinische Personal fรผr seine Arbeit in der Krise. Teils kam es aber auch zu Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung von Personen, von denen lediglich vermutet wurde, sie kรถnnten das neuartige Coronavirus รผbertragen. Die Pandemie hat teils auch psychologische Folgen,[312] etwa รngste und zwischenmenschliche Probleme. Vor allem im Internet kursieren viele Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie.
In nahezu allen betroffenen Lรคndern, insbesondere aber in solchen mit Massenquarantรคnemaรnahmen oder anderen Ausgangsbeschrรคnkungen beziehungsweise Kontaktverboten, sind kulturelle Veranstaltungen, wie Theater, Konzerte, Kino, Museumsbesuche, Besichtigungen, nahezu zum Erliegen gekommen. Hierzu zรคhlen auch Kirchweihen, Jahrmรคrkte, Stadt- und Dorffeste. Zahlreiche Kinostarts wurden verschoben, Preisverleihungen und Festivals abgesagt. Wegen der Pandemie wurden zahlreiche Sportveranstaltungen abgesagt oder verschoben; zunรคchst waren Veranstaltungen in China, spรคter in Asien und im Verlauf der Pandemie weltweit betroffen.[313]
Wรคhrend der Pandemie verschรคrfte sich die soziale Ungleichheit. Im Jahr 2020 vergrรถรerte sich laut Forbes der Reichtum der rund 2.200 Milliardรคre um 1,9 Billionen Dollar. Es war der hรถchste je verzeichnete Anstieg.[314] Die Financial Times kam zusammen mit Morgan Stanley zu einer noch stรคrkeren Vergrรถรerung des Reichtums. So konnten Milliardรคre weltweit ihre Vermรถgen im Jahr 2020 um fรผnf Billionen Dollar auf 13 Billionen Dollar erhรถhen und die Anzahl der Milliardรคre stieg von 2.000 auf 2.700.[315] Aufgrund dessen bewertete Marcel Fratzscher dieses Jahr โfรผr die Hochvermรถgenden [als] das finanziell erfolgreichste Jahr in der Menschheitsgeschichteโ.[316] Gleichzeitig nahm die Armut zu und es gab 160 Millionen Arme mehr. In Deutschland entsprach der Vermรถgenszuwachs der zehn reichsten Deutschen ab Beginn der Pandemie bis Anfang 2022 dem Gesamtvermรถgen der รคrmeren 40 Prozent. Kurz vor Beginn des Weltwirtschaftsforums am 17. Januar 2022 verรถffentlichte die Hilfsorganisation Oxfam den Ungleichheitsbericht โInequality Killsโ (Ungleichheit tรถtet). Manuel Schmitt, Referent fรผr soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland, kommentierte: โFรผr Milliardรคre gleicht die Pandemie einem Goldrausch.โ[317] Laut Oxfams Jahresbericht 2022 hat seit Beginn der Pandemie extremer Reichtum ungewรถhnlich stark zugenommen. Vor allem groรe Unternehmen und Milliardรคre konnten ihre Vermรถgen stark vergrรถรern. 2020 und 2021 erhielt das reichste Prozent der Weltbevรถlkerung zwei Drittel des weltweiten Vermรถgenszuwachses. In Deutschland waren es sogar 81 Prozent (siehe auch Vermรถgensverteilung in Deutschland). Die weltweiten Forderungen bspw. nach รbergewinnsteuern und hรถheren Vermรถgenssteuern wurden daher hรคufiger[318] und teilweise Realitรคt. Laut Hans-Jรผrgen Jakobs hat die Pandemie zu einer drastischen Steigerung von Fusionen und Firmenkรคufen gefรผhrt. Das weltweite Volumen der Mergers & Acquisitions erreichte im Jahr 2021 den Rekordwert von 5,9 Billionen Dollar. 2019 lag der Wert bei 4ย Billionen Dollar. In Deutschland wurde 2021 die Spitzensumme von fast 250 Milliarden Dollar erreicht, nach einem Wert von 163 Milliarden 2019.[319]
Auswirkungen auf den รถffentlichen Verkehr
BearbeitenWรคhrend der Pandemie wurde in vielen Lรคndern ein Mindestangebot des รถffentlichen Personennahverkehrs aufrechterhalten. Desinfektions- und Reinigungsmaรnahmen wurden verstรคrkt, das bargeldlose Bezahlen und E-Ticketing in vielen Stรคdten ausgeweitet.[320]
Weltweit gingen die Fahrgastzahlen beim รถffentlichen Personenverkehr zurรผck. Das World Resources Institute beispielsweise verwies auf einen Bericht, der einen Rรผckgang von 50 bis 90 Prozent angibt.[321] Dadurch entstanden Einnahmeausfรคlle. In Europa erwartet der Sektor einen Verlust durch zurรผckgehende Ticketverkรคufe um 40 Milliarden Euro fรผr 2020. Verbรคnde wie der Internationale Verband fรผr รถffentliches Verkehrswesen plรคdierten fรผr staatliche Unterstรผtzung, da der รถffentliche Verkehr als Schlรผsselfaktor fรผr die Wirtschaft und die soziale Entwicklung angesehen wird.[322] Das Weltwirtschaftsforum sprach sich darรผber hinaus fรผr eine Modernisierungs- und Digitalisierungsoffensive aus, um das verรคnderte Fahrgastverhalten besser zu bewรคltigen.[323]
Auswirkungen auf den Politikbetrieb
BearbeitenDurch Erkrankung ranghoher Politiker sowie Vorbeugungs- und Quarantรคnemaรnahmen verรคnderte sich die Staatsfรผhrung in einigen Lรคndern, insbesondere die Ausรผbung einer parlamentarischen Demokratie stellte die Staaten vor Herausforderungen.
Dem International IDEA zufolge wurden mit Stand vom Mai 2020 weltweit 50 nationale und regionale Wahlen und Referenden verschoben. Die Frage, wie das Wahlrecht wรคhrend der Pandemie ausgeรผbt werden soll, fรผhrte zu zahlreichen Diskussionen und Auseinandersetzungen. โDie Wahlen selbst werden so zum Politikumโ, urteilte Der Standard aus Wien.[324]
Die UN-Klimakonferenz 2020 wurde um ein Jahr auf November 2021 verschoben.[325]
Auswirkungen auf Umwelt und Ressourcenverbrauch
BearbeitenDie umfassenden Einschrรคnkungen der wirtschaftlichen Aktivitรคten weltweit und der individuellen Mobilitรคt wie des globalen Tourismus fรผhrten zu einem Rรผckgang der Umweltverschmutzung und des Kohlendioxid-Ausstoรes in vielen Weltregionen: Der โEarth Overshoot Dayโ (โErdรผberlastungs-โ oder โWelterschรถpfungstagโ) verschob sich vom 29. Juli des Vorjahres um fast einen Monat nach hinten auf den 22. August 2020.[326]
Anderweitige Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung
BearbeitenAbseits der direkten Folgen der Krankheit hatte die Pandemie zahlreiche medizinische Auswirkungen, etwa durch Verschiebung geplanter, nicht als notwendig erachteter Operationen, um Kapazitรคten in Krankenhรคusern freizuhalten.
Die WHO warnte davor, die Bekรคmpfung anderer Krankheiten wรคhrend der Pandemie zu vernachlรคssigen, etwa den Kampf gegen Malaria in Subsahara-Afrika.[327] Da COVID-19-Patienten zur Behandlung sekundรคrer Infektionen hรคufig Antibiotika bekommen, kรถnnte dies die bereits seit Jahren zunehmende Ausbreitung der Antibiotikaresistenzen beschleunigen.[328]
Auswirkungen auf Forschung und Lehre
BearbeitenDie Pandemie fรผhrte zu drastischen Einschrรคnkungen des akademischen Austauschs. Um soziale Distanzierung aufrechtzuerhalten, wurden zahlreiche akademische Forschungsprojekte heruntergefahren. So wurde in einem Artikel in der Radiological Society of North America รผber mรถgliche Folgen fรผr die Radiologie berichtet. Schwierigkeiten werden bei der Wiederaufnahme unterbrochener klinischer Studien gesehen.[329]
Andererseits fand ein intensivierter internationaler Austausch von Informationen und Forschungsergebnissen zum Virus SARS-CoV-2, zum Krankheitsverlauf von COVID-19 und zu epidemiologischen Fragestellungen statt.[224]
Die Pandemie fรผhrte zu Einschrรคnkungen in der akademischen Lehre. So wurden Auslandssemester ausgesetzt und der Lehrbetrieb wurde auf Online-Kommunikation umgestellt.[330]
Auswirkungen auf Kunst und Kultur
BearbeitenDie Pandemie hat massive Auswirkungen auf fast alle Bereiche der Kultur und Kunst durch
- die bei Lockdowns notwendige Absage aller Prรคsenz-Veranstaltungen
- die geringeren Besuche von Museen, Ausstellungen und dgl.
- Einkommensverlust fรผr Mitarbeiter im Kulturbetrieb und von freischaffenden Kรผnstlern.
Der Mangel der Freizeitmรถglichkeiten hat auch Rรผckwirkungen auf andere soziokulturelle Bereiche, etwa durch Demotivation in der Bildungs- und Arbeitswelt sowie andere psychologische Folgen. Wegfallende Kulturereignisse verstรคrken ferner die Tendenz zu Bewegungsmangel, was langfristige gesundheitliche Schรคden hervorrufen kann.
Den Auswirkungen der Einkommensverluste wird in vielen Staaten durch finanzielle Zuschรผsse oder steuerliche Entlastungen entgegengewirkt, wรคhrend die anderen Schรคden nur schwieriger abgemildert werden kรถnnen. Als Beispiel dafรผr sei die Aktion Neustart Kultur genannt โ ein Programm der deutschen Bundesregierung vom Sommer 2020. Es ist mit zwei Milliarden Euro dotiert, um den Kulturbetrieb und dessen gefรคhrdete Infrastruktur zu erhalten. Viele Kรผnstler boten aufgrund der groรflรคchigen Veranstaltungsabsagen Live-Streams aus leeren Locations an. Dies fรผhrte zu einem groรen Angebot von digitalen Kunstwerken wie beispielsweise der Konzertfilmserie WeLive โ Das Musikfestival oder dem Klangspektrum BW.[331][332][333] Zu den Neukompositionen, die aufgrund der Pandemie entstanden, zรคhlt beispielsweise die Missa brevis in tempore coronae fรผr Sopransolo und Orgel von Robert Mehlhart.[334]
Ein breites mediales Echo lรถste das Klatschen an den Fenstern wรคhrend der COVID-19-Pandemie aus, ein weltweites Phรคnomen wรคhrend der Massenquarantรคne 2020 als Dank an die Beschรคftigten des Gesundheitswesens.
Proteste
BearbeitenSeit 2020 kam es in einigen europรคischen Stรคdten zu Demonstrationen wegen der Einschrรคnkungen des Alltagslebens (Maskenpflicht, Lockdown usw.) durch Rechtsnormen. Am 25. Januar 2021 kam es zu gewalttรคtigen Demonstrationen in niederlรคndischen Stรคdten wegen der coronabedingten vorgezogenen Sperrstunde in der Gastronomie, teilweise wurde die Militรคrpolizei eingesetzt. In Amsterdam wurden zahlreiche Ladengeschรคfte geplรผndert. Es gab viele Verletzte und Festnahmen.[335][336] Die niederlรคndische Polizei sprach von โden schlimmsten Krawallen in 40 Jahrenโ.[337] Unruhen gab es auch in Tilburg, Enschede, Venlo, Roermond, Breda, Arnheim und Apeldoorn.[335] Am Abend des Folgetages kam es in mehreren Stรคdten der Niederlande erneut zu Ausschreitungen wegen der Ausgangssperre.[338]
Subjektive Wahrnehmung der Pandemie
BearbeitenDer Thinktank European Council on Foreign Relations (ECFR) machte im Sommer 2021 Umfragen in zwรถlf EU-Mitgliedstaaten. Im Norden und Westen der EU gab nur eine Minderheit an, gesundheitlich oder wirtschaftlich von COVID betroffen zu sein; in den Lรคndern im Sรผden und Osten Europas gab dagegen eine deutliche Mehrheit dies an.
65 Prozent der Deutschen und 42 Prozent der รsterreicher sagten, sie spรผrten weder gesundheitliche noch รถkonomische Folgen der Krise. Fast die Hรคlfte sagte, sie fรผhle sich in ihrem Alltag nicht frei. Nur 11 Prozent der Spanier, 12 Prozent der Ungarn und 16 Prozent der Dรคnen fรผhlen sich unfrei.
Die Autoren der ECFR-Studie schrieben, es sei besorgniserregend, dass โdie einen den Motiven ihrer Regierung vertrauenโ und andere nicht.[339]
Statistiken und Modellrechnungen zur Epidemie
BearbeitenDie tรคglichen WHO-Berichte beinhalten die aus den Mitgliedsstaaten gemeldeten Fallzahlen, dadurch kommt es zu einer zeitlichen Verzรถgerung. Das Zentrum fรผr Systemwissenschaft und Systemtechnik (englisch Center for Systems Science and Engineering, kurz: CSSE) an der Johns Hopkins University entwickelte eine alternative Sammlung der durch รถrtliche Stellen gemeldeten Fรคlle und Prรคsentation der Daten per als Dashboard bezeichneten Online-Tool.[340] Diese Zahlen unterliegen einem grรถรeren Vorbehalt als die an anderer Stelle gezeigten Daten der WHO, mehr Informationen dazu finden sich im Abschnitt Genesung.
Bestรคtigte Tote und รbersterblichkeit
Bearbeiten
Experten verweisen darauf, dass Zahlen zu Todesfรคllen nach der Definition der WHO auch insofern unsicher sind, als in Fรคllen einer Coronavirusinfektion diese wie bei allen Atemwegserkrankungen nicht notwendigerweise die finale Todesursache sein mรผsse. Dies kรถnne man vielfach nur anhand der Ergebnisse einer Autopsie unterscheiden.[341] Umgekehrt werden aber auch nicht alle Toten, die auf das Virus zurรผckzufรผhren sind, tatsรคchlich als solche identifiziert.[342] Um diese Unsicherheiten bei der Bewertung der Schwere einer Seuche zu berรผcksichtigen, wird neben der Anzahl der Toten, die nach den Falldefinitionen bestรคtigt infiziert waren (siehe auch oben Abschnitt Vergleich mit Influenza (Grippe)), die รbersterblichkeit festgestellt,[343] was jedoch erst nachtrรคglich mรถglich ist. Die Problematik der Zuordnung der Todesarten ist ein bekanntes Problem. Die international nach einheitlichen Regeln gefรผhrte Todesursachenstatistik berรผcksichtigt in den statistischen Auswertungen nur eine Hauptdiagnose, obschon laut Neue Zรผrcher Zeitung โbei fast 90 Prozent aller Todesfรคlle mehr als eine Diagnose verzeichnetโ werde. Die Todesursachenstatistik sei zudem arbeitsintensiv, bisher von geringer Prioritรคt und wรผrde daher mit groรer Verzรถgerung erstellt; in der Schweiz seien die Daten fรผr 2017 im Dezember 2019 verรถffentlicht worden. Bereits Anfang April 2020 konnte jedoch das Eintreten einer รbersterblichkeit fรผr die Woche vom 16. bis zum 22. Mรคrz 2020 aufgrund der COVID-19-Pandemie festgestellt werden.[344] Anfang April berichtet Der Spiegel รผber die Datenlage des europรคischen Netzwerks Euromomo (European Monitoring of Excess Mortality for Public Health Action), das wรถchentliche Bulletins รผber die Gesamtsterberaten seiner 24 europรคischen Partnerlรคnder bzw. -regionen verรถffentlicht.[345] Danach sei noch in der 13. Kalenderwoche in der Gesamtstatistik aller erfassten Lรคnder kaum ein Ausschlag zu sehen. Die Zahlen mรผssten jedoch wegen verzรถgerter Meldungen vorsichtig interpretiert werden. Trotz dieser Unsicherheiten sei fรผr die 14. Woche ein deutlicher Ausschlag von 10.000 Toten, also 70.000 statt der zu erwartenden 60.000 Toten, zu erkennen. Der Anstieg gehe hauptsรคchlich auf vier Staaten mit durch die Coronavirus-Pandemie in Teilen zusammengebrochener Gesundheitsversorgung zurรผck (Italien, Frankreich, Spanien und England). In Italien und Spanien musste bereits die Triage eingefรผhrt werden.[346][347][348] Deutlich erhรถht sei die Sterblichkeit auch in der Schweiz und in den Niederlanden. Euromomo fasst die Statistik der 14. Kalenderwoche wie folgt zusammen:
โThe latest pooled estimates from the EuroMOMO network show a marked increase in excess all-cause mortality overall for the participating European countries, related to the COVID-19 pandemic. This overall excess mortality is driven by a very substantial excess mortality in some countries, primarily seen in the age group of 65 years and above, but also in the age group of 15โ64 years.โ
โDie jรผngsten zusammengefassten Schรคtzungen des EuroMOMO-Netzwerks zeigen einen deutlichen Anstieg der รผberhรถhten Gesamtsterblichkeit in den teilnehmenden europรคischen Lรคndern im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie. Diese Gesamtรผbersterblichkeit ist in einigen Lรคndern auf eine sehr erhebliche รbersterblichkeit zurรผckzufรผhren, die vor allem in der Altersgruppe der รผber 65-Jรคhrigen, aber auch in der Altersgruppe der 15โ64-Jรคhrigen zu beobachten ist.โ
Eine aktualisierte Darstellung der 15. Kalenderwoche wurde vom EuroMOMO-Netzwerk Mitte April 2021 verรถffentlicht.[349] Informationen zur Entwicklung der รbersterblichkeit in Deutschland werden auch vom Statistischen Bundesamt verรถffentlicht.[350]
Im Juni 2021 verรถffentlichte ein deutsch-israelisches Forscherteam die Aufbereitung der tรถdlichen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie in vergleichbarer Form in รผber 103 Lรคndern, die aktuell grรถรte Sammlung weltweiter Sterbedaten. Die Sterblichkeitsraten, bezogen auf bestimmte Zeitrรคume der Pandemie, lieรen ein Bild der Lage unabhรคngig von der Corona-Teststrategie und -kapazitรคt, den gemeldeten Infektionszahlen oder auch der Berichtspolitik eines Landes zu. In ihrer Studie[351] berichten Dmitry Kobak vom Forschungsinstitut fรผr Augenheilkunde der Universitรคt Tรผbingen und Ariel Karlinsky von der Hebrรคischen Universitรคt Jerusalem von extremen Unterschieden: Wรคhrend die Todeszahlen in einigen lateinamerikanischen Lรคndern in der Pandemie um mehr als die Hรคlfte gestiegen seien, seien in Australien und Neuseeland sogar weniger Menschen als in vergleichbaren Zeitrรคumen vor der Pandemie gestorben. Fรผr Deutschland weist die Studie fรผr das Jahr 2020 eine รbersterblichkeit von 4ย % aus, wรคhrend das Statistische Bundesamt von hรถchstens einer leichten รbersterblichkeit spricht.[352]
Der WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus bezifferte im Mai 2023 die Anzahl der Todesfรคlle auf mindestens 20 Millionen.[353]
Anmerkungen zu den Daten und Falldefinition der WHO
BearbeitenDie WHO gibt tรคglich einen Coronavirus disease 2019 (COVID-19) Situation Report (deutsch Lagebericht zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19)) heraus, der alle der WHO bis um 10 Uhr Mitteleuropรคischer Zeit des jeweiligen Tages von den Mitgliedslรคndern neu gemeldeten Fรคlle der letzten 24 Stunden beinhaltet. Die jeweiligen WHO-Mitglieder sind fรผr die Angaben verantwortlich. Seit dem Report โ 39 vom 28. Februar 2020 beinhaltet die Liste der Staaten einen Eintrag, wie viele Tage seit dem letzten gemeldeten Fall vergangen sind.[31] So lag der letzte gemeldete Fall fรผr Kambodscha am 28. Februar bereits 32 Tage zurรผck. Zum Report โ 49 am 9. Mรคrz hatten die USA seit zwei Tagen keine Fรคlle mehr gemeldet, wodurch der Stand bei 213 Fรคllen und 11 Toten verblieb, obwohl andere Quellen viel hรถhere Zahlen gemeldet hatten, unter anderem das Zentrum fรผr Systemwissenschaft und Systemtechnik der Johns-Hopkins-Universitรคt: 605 Infizierte und 22 Tote, siehe unten Abschnitt Weblinks. Die WHO fรผhrt Taiwan, das kein WHO-Mitglied ist, als Region Chinas, weist dies aber seit dem Report โ 56 vom 16. Mรคrz 2020 nicht mehr in den Reports aus, sondern nur noch auf ihrem Dashboard Coronavirus (COVID-19).[354]
Am 6. Februar 2020 wurden innerhalb der Volksrepublik China zum ersten Mal seit dem 24.ย Januar weniger neu infizierte Menschen erfasst als am Vortag. Medienberichte fรผhrten dies darauf zurรผck, dass die chinesische Nationale Gesundheitskommission am 7.ย Februar eine geรคnderte Definition fรผr einen โbestรคtigten Coronavirus-Fallโ vorgab. Demnach sollten Personen, bei denen das SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde, die aber keine Krankheitssymptome zeigen, nicht mehr als bestรคtigter Fall angesehen werden. Es war unklar, ob diese geรคnderte Zรคhlweise bereits angewendet worden war.[355][356] Sie widersprach der Falldefinition der Weltgesundheitsorganisation:
โConfirmed case: A person with laboratory confirmation of 2019-nCoV infection, irrespective of clinical signs and symptoms.โ
โBestรคtigter Fall: Eine Person mit Laborbestรคtigung der 2019-nCoV-Infektion (Anmerkung: spรคter als COVID-19 bezeichnet), ungeachtet klinischer Anzeichen und Symptome.โ
Vom 13. Februar bis 19.ย Februar 2020 รคnderte die chinesische Gesundheitskommission erneut die Kriterien, somit ergab sich am 13.ย Februar allein fรผr Hubei mit 14.000 neuen Fรคllen die hรถchste Zahl an Neuinfektionen. Nach der neuen Definition konnten รrzte in der Provinz Hubei aufgrund ihrer Diagnose einen โbestรคtigten Coronavirus-Fallโ melden, wenn mehrere Faktoren wie Computertomographie (CT) der Lungen, andere Symptome und ein epidemiologischer Zusammenhang mit anderen Fรคllen zutrafen, unabhรคngig vom Nachweis des Virus im Labor.[111][356] Zuvor waren unter 167 Patienten fรผnf Fรคlle beschrieben worden, bei denen der Labortest mittels RT-PCR (Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion) negativ verlaufen war, aber der CT-Befund auf eine Infektion schlieรen lieร. Die Patienten wurden wรคhrend der Behandlung isoliert und die RT-PCR-Untersuchung von neuen Abstrichen wiederholt, zum Teil mehrfach. Nach zwei bis acht Tagen bestรคtigte ein positiver Labortest die ursprรผngliche Diagnose.[358]
Die Vorgehensweise vom 13.ย Februar entsprach nicht der Falldefinition der Weltgesundheitsorganisation, die zunรคchst mit ihrem Situation Report โ 24 dazu รผberging, nur die laborbestรคtigten Fรคlle aus China in ihrem Bericht aufzufรผhren, nicht die zusรคtzlichen, lediglich klinisch diagnostizierten. Auรerdem forderte die WHO weiterfรผhrende Informationen zu dieser รnderung an.[359] Ab dem WHO-Bericht Situation Report โ 25 wurden die zusรคtzlich klinisch diagnostizierten Fรคlle aus Hubei in einer Tabelle genannt, aber nicht in den Fallzahlen auf der ersten Berichtsseite berรผcksichtigt.[31] Bereits drei Tage spรคter รคnderte die WHO ihre Berichterstattung erneut: Ab dem Situation Report โ 28 wurden auf der ersten Seite die summierten Fallzahlen genannt, also die laborbestรคtigten und klinisch diagnostizierten Infektionsfรคlle. Eine separate Darstellung in der Tabelle fรผr die Provinz Hubei entfiel.[31] Ab dem Situation Report โ 31 vom 20.ย Februar 2020 wurde wieder die ursprรผngliche Zรคhlweise (nur die laborbestรคtigten Fรคlle) fรผr China angewandt, da die chinesische Gesundheitskommission die Sonderregelung fรผr die Provinz Hubei revidiert hatte (Stand: 20.ย Februar 2020).[31]
Diskussion um die Validitรคt der gemeldeten Daten
BearbeitenGenerell vermuten Experten eine sehr hohe Dunkelziffer von nicht erkannten Infektionen und von Infektionen, die symptomfrei verlaufen, und zweifeln die Aussagekraft der Zahlen der gemeldeten Fรคlle an.[111][356][360][361] Siehe dazu auch den Abschnitt Statistische Schรคtzungen und Simulationsstudien.
Die Erhebungen und die Meldepolitik sind in den Lรคndern so unterschiedlich, dass die Daten kaum zum Vergleich der Lรคnder genutzt werden kรถnnen. So berichtet Die Zeit Mitte Mรคrz 2020, Russland melde generell keine COVID-19-Toten, sondern erfasse diese als Fรคlle von Lungenentzรผndung. Zudem existierten pauschale Vorbehalte, Negatives รถffentlich zu machen und so die Regierung schwach aussehen zu lassen, wodurch von offizieller Seite der Zustand der Coronavirus-Epidemie in Russland verschwiegen werde.[362] รhnliches berichtet Der Spiegel รผber Iran, wo die Machthaber aus Propagandagrรผnden die Seuche zunรคchst vertuscht, dann lange verharmlost und Maรnahmen aus ideologischen Grรผnden hinausgezรถgert hรคtten. Rick Brennan, Notfalldirektor der WHO, glaube, dass das iranische Regime das Ausmaร der Krise noch immer vertusche und die Zahl der Coronavirus-Toten zum Zeitpunkt der Verรถffentlichung fรผnfmal hรถher liege als offiziell angegeben.[363] Andere, vor Ort angeblich gut mit dem Gesundheitssystem vernetzte Quellen berichteten Ende Mรคrz von 11.500 Toten statt der Zahl 2.200, die bis zum gleichen Zeitpunkt an die WHO gemeldet worden war, weil das Regime Sorge um die Aufrechterhaltung der Macht habe.[364] Ende Mรคrz berichtete die South China Morning Post, dass China seit dem 7. Februar positiv Getestete ohne Symptome zwar isoliere, aber entgegen den WHO-Regeln nicht mehr in die offizielle Zรคhlung der bestรคtigten Fรคlle aufnehme. So fehlten bis Ende Februar mehr als 43.000 Fรคlle in den offiziell rund 80.000 von China Gemeldeten. Die Vereinigten Staaten, Groรbritannien und Italien hingegen testeten Menschen ohne Symptome (abgesehen von medizinischem Personal) wie die meisten europรคischen Staaten erst gar nicht. Andere, wie Sรผdkorea, bemรผhten sich weiterhin, alle Kontaktpersonen von positiv Getesteten zu รผberprรผfen.[28]
Zudem sind die Verfahren rund um die Diagnose, d.ย h., wer wird wie oft mit welchem Verfahren getestet und wie viele Tests stehen zur Verfรผgung, von Land zu Land, selbst von Region zu Region stark unterschiedlich und ergeben unterschiedlich hohe Dunkelziffern.[365]
Eine Unterschรคtzung der wahren Zahl an Infizierten im Verlauf der Pandemie kann es auch durch mangelnde Testkapazitรคt geben, welche von Land zu Land unterschiedlich schnell erreicht sind.[366] Beispielsweise testen manche Lรคnder auf dem Hรถhepunkt der Verbreitung aufgrund mangelnder Kapazitรคten nur noch bestimmte Risikogruppen.[367]
Die auffรคlligen Unterschiede zwischen den Werten der Fallsterblichkeit verschiedener Lรคnder, die dadurch errechnet werden, dass man die Zahl der gemeldeten Fรคlle mit den gemeldeten Todesfรคllen ins Verhรคltnis setzt, sind aus Expertensicht auch auf diese unterschiedlichen Testkapazitรคten und Teststrategien zurรผckzufรผhren. So wies in Europa beispielsweise Italien zwischenzeitlich (Mรคrz 2020) eine scheinbare Sterblichkeitsrate von รผber 7,7ย % auf, wรคhrend in Deutschland im gleichen Zeitraum die Rate bei nur 0,3ย % lag, was auch damit zu erklรคren war, dass in Deutschland flรคchendeckend und vor allem auch jรผngere Infizierte mit leichten Symptomen getestet wurden, wรคhrend Italien aufgrund der schon stรคrker ausgebreiteten Infektion nur noch diejenigen testen konnte, die schon mit schweren Symptomen behandelt werden mussten. Somit war schon die Auswahl des Personenkreises, der getestet wurde, verzerrt. Die eigentlich aussagekrรคftigere Angabe der Infektionssterblichkeit (Anzahl aller Infizierten einer reprรคsentativen Gruppe im Verhรคltnis zu den Gestorbenen) war aufgrund der unsicheren Dunkelziffer im Mรคrz 2020 nicht sicher bestimmbar.[368][342] Um diese Dunkelziffer bestimmen zu kรถnnen, wurde in รsterreich begonnen, eine reprรคsentative Stichprobe von 2.000 Personen zu testen. Zur Abschรคtzung der Inzidenz mรผssten die Stichprobentests jeweils mit einer neu entnommenen reprรคsentativen Stichprobe regelmรครig wiederholt werden.[369]
Bei einer Untersuchung in Kalifornien, durchgefรผhrt von einer Forschungsgruppe der Stanford University, wurden in der Studienpopulation bei 1,5ย % der Teilnehmer Antikรถrper gegen das neuartige Coronavirus nachgewiesen. Der Anteil der Todesfรคlle unter allen Infizierten wurde auf zwischen 0,12ย % und 0,2ย % geschรคtzt. Die Forschungsgruppe weist auch darauf hin, dass die Ergebnisse noch nicht endgรผltig seien.[370] Die Studie wurde stark kritisiert. Es sei ein aus China importierter Lateral-Flow-Test verwendet worden, welcher nicht spezifisch genug sei, um in den niedrigen Prรคvalenzbereichen belastbare Aussagen zu machen. Auch sei der Test weder von chinesischen noch von US-amerikanischen Behรถrden zugelassen gewesen und mittlerweile von den chinesischen Behรถrden vom Markt genommen worden. Beanstandet wurden auch die Rekrutierung der Studienteilnehmer รผber soziale Medien oder per E-Mail durch die Ehefrau eines Studienautors und die statistischen Methoden, mit denen versucht wurde, das Studienkollektiv auf die Allgemeinbevรถlkerung hochzurechnen.[371] Schlieรlich wurde die Forschergruppe auch deswegen kritisiert, weil sie ihre finanzielle Fรถrderung durch den Grรผnder von JetBlue David Neeleman, der aus eigenen finanziellen Interessen und in Verbindung mit Trump die sofortige Beendigung des Lockdowns fordert, nicht offengelegt und sogar die Bekanntschaft mit ihm geleugnet habe.[372][373]
Diagramme und Tabellen
BearbeitenDie folgenden Zahlen basieren auf den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) tรคglich verรถffentlichten Berichten zur weltweiten Lage. Es sind sรคmtliche Fรคlle berรผcksichtigt, die der WHO jeweils bis 10:00 Uhr (MEZ) desselben Tages als nachweislich mit dem Virus Infizierte gemeldet wurden.ย (a) โKumuliertโ bedeutet so viel wie โaufsummiertโ, d.ย h., dass alle Fรคlle aufgefรผhrt sind, die bis zu dem jeweiligen Tag aufgetreten sind, und nicht nur die, die an dem jeweiligen Tag neu aufgetreten sind (letztere sind in den Tabellen kursiv aufgefรผhrt). Bei den folgenden tabellarischen Darstellungen ist zu beachten, dass die Zahlen รผber die Lรคnder hinweg schwer zu vergleichen sind. Beispielsweise weil andere Lรคnder ihre Fรคlle anders zรคhlen, andere Klassifikationskriterien fรผr einen Coronatoten haben oder weil es zu รbermittlungsproblemen an die Behรถrden kommt. Zudem unterscheiden sich die Lรคnder in ihren beobachtbaren individuellen Faktoren (Grรถรe eines Landes, vorhandene Testkapazitรคten etc.) und es kรถnnen unbeobachtbare lรคnderspezifische Faktoren vorliegen, die eine Vergleichbarkeit erschweren. Die absoluten Zahlen sind insbesondere aufgrund von unterschiedlichen sozioรถkonomischen Faktoren (z.ย B. die vorhandene Altersstruktur eines Landes oder bestimmte gegebene soziale Strukturen) nicht รผber die Lรคnder hinweg vergleichbar.[374]
Tagesstatistiken, Wochenstatistiken, Grafiken und Tabellen
Bearbeiten- Tagesgenaue Sรคulendiagramme zur Entwicklung der Pandemie 03.01.2020โ19.12.2023
- Tages- und Wochenstatistik zu den bestรคtigten Infektionsfรคllen 2020 (kumuliert)
- Tages- und Wochenstatistik zu den Todesfรคllen 2020 (kumuliert)
- Anzahl durchgefรผhrter Tests auf SARS-CoV-2 in Lรคndern
Todesfรคlle pro Million Einwohner in stark betroffenen Staaten
BearbeitenBestรคtigte Todesfรคlle (kumuliert) auf 1.000.000 Einwohner[375]
Besonders stark betroffene Staaten mit mehr als 500.000 Einwohnern
zweimal wรถchentlich (jeweils dienstags und freitags)
Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass es in vielen Lรคndern eine hohe Dunkelziffer gibt und tatsรคchlich (Stand Mai 2021) statt der offiziell angegebenen 3,4 Millionen ca. 6 bis 8 Millionen direkte und indirekte Todesfรคlle durch die COVID-19-Pandemie verursacht wurden.[376]
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- * Fรผr Spanien wurde am 25. Mai 2020 die Methode der Datenerhebung verรคndert. Fรผr Chile wurde am 18. Juli 2020 die Methode der Datenerhebung verรคndert. Fรผr Peru wurden am 24. Juli 2020 bisher nicht registrierte frรผhere Todesfรคlle nachgetragen. Fรผr das Vereinigte Kรถnigreich wurde am 14. August 2020 die Methode der Datenerhebung verรคndert. Fรผr Bolivien und Ecuador wurden am 7. September 2020 bisher nicht registrierte frรผhere Todesfรคlle nachgetragen. Fรผr Argentinien weist die Kurve am 2. Oktober ohne Angabe von Grรผnden einen Sprung auf. Fรผr Spanien wurden am 4. November 2020 bisher nicht registrierte frรผhere Todesfรคlle nachgetragen. Fรผr Peru wurden am 2. Juni 2021 rund 110.000 Todesfรคlle nachgemeldet,[377] dies fรผhrt auch bei den weltweiten Zahlen zu einem Anstieg von rund 15 Todesfรคllen pro Million Einwohner. Fรผr Bosnien und Herzegowina wurden die Zahlen am 10. Juli 2021 geringfรผgig nach unten korrigiert.
- ** Aufgrund der Weihnachtsfeiertage werden in einigen Staaten Daten verzรถgert gemeldet, die Zahlen kรถnnen daher zu niedrig sein.
Die Zahlen fรผr Belgien wurden in der Quelle Ende August 2020 ohne Angabe von Grรผnden rรผckwirkend nach unten korrigiert. Die Zahlen fรผr Schweden wurden in der Quelle seit Ende August / Anfang September 2020 mehrfach ohne Angabe von Grรผnden rรผckwirkend geringfรผgig in beide Richtungen korrigiert.
รsterreich gehรถrt seit dem 3. Mai 2020 nicht mehr zu den 17 am stรคrksten betroffenen Staaten mit mehr als 500.000 Einwohnern und wird nur noch zum Vergleich aufgefรผhrt. Deutschland gehรถrt seit dem 23. Mai 2020 nicht mehr zu den 16 am stรคrksten betroffenen Staaten mit mehr als 500.000 Einwohnern und wird nur noch zum Vergleich aufgefรผhrt. Die Schweiz gehรถrt seit dem 26. Juni 2020 nicht mehr zu den 15 am stรคrksten betroffenen Staaten mit mehr als 500.000 Einwohnern und wird nur noch zum Vergleich aufgefรผhrt.
Kartografische Darstellungen
Bearbeiten

Genesung
Bearbeitennach Daten der Johns-Hopkins-Universitรคt im Jahr 2020[378]
Die WHO weist in ihren Lageberichten (englisch Situation Reports) weder Zahlen fรผr Genesene noch fรผr aktuell als infiziert Gemeldete (also die bisher bestรคtigten Infizierten abzรผglich der Verstorbenen und Genesenen) aus. Zum Verstรคndnis einer Epidemie ist dennoch neben der Entwicklung der Gesamtzahl der Infizierten die zum aktuellen Zeitpunkt gegebene Menge der Infizierten, also diejenigen Infizierten, die weder verstorben noch genesen sind, relevant, ebenso die Anzahl der Genesenen und damit vermutlich zukรผnftig Immunen.[379] Die Zahl der Genesenen und Verstorbenen ist im Vergleich zur Zahl der Infizierten zeitlich verschoben โ um die Dauer zwischen Bestรคtigung der Infektion und der Beendigung der Krankheit durch Gesundung oder Tod. Insbesondere lassen sie keine einfachen Rรผckschlรผsse auf die Gefรคhrlichkeit oder die Letalitรคt zu.
Das Zentrum fรผr Systemwissenschaft und Systemtechnik (englisch Center for Systems Science and Engineering, kurz: CSSE) in Baltimore (USA) an der Johns Hopkins University entwickelte eine alternative Sammlung der von รถrtlichen Stellen gemeldeten Fรคlle und eine Prรคsentation der Daten per Online-Tool,[340] siehe Weblinks unten. Die hier angegebenen Zahlen unterliegen einem grรถรeren Vorbehalt als die an anderer Stelle gezeigten Daten der WHO, da es keine einheitliche Definition der Genesung gibt. Die Zeit schrieb am 4.ย Mรคrz hierzu, dass es sich bei den Zahlen aus China strenggenommen um โaus dem Krankenhaus Entlasseneโ handele, da die Zahlen nur diese erfassten. In China gilt jeder als genesen, der drei Tage fieberfrei war und zweimal negativ auf das Virus getestet wurde. Es sei jedoch zu bezweifeln, ob unter dem starken Druck auf das Gesundheitssystem wirklich alle Entlassenen nicht mehr ansteckend waren. Weiter schrieb sie, dass es in Deutschland keine offiziellen Zahlen gebe, da es keine Meldepflicht fรผr Genesene gebe, und zitiert einen Gesundheitsamtsleiter, der sagte, dass sie dem Robert Koch-Institut (RKI) aus Datenschutzgrรผnden gar keine Informationen รผber Genesene รผbermitteln dรผrften.[379]
Statistische Schรคtzungen und Simulationsstudien
BearbeitenDie Anzahl bestรคtigter Infektionen liegt wรคhrend der raschen Ausbreitung einer Epidemie oft deutlich unter der Anzahl tatsรคchlicher Infektionen. Dieser Effekt kann selbst bei gutem Willen aller Beteiligten auftreten, da es selten gelingt, alle neu infizierten Personen sofort sicher zu identifizieren. Fรผr eine Abschรคtzung der Zahl der tatsรคchlich Infizierten werden daher von der Infektionsepidemiologie verschiedene mathematische Prognosemodelle eingesetzt. Diese Modelle werden auch eingesetzt, um den zeitlichen und geografischen Verlauf einer Epidemie sowie wichtige epidemiologische Parameter abzuschรคtzen. Um die Verbreitung des Virus vorherzusagen, spielen Computersimulationen eine groรe Rolle; sie liefern den Politikern vieler Staaten wichtige Entscheidungsgrundlagen.
Am 17. Januar 2020 erschien eine Hochrechnung einer mit der WHO zusammenarbeitenden Forschergruppe des Imperial College London. Die Forscher schlossen aus Verkehrsdaten zwischen China und Thailand, dass es am 12. Januar 2020 rund 1.000 bis 2.300 Infizierte mit mittleren bis schweren Symptomen in Wuhan gegeben haben mรผsste.[380] Eine Gruppe der Northwestern University schรคtzte anhand von unvollstรคndigen Daten โ unter anderem zu Mobilitรคt und internationaler Verbreitung โ, dass es in Wuhan am 29. Januar 2020 31.200 Infektionen gegeben habe.[381] Eine erneute Modellrechnung des Imperial College London vom 10. Februar 2020 schรคtzte, dass in der Provinz Hubei auf jeden durch Test gefundenen Infizierten neunzehn nicht getestete Infizierte mit milderem Verlauf kรคmen. Statt einer hohen geschรคtzten Letalitรคt von 18ย % in der Provinz Hubei liege die tatsรคchliche Letalitรคt dann bei rund 1ย %.[382] Dieselbe Forschergruppe verรถffentlichte am 21. Februar 2020 eine Abschรคtzung der Effizienz internationaler Quarantรคne- und รberwachungsmaรnahmen. Aus der Analyse von Verkehrsdaten und Infektionsfรคllen ergab sich, dass nur einer von drei aus China exportierten Fรคllen erkannt werde. Mรถglicherweise gebe es unentdeckte Infektionscluster auรerhalb Chinas.[383]
Am 31. Januar 2020 erschien in The Lancet eine Modellrechnung, die ein dynamisches Metapopulationsmodell in Kombination mit bayesscher Inferenz mit offiziellen Infektionsdaten von Ende Dezember 2019 bis Ende Januar 2020 sowie Daten aus der nationalen und internationalen Fluggaststatistik verwendete. Die Studie setzt die Zahl der Infizierten um ein Vielfaches hรถher an als die Zahl der positiv getesteten Fรคlle. Die Autoren schรคtzten die Zahl der Infizierten in China fรผr den 25.ย Januar 2020 auf rund 75.000 und gaben an, dass die tatsรคchliche Zahl der Infizierten zu dem Tag mit hoher Glaubwรผrdigkeit (95-%-Glaubwรผrdigkeitsintervall) nicht weniger als rund 37.000 und nicht mehr als rund 130.000 war. Davon waren gemรคร den Zahlen der WHO jedoch nur 1.300 Infizierte bekannt. Ein Export des Virus von Wuhan in andere Millionenstรคdte habe nach dem Modell bereits stattgefunden. Die Studienautoren sagten voraus, dass es auch in anderen chinesischen Stรคdten zu sich selbst unterhaltenden Ausbrรผchen kommen wรผrde. Die Studienautoren gingen davon aus, dass viele Patienten nur milde Symptome haben. Nicht betroffene Gebiete sollten Vorkehrungen fรผr den Fall einer globalen Pandemie treffen.[384]
Am 18. Februar 2020 berichtete die Onlineausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature รผber aktuelle, noch nicht abschlieรend begutachtete Studien. Eine Studie von H. Nishiura, Epidemiologe an der Universitรคt Hokkaidล (Sapporo, Japan), geht davon aus, dass sich die Epidemie mittelfristig innerhalb von China nicht wird eingrenzen lassen. Fรผr ein Worst-Case-Szenario spreche auch, dass viele infizierte Personen keine Symptome zeigten und nach dem Ende der verlรคngerten Neujahrsferien viele Betriebe und Organisationen die Arbeit langsam wieder aufnรคhmen. Dadurch erรถffneten sich neue รbertragungswege. Zwischen Ende Mรคrz und Ende Mai kรถnnten tรคglich bis zu 2,3 Millionen Fรคlle diagnostiziert werden. Zwischen 550 und 650 Millionen Menschen (โย 40ย % der Bevรถlkerung) kรถnnten sich insgesamt infizieren.[385]
Eine am 16. Mรคrz 2020 vorab online in Science verรถffentlichte Arbeit erklรคrte mittels einer Modellrechnung auf Grundlage von Zahlen aus China vor Inkrafttreten der Eindรคmmungsmaรnahmen am 23. Januar 2020 die schnelle geografische Ausbreitung von SARS-CoV-2. Sie schรคtzte die Menge, Prรคvalenz und Ansteckungsrate (Kontagiositรคt und Infektiositรคt, englisch zusammengefasst contagiousness) der unentdeckten Infektionen. Die unentdeckten Fรคlle hatten meist geringere oder keine Symptome, waren aber dennoch ansteckend. Die Arbeit kam zu dem Schluss, dass 86ย % aller Infektionen (95-%-Konfidenzintervall: [82โ90ย %]) unentdeckt geblieben waren. Die unentdeckt Infizierten hatten eine Ansteckungsrate, die 55ย % derer der dokumentiert Infizierten betrug (95-%-Konfidenzintervall: [46โ62ย %]). Aufgrund der groรen Zahl der undokumentierten Fรคlle waren sie jedoch zu 79ย % die Infektionsquelle fรผr die dokumentierten Fรคlle.[386]
Eine britische Studie zeigte anhand von Simulationen am Beispiel Groรbritanniens auf, dass Impfungen allein fรผr eine Eindรคmmung der Pandemie nicht ausreichen. Selbst wenn etwa 85ย % der Bevรถlkerung geimpft wรคren, wรคren weitere Maรnahmen wie das Tragen von Masken, Abstandhalten, regelmรครige Tests und notfalls begrenzte lokale Einschrรคnkungen nรถtig, um die Pandemie einzudรคmmen. Im Modell wird davon ausgegangen, dass Geimpfte zu 88ย % geschรผtzt sind. Wenn beispielsweise 95ย % der รผber 80-Jรคhrigen, 85ย % der 50- bis 79-Jรคhrigen und 75ย % der 18- bis 49-Jรคhrigen geimpft wรคren, kรคme es ohne Schutzmaรnahmen zu einem R-Wert von 1,58, also zu einer deutlichen Ausbreitung des Virus. Der R-Wert kรถnne in der Realitรคt noch hรถher liegen, da in der Studie die hรถhere Infektionsgefahr neuer Virusvarianten wie B.1.1.7 und eine eventuelle zeitliche Begrenzung der Immunitรคt von Geimpften nicht berรผcksichtigt wurden.[387][388]
Kontroversen
BearbeitenDa die Pandemie nahezu alle Bereiche des Lebens weltweit berรผhrt, erfolgten nach und nach viele gesellschaftliche und politische Debatten. Diese sind in den jeweiligen Lรคnderartikeln, im Artikel Auswirkungen der COVID-19-Pandemie oder den Hauptartikeln der Einzelthemen dargestellt, wie zum Beispiel der Stand der Wissenschaft im Artikel zum Virus SARS-CoV-2 und im Artikel zur Krankheit COVID-19, die Debatte um die Trageempfehlung von Schutzmasken wird im Artikel Mund-Nasen-Schutz behandelt, die Debatte um die Sammlung von Kontakt- oder Bewegungsdaten zur epidemiologischen Rรผckverfolgung von Infektionsketten und der Entwicklung von entsprechenden Programmen in Contact Tracing und Contact Tracing App. Randstรคndige Meinungen, Wissenschaftsleugnung und problematische Debattenbeitrรคge werden ebenso wie Falschbehauptungen, Fake News, pseudowissenschaftliche Gesundheitsempfehlungen und Verschwรถrungstheorien im Artikel Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie thematisiert. Im Folgenden werden hier lediglich die internationalen Debatten und Kontroversen, welche sich unmittelbar auf die Pandemie beziehen, dargestellt.
Zeitpunkt der Pandemie-Erklรคrung der WHO
BearbeitenSchon im Februar 2020 wurden Stimmen laut, die von einer sich anbahnenden Pandemie sprachen. Der Virologe Christian Drosten รคuรerte bei einer gemeinsamen Vorlesung der Charitรฉ und der London School of Hygiene & Tropical Medicine im Berliner Museum fรผr Naturkunde am 26. Februar 2020, er halte es fรผr mรถglich, dass sich der Ausbruch des neuen Coronavirus nicht eindรคmmen lasse und zu einer Pandemie werde. Der Mikrobiologe Alexander S. Kekulรฉ vom Universitรคtsklinikum Halle (Saale) vertrat am 25. Februar 2020 in der Zeit die Meinung: โSpรคtestens mit den aktuellen รbertragungsketten in Italien, die รผber mehrere Stufen gingen und nicht auf einen Import zurรผckgefรผhrt werden kรถnnen, sind alle Kriterien einer Pandemie erfรผllt.โ[389] Marlen Suckau-Hagel, Leiterin der Abteilung Gesundheit an der Senatsverwaltung fรผr Gesundheit in Berlin, erklรคrte Mitte Februar 2020: โDie WHO drรผckt sich darum, die Pandemie auszurufen, aber das ist eher eine politische Aussage, die Zahlen sprechen eine andere Sprache.โ[390] Umgekehrt war der WHO einige Jahre zuvor bei der Schweinegrippe die โvoreiligeโ Ausrufung der Pandemie angekreidet worden.[391] Ab dem 9.ย Mรคrz 2020 verwendete der US-amerikanische Fernsehsender CNN den Begriff โPandemieโ in seiner Berichterstattung. Dies wurde vom leitenden medizinischen Korrespondenten Sanjay Gupta damit begrรผndet, dass SARS-CoV-2 auf allen Kontinenten, auรer der Antarktis, verbreitet werde, in mehreren Staaten die Fallzahlen anhaltend stiegen und es dort eine fortgesetzte Mensch-zu-Mensch-รbertragung gebe. Gupta gab an, dass Beamte des US-Gesundheitswesens bereits eine Verschiebung der Strategie von Containment (Eindรคmmungsstrategie) zu Mitigation (Folgenminderungsstrategie) signalisieren.[392] Diese Strategien werden im Epidemiologischen Bulletin des RKI erlรคutert.[393]
Angesichts der steigenden Infektionszahlen auรerhalb Chinas erklรคrte der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus in seiner Rede am 26.ย Februar 2020, dass das Ausrufen einer Pandemie nur nach vorsichtiger Analyse der Fakten mรถglich sei, und verwies auf die bereits seit Ende Januar 2020 geltende โinternationale Gesundheitsnotlageโ als hรถchste Alarmstufe der WHO. Er warnte, dass die unachtsame Verwendung des Wortes Pandemie dazu fรผhren kรถnne, dass unnรถtige รngste und Stigmatisierung verstรคrkt wรผrden, ohne dass dem ein Nutzen gegenรผberstรผnde. Natรผrlich werde die WHO nicht zรถgern, von einer Pandemie zu sprechen, wenn dies die korrekte Beschreibung der Situation sei.[394] Er wiederholte diese Aussage in seiner Rede am 2.ย Mรคrz 2020 und erlรคuterte, dass 90ย % der global gemeldeten Fรคlle aus China kรคmen und dass 81ย % der 8.739 Infektionsfรคlle auรerhalb Chinas sich in vier Staaten ereignen wรผrden.[395] Am 9.ย Mรคrz 2020 โ zu diesem Zeitpunkt lag die Zahl der Infektionsfรคlle รผber 100.000, gemeldet aus รผber 100 Lรคndern โ sagte Ghebreyesus, dass die Gefahr einer Pandemie sehr real sei, es aber die erste Pandemie in der Geschichte wรคre, die beherrscht werden kรถnnte.[115] Am 11.ย Mรคrz 2020 erklรคrte die WHO die bisherige Epidemie offiziell zu einer Pandemie,[228] der ersten seit der Pandemie H1N1 2009/10. Ghebreyesus bezeichnete in seiner Rede am 13.ย Mรคrz 2020 Europa als โEpizentrum der Pandemieโ. Als Grund gab er an, dass zu diesem Zeitpunkt in Europa mehr Infektions- und Todesfรคlle auftraten als im Rest der Welt, auรer China.[225]
Eine von der WHO bestellte unabhรคngige Expertenkommission erklรคrte in einem im Mai 2021 verรถffentlichten Bericht, die WHO ebenso wie Regierungen hรคtten zu langsam auf die Pandemie reagiert. Sie schlug auf dieser Basis einen Pandemie-Fonds von jรคhrlich fรผnf bis zehn Milliarden Dollar vor, um Vorkehrungen gegen eine neue Pandemie zu finanzieren.[396]
Falschinformationen und Verschwรถrungstheorien
BearbeitenIm Zuge der COVID-19-Pandemie kam es auch zu einer Fรผlle an Falschinformationen, die von privaten, aber auch staatlichen Stellen (meist autoritรคrer Staaten) gestreut wurden und sich schnell in den sozialen Medien verbreiteten. In Anlehnung an die rasche Ausbreitung der Pandemie wurde die รberhรคufung mit Informationen, die online einfach per Klick erreichbar sind und sich ebenso rasch ausbreiten, als โInfodemieโ bezeichnet. Oft sind es nicht nur Memes oder Videos, die sich schnell verbreiten, sondern auch Falschnachrichten und Desinformationen.
Im Zuge der Kontroversen zur Einschรคtzung der Epidemie und dann Pandemie (insbesondere im Hinblick auf deren Schwere und Gefรคhrlichkeit) und demnach in der Debatte รผber die zu ergreifenden Maรnahmen kam es auรerdem (gerade zu Beginn) zu vielerlei Wortmeldungen, die die Seuche verharmlosten und dabei wissenschaftliche Erkenntnisse nicht anerkannten, offen angriffen oder ignorierten. In Deutschland waren dies prominent der ehemalige Gesundheitspolitiker Wolfgang Wodarg und der im Ruhestand befindliche Mikrobiologe Sucharit Bhakdi. In den USA waren in diese Richtung einflussreich Richard A. Epstein (*ย 1943, Jura-Professor an der Hoover Institution) sowie Mitglieder des US-Senats und der US-Regierung.
Der chinesischen Regierung wird vorgeworfen, den Ausbruch der Krankheit lรคngere Zeit verschleiert zu haben, wodurch wertvolle Zeit fรผr deren frรผhzeitige Eindรคmmung verloren ging. So wurden etwa รrzte wie Li Wenliang in Wuhan, die รผber die neue Erkrankung berichteten, mundtot gemacht, Desinformationen รผber den Ursprung, die รbertragungsweise und Auswirkungen von SARS-CoV-2 verbreitet sowie Forschungseinrichtungen angewiesen, Tests abzubrechen. Siehe dazu auch den Abschnitt Ursprung weiter oben sowie den Abschnitt China im Artikel Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie.
Im รถsterreichischen Skiort Ischgl infizierten sich viele Urlauber in den dortigen Aprรจs-Ski-Bars und in Seilbahnen. Nach ihrer Rรผckkehr verbreiteten infizierte Urlauber und Saisonarbeitskrรคfte, die in Ischgl gearbeitet hatten, das Virus in ganz Europa. Lokalen Behรถrden wird vorgeworfen, zu lange nicht eingeschritten zu sein und falsche Tatsachen รผber die Infektiositรคt des Virus verbreitet zu haben. So behauptete die Landessanitรคtsdirektion Tirol, es sei aus โmedizinischer Sicht eher unwahrscheinlichโ, dass ein an COVID-19 erkrankter Barkeeper Gรคste in seiner Bar infiziert habe.[397][398][399] Siehe dazu auch COVID-19-Pandemie in รsterreich, Abschnitt Chronologie.
Abwรคgung von Kosten gegen Nutzen
BearbeitenKosten einer unzureichenden globalen Bekรคmpfung der Pandemie
Bearbeitenรrzte ohne Grenzen kritisierte eine fehlende globale Verteilungsgerechtigkeit in der Verfรผgbarkeit der Impfstoffe. Eine globale Bekรคmpfung der Pandemie sei nach Berechnungen der Weltbank, der Weltgesundheitsorganisation, der Welthandelsorganisation und des Internationalen Wรคhrungsfonds mit 50 Milliarden US-Dollar zu bewerkstelligen, wohingegen eine mehrere Jahre andauernde globale Pandemie langfristig wesentlich teurer sei.[400]
Mรถgliche Auswirkungen auf Rechtsstaatlichkeit und Bรผrgerrechte
BearbeitenDrastische Maรnahmen zur Eindรคmmung der Ausbreitung des Virus wie Quarantรคne, Isolation besonders betroffener Gebiete, rรคumliche Distanzierung, Ausgangsbeschrรคnkungen oder Einreiseverbote wurden in der รffentlichkeit oft als notwendig akzeptiert, teils auch als verspรคtet oder aber auch als bedenklich kritisiert. Besorgnis erregen auch Maรnahmen, die den Datenschutz und andere Rechtsgrundlagen aushebeln. Mitunter sei die kritische Lage eine Versuchung fรผr autoritรคre Politiker, dementsprechende Strukturen zu etablieren.
Ende Mรคrz 2020 warnte die Europรคische Kommission vor unverhรคltnismรครigen politischen Maรnahmen als Reaktion auf die Pandemie. EU-Kommissionsprรคsidentin Ursula von der Leyen betonte, derartige Maรnahmen dรผrften nicht unbegrenzt dauern.[401] In Ungarn verabschiedete das Parlament am 30.ย Mรคrz 2020 ein Notstandsgesetz, das Ministerprรคsident Viktor Orbรกn umfangreiche Sondervollmachten ermรถglicht. Er konnte ohne zeitliche Befristung per Dekret regieren und den am 11.ย Mรคrz 2020 verhรคngten Notstand ohne die Zustimmung des Parlamentes beliebig verlรคngern. Wรคhrend des Notstands durften keine Wahlen und Referenden stattfinden. Weiterhin wurden durch das Gesetz die Strafen fรผr Verstรถรe gegen Quarantรคnebestimmungen sowie die Verbreitung von Falschnachrichten verschรคrft.[401] Journalisten befรผrchteten, dass kritische Berichte zu Haftstrafen bis zu fรผnf Jahren fรผhren kรถnnten. In Pressekommentaren wurde dem ungarischen Ministerprรคsidenten vorgeworfen, den Rechtsstaat auรer Kraft zu setzen und das Parlament zu entmachten.[402] Der Ratsvorsitzende des Weltรคrztebundes, Frank Ulrich Montgomery, sprach sich vor dem 18. Mรคrz, auch vor dem Hintergrund der italienischen Entwicklung, sowohl gegen Ausgangsbeschrรคnkungen als auch gegen Grenzschlieรungen aus, die โpolitischer Aktionismusโ seien.[403][404]
Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit empfiehlt individuelle, an das jeweilige Gesundheitssystem und die Situation angepasste Maรnahmen und รคuรerte sich kritisch รผber mรถgliche Ausgangsbeschrรคnkungen und Versammlungsverbote, weil diese den sozialen Stress fรถrderten, was ebenfalls Krankheiten oder auch Selbstmorde auslรถsen kรถnne.[405] Michael Tsokos, Professor fรผr Rechtsmedizin an der Berliner Charitรฉ, berichtete im Mai 2020 von Fรคllen, in denen Menschen sich das Leben nahmen, weil sie sich vor den Folgen der Pandemie fรผrchteten. Dies sei ein bisher unbekanntes Phรคnomen. Bei keinem dieser โCorona-Suizideโ habe er eine Infektion festgestellt, alle Opfer seien aber psychisch vorbelastet oder krank gewesen. Tsokos zufolge sind diese Suizide ein Indikator fรผr die starke Verunsicherung psychisch belasteter Menschen durch Politik und Medien, er sieht hier die Rechte einer besonders schwachen Bevรถlkerungsgruppe verletzt, die keine Lobby habe.[406][407]

Der Historiker Renรฉ Schlott hรคlt die โBereitwilligkeit, fast Willfรคhrigkeitโ fรผr besorgniserregend, mit der zeitweise Einschrรคnkungen von Grundrechten wie Versammlungsfreiheit, Gewerbefreiheit oder Asylrecht โ durch die bisher abgelehnte weitgehende Schlieรung der EU-Auรengrenzen โ hingenommen wรผrden. Auch Kinderrechte wรผrden eingeschrรคnkt, wenn etwa der Spielplatz-Besuch verboten werde. Kritik daran und die Suche nach Alternativen wรผrden diffamiert, stattdessen autoritรคre Fรผhrung gefordert. Die langfristige Gewรถhnung an solche Maรnahmen sieht Schlott als problematisch an, befรผrchtet sogar, sie kรถnnten als โDrehbuch fรผr eine rechtspopulistische Machtรผbernahmeโ dienen.[408] Kritiker halten den von Schlott geรคuรerten Standpunkt fรผr rรผcksichtslosen Individualismus, der auf Kosten des Schutzes von Risikogruppen und gesellschaftlicher Solidaritรคt zugunsten eigener Bedรผrfnisse Leben gefรคhrden kann; harte Worte zu solchen Anschauungen fallen beispielsweise in Italien.[409]
Julia Leininger, Leiterin der Abteilung โGovernance, Staatlichkeit, Sicherheitโ am Deutschen Institut fรผr Entwicklungspolitik, bezeichnete die COVID-19-Pandemie als einen โBrandbeschleuniger fรผr Autokratisierungstrendsโ. Wenn Autokratien eine soziale Kontrolle ohne breite Verstรคndigung รผber Maรnahmen einsetzten, hรถhle das langfristig das รถffentliche Vertrauen und die gesellschaftliche Solidaritรคt aus. Leininger bezeichnete Demokratieschutz und -fรถrderung daher als das โGebot der Stundeโ in der internationalen Kooperation.[410]
Ulrich Krรถkel analysiert in Zeit Online Entwicklungen bei einigen Politikern auch innerhalb der EU als โeine Versuchung fรผr Autoritรคreโ. Insbesondere die โrechten Regierungen in Polen und Ungarnโ, aber auch der Ukraine entdeckten, so Krรถkel, โdas Coronavirus fรผr ihre Zwecke. Mit dem Verweis auf China versuchen sie, autoritรคre Strukturen zu etablieren โฆ Die Stimmen der Mahnerโ fรคnden โin der zugespitzten Krisensituation kaum Gehรถrโ.[411]
Stefan Brink, Datenschutzbeauftragter des Landes Baden-Wรผrttemberg, warnte davor, โim Umgang mit Infizierten das Gesetz zu brechenโ. Der Datenschutz werde, so Brink, โhรคufig beiseitegeschobenโ. Wenn aber der Staat nicht verlรคsslich sei in diesem Bereich, so verliere โer das Vertrauen, das er braucht, damit ihm die Bรผrger folgen.โ Es sei โextrem wichtig, dass die staatlichen Stellen signalisieren: Ja, wir haben eine Ausnahmesituation, halten uns aber an Recht und Gesetz.โ In Israel nutze der Geheimdienst โBewegungsprofile einzelner Menschen, um die Einhaltung von Quarantรคnevorschriften zu รผberprรผfenโ. In รsterreich bรถten โMobilfunkanbieter ihre Ortungsdaten dem Staat anโ. Dies sei โein klarer Bruch des Telekommunikationsgeheimnissesโ. Ob in Deutschland bereits โListen von Infizierten oder Verdachtsfรคllen von Gesundheitsรคmternโ abgerufen wurden, wisse man nicht.[412] Spรคter wurde bekannt, dass โdie Polizeiโ tatsรคchlich in โmehreren Bundeslรคndern [โฆ] Daten von Menschen gesammeltโ hat, โdie mit dem Coronavirus infiziert wurdenโ.[413]
Der Zukunftsforscher Sven Gรกbor Jรกnszky warnt vor einem langfristigen Festhalten an den gegenwรคrtigen Restriktionen. Es gehe bei der Bewรคltigung der Coronakrise auch darum, โsicherzustellen, dass groรe Errungenschaften unserer Gesellschaft wie Demokratie, Freiheit oder Selbstbestimmung [โฆ] nicht gleichzeitig verloren gehenโ. Der Zustand, dass es keine ernst zu nehmenden Gegenmeinungen zu der These gebe, Politiker mรผssten vor allem anerkannten Virologen Gehรถr schenken, dรผrfe nicht von Dauer sein. Auf Dauer kรถnne nur eine Politik Erfolg haben und mit der Zustimmung der Wahlbevรถlkerung rechnen, die systematisch Infizierte identifiziere und gemeinsam mit Risikogruppen vom Rest der Bevรถlkerung isoliere.[414]
In seiner Stellungnahme Vulnerabilitรคt und Resilienz in der Krise โ Ethische Kriterien fรผr Entscheidungen in einer Pandemie vom 4. April 2022 hat der Deutsche Ethikrat die deutsche Pandemiepolitik sowie das Agieren von Medien und Gerichten umfangreich und kritisch aufgearbeitet, um daraus Schlussfolgerungen fรผr zukรผnftige Pandemien abzuleiten. Der Ethikrat betont die โErhaltung beziehungsweise Wiederherstellung grรถรtmรถglicher Freiheitโ als grundlegende Zielsetzung โin ethischer wie (verfassungsโ)rechtlicher Hinsichtโ. Die โteils erheblichen und tief einschneidenden Beschrรคnkungen von Freiheitsrechtenโ wรคren nur durch โhohe Sterblichkeit, langfristige gesundheitliche Beeintrรคchtigungen signifikanter Bevรถlkerungsteile oder der drohende Kollaps des Gesundheitssystemsโ gerechtfertigt und mรผssten zurรผckgenommen werden, sobald die Ziele erreicht sind.[415]
Debatte um Herdenimmunitรคt durch natรผrliche Durchseuchung
BearbeitenEnde der gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite
BearbeitenAm 5. Mai 2023 erklรคrte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus, der am 30. Januar 2020 COVID-19 zu einer gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite erklรคrt hatte, dass dieser Zustand nunmehr nicht mehr gegeben sei. Wรคhrend es bei der Erklรคrung des Pandemiezustandes auรerhalb Chinas weniger als 100 Erkrankungsfรคlle gegeben hatte, wurden bis zum Zeitpunkt der Aufhebung der Notlage gemรคร WHO annรคhernd 7ย Millionen nachgewiesene Pandemie-assoziierte Todesfรคlle gemeldet, wobei die tatsรคchliche Zahl auf mindestens 20 Millionen geschรคtzt wurde. Zugleich hielt die WHO fest, dass das Virus auch weiterhin gefรคhrlich bleibe und weiter eine globale Gesundheitsbedrohung sei. In der Woche zuvor sei alle 3ย Minuten ein Mensch nachweislich an COVID-19 gestorben. Das Virus bleibe in der Welt und mutiere weiter, sodass es auch weiter zu neuen Varianten mit neuen Infektionswellen kommen kรถnne. Zudem warnte die WHO davor, das Virus nun als harmlos anzusehen: Das Schlimmste, was ein Land nun tun kรถnne, sei, die Nachricht vom Ende der Gesundheitsnotlage โzum Anlass zu nehmen, seine Wachsamkeit zu vernachlรคssigen, die von ihm aufgebauten Systeme abzubauen oder seiner Bevรถlkerung die Botschaft zu vermitteln, dass COVID-19 kein Grund zur Sorge istโ.[4] Das Ende der Notlage sei nicht gleichzusetzen mit dem Ende der Pandemie, welche weiterhin andauere.
Siehe auch
BearbeitenLiteratur
Bearbeiten- Robert Koch-Institut (Hrsg.): Ergรคnzung zum Nationalen Pandemieplan โ COVID-19 โ neuartige Coronaviruserkrankung. 4.ย Mรคrz 2020, S.ย 1โ39 (rki.de [PDF; 1,5ย MB]).
- Joseph T. Wu, Kathy Leung, Gabriel M. Leung: Nowcasting and forecasting the potential domestic and international spread of the 2019-nCoV outbreak originating in Wuhan, China: a modelling study. In: The Lancet. Bandย 395, Nr.ย 10225, 31.ย Januar 2020, S.ย 689โ697, doi:10.1016/S0140-6736(20)30260-9.
- Weltgesundheitsorganisation (Hrsg.): Report of the WHO-China Joint Mission on Coronavirus Disease 2019 (COVID-19). 28.ย Februar 2020 (who.int [PDF; 1,6ย MB; abgerufen am 2.ย Mรคrz 2020]).
- Richard Baldwin, Beatrice Weder di Mauro: Economics in the Time of COVID-19. Hrsg.: Center for Economic Policy Research. London 2020, ISBN 978-1-912179-28-2 (E-Book-Version online).
- Bernd Kortmann, Gรผnther G. Schulze (Hrsg.): Jenseits von Corona. Unsere Welt nach der Pandemie โ Perspektiven aus der Wissenschaft. Transcript Verlag, 2020, ISBN 978-3-8376-5517-9.
- Cordt Schnibben, David Schraven (Hrsg.): Corona โ Geschichte eines angekรผndigten Sterbens. dtv Verlagsgesellschaft, Mรผnchen 2020, ISBN 978-3-423-26281-1.
- Themenheft โCoronaโ der Internationalen Katholischen Zeitschrift Communio, Jg.ย 50 (2021), Ausgabe Mai/Juni 2021, S. 225โ311 (Beitrรคge von Walter Kasper, Jan-Heiner Tรผck, Joachim Negel, Elisabeth Birnbaum, Kรคte Meyer-Drawe, Stefan Waanders, Stefan Kopp und Christian Lehnert).
- David Adam: Die wahre Zahl der Coronapandemie-Toten. In: Spektrum.de, 24. Januar 2022; Original: The pandemicโs true death toll: millions more than official counts. In: Nature, 18. Januar 2022.
- Ansgar W. Lohse, Thomas C. Mettenleiter (Hrsg.): Infektionen und Gesellschaft. Was haben wir von COVID-19 gelernt? Springer Spektrum, Berlin 2022, ISBN 978-3-662-66072-0, doi:10.1007/978-3-662-66073-7.
- Karl Heinz Roth: Blinde Passagiere. Die Corona-Krise und ihre Folgen. Antje Kunstmann, Mรผnchen 2022, ISBN 978-3-95614-484-4.
- Marc-Denis Weitze: Corona-Kommunikation. Eine Krise in Wissenschaft, Politik und Medien. Springer, Berlin 2023, ISBN 978-3-662-67517-5.
- Theres Lรผthi: Eine dunkle Vermutung รผber Corona grassiert โ und ist so ansteckend wie das Virus. In: Das Magazin, 2. Oktober 2025.
Dokumentationen
Bearbeiten- Der Ausbruch โ War die Pandemie vermeidbar? TV-Dokumentation in HD von Michael Wech, Peter Wolf; D 2022; mitwirkend: Lawren E. Gostin (globales Gesundheitsrecht), Edward Holmes (Virologe), Jason McLellan (Strukturbiologe), Jeremy Farrar (Infektiologe), Richard Hatcheti (Epidemiologe), James Lawler (Infektiologe) u.ย a.; gesendet auf ZDF 17. Mai 2022 (auch verfรผgbar auf youtube.com).
- Brisante Spurensuche โ Woher kam das Coronavirus wirklich? Originaltitel: Did Covid Leak from a Lab in China? GB 2021 fรผr Channel 4- television; deutsche Synchronfassung: auf n-TV, 2022; Mitwirkend: Jane Metzler (Autor und Berater des nationalen Sicherheitsrates der USA und der WHO), Alina Chan (Molekularbiologin โ The Broad Institute of MIT und Harvard), Nikolai Petrowsky (Mediziner an der Flinders University), David Relman (Mediziner an der Stanford University), Sir John Bell (Mediziner an der University of Oxford), Milton Leitenberg (Zentrum fรผr sicherheitstechnische Studien, University of Maryland), Richard Ebright (Direktor des Mikrobiologischen Instituts der Rutgers University), Gilles Demaneuf (Datenanalyst), Rossana Segreto (Molekularbiologin โ Expertin fรผr Genomanalyse), Monali Rahalkar (Mikrobiologin am Agharkar Research Institute [ARI]), Nicholas Wade (Wissenschaftsjournalist bei New York Times und Nature) (auch verfรผgbar auf youtube.com).
Weblinks
Bearbeiten- Johns Hopkins CSSE: Coronavirus COVID-19 Global Cases. Aktuelle Zahlen fรผr bestรคtigte Infektionen, Todesfรคlle und Genesungen nach Lรคndern und Regionen โ laufend aktualisiert. In: Internetseite des Johns Hopkins University Center for Systems Science and Engineering. (englisch, mehrmals tรคglich aktualisiert, zum Daten-Update Seite jeweils neu laden).
- Seite von Avi Schiffmann (etwas schneller und รผbersichtlicher als andere Quellen)
- Interaktive Karten mit aktuellen Zahlen
- fรผr Deutschland (ARD)
- fรผr รsterreich (ORF)
- fรผr die Schweiz (BAG)
Informationen staatlicher Behรถrden vorwiegend in deutscher Sprache
Bearbeiten(in der Regel laufend aktualisiert)
- Belgien:
- Deutschland:
- Bundesministerium fรผr Gesundheit: Informationen zur Coronavirus-Pandemie Auf: bundesgesundheitsministerium.de
- Bundesministerium fรผr Gesundheit (Deutschland): Die Situation der Corona-Pandemie in Deutschland. Auf: corona-pandemieradar.de
- Offizielle Kampagne: Zusammen gegen Corona: Wer sich schรผtzt, schรผtzt auch andere #WirBleibenZuhause
- Bundeszentrale fรผr gesundheitliche Aufklรคrung: Informationen rund um das Coronavirus
- Robert Koch-Institut:
- รbersichtsseite zu COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2)
- Antworten auf hรคufig gestellte Fragen zum Coronavirus SARS-CoV-2 / Krankheit COVID-19 ( vom 8. Juli 2023 im Internet Archive)
- Zusammenfassende Darstellungen der von den Gesundheitsรคmtern รผbermittelten Meldedaten (COVID-19-Dashboard)
- Risikobewertung zu COVID-19
- Bundesinstitut fรผr Risikobewertung (BfR): Kann das neuartige Coronavirus รผber Lebensmittel und Gegenstรคnde รผbertragen werden?
- Heiko Bergmann, Dorothee Engelhardt, Nina Storfinger: Kennzahlen rund um die Corona-Pandemie: eine Betrachtung aus Sicht der Statistik. In: Bayern in Zahlen, Heft 2020,09, S.ย 544โ569 (Bayern / Landesamt fรผr Statistik)
- Italien (Sรผdtirol):
- รbersichtsseite Coronavirus, Sรผdtiroler Landesverwaltung
- Liechtenstein:
- Luxemburg:
- รbersichtsseite Coronavirus, Luxemburger Regierung
- รsterreich:
- Schweiz:
- รbersichtsseite Coronavirus, Bundesamt fรผr Gesundheit (BAG)
- Covid-19 Schweiz โ Kennzahlen zur Coronavirus-Pandemie in der Schweiz und in Liechtenstein, Bundesamt fรผr Gesundheit (BAG)
- Offizielle Kampagne: So schรผtzen wir uns
- Hรคufig gestellte Fragen, Bundesamt fรผr Gesundheit (BAG)
Informationen internationaler bzw. staatlicher Behรถrden vorwiegend in englischer Sprache
Bearbeiten(in der Regel laufend aktualisiert)
- Coronavirus disease (COVID-19) pandemic und Health topics: Coronavirus disease (COVID-19): รbersichtsseiten der Weltgesundheitsorganisation.
- COVID-19: รbersichtsseiten der Europรคischen Gesundheitsagentur (ECDC).
- Daily briefings on novel coronavirus cases in China der Nationalen Gesundheitskommission der Volksrepublik China
- Hubei fights against novel coronavirus epidemic, Hubei Provincial Foreign Affairs Office (mehrsprachig, tรคglich aktualisiert).
- COVID-19: รbersichtsseiten der US-Gesundheitsbehรถrde Centers for Disease Control and Prevention.
Reportagen, Podcasts, Aufklรคrungsvideos
Bearbeiten- Sรฉbastien Le Belzic: China: Tagebuch in Quarantรคne. Filmreportage รผber Menschen, die in China in Quarantรคne leben. In: Internetseite des TV-Senders Arte. Februar 2020, archiviert vom (nicht mehr online verfรผgbar) am 9.ย Februar 2023 (37 min, verfรผgbar bis 23.ย Februar 2023).
- Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten NDR Info Podcast, 2020, oder die Skripte zur Sendung im PDF
- WDR: Corona โ die wichtigsten Fakten. In: Quarks-Extra. 4.ย April 2020, abgerufen am 28.ย Mรคrz 2020 (Die Dauer, die das kontaminierte Aerosol schwebend in der Luft verbringt, bevor es zu Boden sinkt, wird hier mit maximal 10 Minuten angegeben. Das stimmt nicht รผberein mit dem neusten wissenschaftlichen Stand, nach dem diese Zeit lรคnger ist. Ansonsten ist der Beitrag aktuell, sehr informativ und gut aufbereitet um die Thematik auch Nicht-Medizinern nahe zu bringen.).
- Kekulรฉs Corona-Kompass MDR Podcast, 2020
- Johannes-Kepler-Universitรคt, Linz: Corona-Update-Podcast, 2020
- Harald Lesch: Corona: Was weiร die Wissenschaft? Beitrag im Wissenschaftsmagazin Leschs Kosmos. In: Internetseite des ZDF. 24.ย Mรคrz 2020 (43 min, verfรผgbar bis 17.ย Mรคrz 2025).
- Harald Lesch: Coronavirus: Unnรถtiger Alarm bei Covid-19? 2.ย April 2020.
- Coronavirus in leichter Sprache
- DWDS-Themenglossar zur COVID-19-Pandemie
- Corona-Chroniken. Ein Virus verรคndert die Welt. (Seite dauerhaft nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juli 2024. Suche im Internet Archive ) In: arte.tv, 9. Mai 2020.
- Der Zug der Seuche, Podcast von NDR Info, 21. August 2020
- Uta Neubauer: Wie Forscher die Ausbreitung der Pandemie im Abwasser mitverfolgen. NZZ, 18. Dezember 2020
- Laura Terberl, Olivia von Pilgrim, Annika Sehn: Wie Corona die Lieferketten durcheinanderbringt. Video. SZ.de, 8. Juni 2021 (abgerufen am 29. Juli 2021)
Einzelnachweise
Bearbeiten- โ a b WHO sieht noch viele offene Fragen zur Herkunft von SARS-CoV-2. In: aerzteblatt.de. 4. August 2020, abgerufen am 19. August 2020.
- โ Jon Cohen: Wuhan seafood market may not be source of novel virus spreading globally. In: sciencemag.org. 26. Januar 2020, doi:10.1126/science.abb0611.
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- โ Florian Rรถtzer: WHO erklรคrt internationale Notlage. Tagesschau.de, 31. Januar 2020.
- โ Chronologie anhand chinesischer Quellen: Sinologie Heidelberg Alumni Netzwerk (SHAN e.ย V.): Corona, Fledermรคuse, Labore und Verschwรถrungstheorien, 24. Mรคrz 2020.
- โ Suche nach den ungezรคhlten Toten der Pandemie. www.orf.at, 26.ย Mai 2021, abgerufen am 3.ย Juni 2021.
- โ Estimating excess mortality due to the COVID-19 pandemic: a systematic analysis of COVID-19-related mortality, 2020โ21. In: The Lancet, 10. Mรคrz 2022, doi:10.1016/S0140-6736(21)02796-3.
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- โ a b Talha Khan Burki: Lifting of COVID-19 restrictions in the UK and the Delta variant. In: The Lancet. 12. Juli 2021, doi:10.1016/S2213-2600(21)00328-3, online. Zitat: โThe reproductive number (R0) for the original strain of SARS-CoV-2 is roughly 2.5. The Alpha variant (B.1.1.7), which was previously dominant in the UK, is around 60ย % more transmissible than the parental virus. The Delta variant is roughly 60ย % more transmissible than the Alpha variant, which translates to an R0 of nearlyย 7.โ
- โ Boris Johnson warnt vor neuer, hochansteckender Virusmutation. In: Die Zeit. 20.ย Dezember 2020, abgerufen am 20.ย Dezember 2020.
- โ Neue Corona-Variante โist auรer Kontrolleโ โ WHO eingeschaltet. In: Die Welt. 20.ย Dezember 2020, abgerufen am 20.ย Dezember 2020.
- โ rki.de >InfAZ< Virusvariante Abgerufen am 2. April 2021
- โ Neuartiges Coronavirus ( vom 4. April 2023 im Internet Archive) auf RKI
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- โ Frankfurter Allgemeine Zeitung. 4.ย August 2021, abgerufen am 6.ย September 2021.
- โ Weltweit gibt es mehr als 400 Millionen bestรคtigte Corona-Infektionen. Redaktionsnetzwerk Deutschland, 9.ย Februar 2022, abgerufen am 14. Februar 2022.
- โ Weltweit mehr als 500 Millionen bestรคtigte Corona-Fรคlle. In: zeit.de. 15.ย April 2022, abgerufen am 15.ย April 2022.
- โ a b Covid-Pandemie โ WHO hebt Corona-Gesundheitsnotstand auf โ Virus nicht besiegt. In: srf.ch. 5.ย Mai 2023, abgerufen am 5.ย Mai 2023.
- โ Coronavirus disease (COVID-19) pandemic. Weltgesundheitsorganisation, abgerufen am 8. Dezember 2023.
- โ siehe auch World Health Statistics 2023 โ who.int: Link-Liste, Download des pdf (16ย MB)
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- โ Elena Erdmann: Coronavirus: โWir wissen nicht einmal, wie viele Fรคlle es heute gibtโ โ Interview mit Harvard-Epidemiologe Renรฉ Niehus. In: Zeit Online. 29.ย Februar 2020, abgerufen am 29.ย Februar 2020.
- โ Apoorva Mandavilli: The Coronavirus Can Be Airborne Indoors, W.H.O. Says. New York Times, 9. Juli 2020.
- โ a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t Novel Coronavirus (2019-nCoV) situation reports; Coronavirus disease (COVID-2019) situation reports. WHO, abgerufen im Mรคrz 2020 (englisch, Hinweis zu den Fallzahlen: Die WHO รผbernimmt die Angabe der Zahlen ihrer Mitgliedstaaten nach einer bestimmten Definition. Vom 13. bis 16. Februar 2020, Report Nr. 24 bis 27, wies die WHO zusรคtzlich zu den mit Labortests bestรคtigten Fรคllen die durch klinische Diagnosen bestรคtigten Fรคlle fรผr die am stรคrksten betroffene Region Hubei in China separat aus, vergleiche Artikeltext. Die gezeigten Zahlen beinhalten beide Fallarten. Bis zum 17. Mรคrz 2020 waren im WHO-Bericht die bis 10:00 Uhr MEZ gemeldeten Fรคlle aufgefรผhrt, mit dem Report Nr. 58 vom 18. Mรคrz 2020 wurde dies auf 00:00 Uhr MEZ geรคndert, so dass sich รberschneidungen zum Report Nr. 57 ergeben.).
- โ Coronavirus disease 2019 (COVID-19): Situation Report โ 29. Weltgesundheitsorganisation, 19.ย Februar 2020, abgerufen am 27.ย Februar 2020 (englisch).
- โ a b Mike Famulare: 2019-nCoV: preliminary estimates of the confirmed-case-fatality-ratio and infection-fatality-ratio, and initial pandemic risk assessment. Institute for Disease Modeling, 19.ย Februar 2020, abgerufen am 27.ย Februar 2020 (englisch).
- โ Elizabeth Cheung: Some recovered Covid-19 patients may have lung damage, doctors say. In: South China Morning Post. 13.ย Mรคrz 2020, abgerufen am 2.ย April 2020.
- โ Thomas Kรคding: Karl Lauterbach zu Corona: โDie Bevรถlkerung schรคtzt die Lage falsch einโ. In: Kรถlner Stadt-Anzeiger. 18.ย Mรคrz 2020, abgerufen am 2.ย April 2020.
- โ Fragen und Antworten: Kann das neuartige Coronavirus รผber Lebensmittel und Spielzeug รผbertragen werden? In: bfr.bund.de. Bundesinstitut fรผr Risikobewertung (BfR), 24.ย Februar 2020, abgerufen am 27.ย Februar 2020.
- โ James Griffiths, Nectar Gan: Chinese study finds Covid-19 virus to be more contagious than SARS or MERS. In: CNN.com. 19.ย Februar 2020, abgerufen am 27.ย Februar 2020.
- โ Vital Surveillances: The Epidemiological Characteristics of an Outbreak of 2019 Novel Coronavirus Diseases (COVID-19) โ China, 2020. In: China CDC Weekly, Jahrgang 2 (2020), Nummer 8. Chinese Center for Disease Control and Prevention, S. 113โ122, abgerufen am 10.ย April 2020.
- โ WHO Director-Generalโs remarks at the media briefing on COVID-2019 outbreak on 17 February 2020. Weltgesundheitsorganisation (WHO), 17.ย Februar 2020, abgerufen am 10.ย April 2020 (englisch).
- โ a b Tedros Adhanom Ghebreyesus: WHO Director-Generalโs opening remarks at the media briefing on COVID-19 โ 24 February 2020. In: Internetseite der Weltgesundheitsorganisation (WHO). 24.ย Februar 2020, abgerufen am 26.ย Februar 2020 (englisch).
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- โ Report sulle caratteristiche dei pazienti deceduti positivi a COVID-19 in Italia Il presente report รจ basato sui dati aggiornati al 17 Marzo 2020. (PDF) Istituto Superiore di Sanitร , 18.ย Mรคrz 2020, abgerufen am 22.ย Mรคrz 2020.
- โ Institute for Disease Modeling (IDM)
- โ Carrie Reed, Matthew Biggerstaff, Lyn Finelli, Lisa M. Koonin, Denise Beauvais, Amra Uzicanin, Andrew Plummer, Joe Bresee, Stephen C. Redd, Daniel B. Jernigan: Novel Framework for Assessing Epidemiologic Effects of Influenza Epidemics and Pandemics. In: Emerging Infectious Diseases journal โ CDC. Bandย 19, Nr.ย 1, Januar 2013, ISSNย 1080-6040, doi:10.3201/eid1901.120124 (englisch, cdc.gov [abgerufen am 27.ย Februar 2020]).
- โ Zu weiteren Parallelen und Unterschieden Covid-19/Spanische Grippe: Harald Salfellner: Die Spanische Grippe. Eine Geschichte der Pandemie von 1918. Vitalis, Prag 2020, ISBN 978-3-89919-794-5, S. 170 ff.
- โ Lungenkrankheit Covid-19Virologe: Behรถrden in Europa reagieren zu gemรคchlich. In: deutschlandfunk.de. 25.ย Februar 2020, abgerufen am 17.ย Mai 2021 (Alexander Kekulรฉ im Gesprรคch mit Christine Heuer am 25. Februar 2020).
- โ Coronavirus in Deutschland: Zahl der Infektionen sprunghaft gestiegen. In: tagesschau.de. 28.ย Februar 2020, abgerufen am 28.ย Februar 2020.
- โ Was in Deutschland jetzt wichtig wird. In: tagesschau.de. 26.ย Februar 2020, abgerufen am 23.ย Mรคrz 2020.
- โ Lars Fischer, Alina Schadwinkel: Fragen und Antworten zu Covid-19: Was bringen die Ausgangsbeschrรคnkungen? In: Spektrum.de. 18.ย Mรคrz 2020, abgerufen am 21.ย Mรคrz 2020.
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- โ Julia Merlot: Chef des Robert Koch-Instituts: โWir gehen davon aus, dass es ein Stresstest wird fรผr unser Landโ. In: Spiegel Online. 13.ย Mรคrz 2020, abgerufen am 20.ย Mรคrz 2020.
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- โ Maren Wรถlk: Nationaler Pandemieplan: Strukturen und Maรnahmen. Teil 1: Strukturen und Maรnahmen. Hrsg.: Robert Koch-Institut. Stand: 2. Mรคrz 2017 Auflage. Robert Koch-Institut, Berlin 2017, ISBN 978-3-89606-286-4.
- โ a b c d e f g h i j k WHO Coronavirus Disease (COVID-19) Dashboard; oben rechts auf der Seite ist ein Link zum Download der Daten im CSV-Format
- โ Julia Kรถppe: Neues Coronavirus: Suche nach Patient X. In: Spiegel Online. 18.ย Februar 2020, abgerufen am 19.ย Februar 2020.
- โ Kristian G. Andersen, Andrew Rambaut, W. Ian Lipkin, Edward C. Holmes, Robert F. Garry: The proximal origin of SARS-CoV-2. In: Nature Medicine. 17.ย Mรคrz 2020, ISSNย 1546-170X, S.ย 1โ3, doi:10.1038/s41591-020-0820-9 (englisch).
- โ Jonas Schmidt-Chanasit: Corona-Krise: Wie hรคngen Pandemie, Umweltzerstรถrung und Klimawandel zusammen? Bundeszentrale fรผr politische Bildung, 29.ย April 2020, abgerufen am 3.ย April 2021.
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